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Rallye-WM: Exklusivinterview

"Ich bin nach wie vor von Andreas Aigner überzeugt!"

Im exklusiven Gespräch mit motorline.cc erklärt Red Bull Rallye-Teamchef Raimund Baumschlager, warum er auch 2008 mit Andreas Aigner in der PWRC antreten möchte.

Michael Noir Trawniczek
Fotos: Red Bull Rallye Team

Für Aufsehen sorgte Andreas Aigner am Beginn der Saison 2007 mit der Ankündigung, die PWRC-Weltmeisterschaft gewinnen zu wollen. Doch nach den ersten Läufen kehrte die große Ernüchterung ein, schlimmer noch - Aigner taumelte in eine Form- und vor allem Motivationskrise, sogar Red Bull Rallye-Teamchef Raimund Baumschlager kritisierte seinen Schützling. Heute sagt Baumschlager dazu: "Das war einfach nicht mehr der Andreas Aigner, den wir gekannt haben. Andi musste schmerzhaft erkennen, dass die Gruppe N doch nicht so leicht ist, wie er es sich vorgestellt hatte. Aber Schwamm drüber - wir konnten den Andi aufwecken und mit dem, was er dann in der zweiten Saisonhälfte gezeigt hat, bin ich sehr zufrieden."

Die Wende in Griechenland

Schon vor der Sommerpause konnte Aigner in Griechenland brillieren - am ersten Tag übernahm er mit drei Bestzeiten die Führung, als er sich an einem Stein einen Reifen beschädigte und viel Zeit verlor - schließlich eroberte Aigner den zweiten Platz. "Ich denke jetzt vor der Rallye und nicht mehr während der Rallye nach", erklärte er gegenüber motorline.cc.

Nach der Sommerpause, in Spanien, durfte Aigner gleich wieder jubeln: "Ich bin sehr, sehr glücklich, das ist mein erster Sieg in der Gruppe N. Es waren hier starke Piloten am Start, der Sieg bedeutet mir viel." Einziger Wermutstropfen: Der Lauf zählte nicht zur PWRC. In Irland, beim nächsten PWRC-Lauf, konnten Aigner und sein Copilot Klaus Wicha das Feld anführen, die beiden waren sogar schneller als der anerkannt schnelle Lokalmatador Mark Higgins, als ein Überschlag auf SP 7 die Siegträume zunichte machte. In Wales wurde Aigner von unzähligen Reifenschäden heimgesucht. "Der Speed war in Ordnung - schade, dass er unbelohnt blieb", kommentierte Aigner.

2007 wird Andreas Aigner wohl als hartes, aber auch lehrreiches Jahr in Erinnerung behalten, in dem er das Vertrauen seines Mentors und auch das wichtige Selbstvertrauen wieder zurückerobern und mit schnellen Zeiten untermauern konnte. Wie sieht nun die Zukunft von Andreas Aigner aus? Das Red Bull Rallye Team soll es 2008 auf jeden Fall wieder geben. "Noch ist aber nicht geklärt, welcher Fahrer im Auto sitzen wird", sagt Raimund Baumschlager.

Meeting im Dezember

Schon im Sommer sei beschlossen worden, dass es im Dezember (in der nächsten Woche) ein Meeting geben wird - die Entscheidung über die Zukunft Aigners liege "nun hauptsächlich bei Red Bull", sagt Baumschlager. Er werde sich jedenfalls zu hundert Prozent für den Verbleib von Aigner einsetzen: "Das stimmt, von meiner Seite her passt es - von der Einstellung her hat es im zweiten Halbjahr super gepasst. Natürlich hätten wir gerne bessere Ergebnisse errungen - aber da war eben auch viel Pech dabei. Wenn du dir jedoch die SP-Zeiten ansiehst, erkennst du, dass Andi vorne dabei war."

Von einem Wechsel in die IRC sei man wieder abgekommen: "Das stand im Sommer als eine Möglichkeit im Raum, doch mittlerweile hat sich die Lage in der PWRC wieder gebessert. Für Andi ist es wichtig, dass er auf jenen Strecken fährt, die auch in der WM gefahren werden. Dann ist auch die Chance größer, dass seine Leistungen von den Bossen der Werksteams wahrgenommen werden." Das Ziel bleibe weiterhin, Aigner bis in die höchste Spielklasse des Rallyesports zu bringen.

Ein WRC-Projekt sei für 2008 jedoch nicht geplant - angesprochen auf jene Vision, die Österreichs Rallyefans in Verzückung bringen würden - ein Red Bull WRC-Team mit Manfred Stohl und Andi Aigner, vielleicht sogar noch in einem Ford Focus - lacht Baumschlager: "Ich weiß: Weihnachten steht vor der Tür, da kann man sich bekanntlich etwas wünschen - aber im Ernst: Ich sehe keine solche Möglichkeit, denn soweit mir bekannt ist, sollen bei Red Bull junge Talente gefördert werden - und Manfred gehört da mit seinen 35 Jahren nicht mehr dazu."

Die Situation von Manfred Stohl findet Baumschlager "bedauerlich", es sei "sicher nicht leicht für den Manfred, ich kenne das aus eigener Erfahrung, zunächst glaubt man, die Welt würde untergehen - es ist immer hart, wenn ein so großer Sponsor aufhört, nicht nur für den Manfred, auch für den gesamten Rallyesport in Österreich, denn so viele Sponsoren gibt es in diesem Land bekanntlich nicht - aber ich kenne auch die Situation von Manfred nicht, ob er einen Sponsor hat, damit er weiter in der WM fahren kann - ich kann ihm nur alles Gute wünschen".

Mit Evo IX in der PWRC

Das Red Bull Rallye Team möchte 2008 mit einem fabriksneuen Mitsubishi Lancer Evo IX in der PWRC antreten - der Nachfolger Evo X sei zurzeit kein Thema, denn der "ist noch nicht homologiert", erklärt Baumschlager. Die Meinungen über den Evo X sind vielschichtig - manche Experten finden, dass der Evo X für den Rallyesport untauglich sei, doch Baumschlager winkt ab: "Das kann man so nicht sagen, ohne den Wagen getestet zu haben." Der Rosenauer hofft, dass die Sportbehörde FIA im Reglement einen möglichst fairen Ausgleich zwischen den Gruppe N-Autos von Mitsubishi und Subaru und den neuen Super 2000-Boliden findet, denn "auf Asphalt sind die Super 2000 sehr stark, wie wir auf Korsika gesehen haben".

Ein konkretes Ziel für 2008 möchte Baumschlager nicht nennen, zumal noch keine Beschlüsse für die kommende Saison gefasst wurden. Baumschlager denkt jedoch, dass Aigner sehr wohl "vorne mitfahren kann - wenn man die Prüfungszeiten der zweiten Saisonhälfte betrachtet, dann lag der Andreas gar nicht so weit weg mit seinem Vorhaben, Erster zu werden. Es gehört halt auch die nötige Portion Glück dazu".

Die PWRC wirkte in diesem Jahr zum Teil wie eine Anhäufung von Reifenschäden - man konnte beinahe glauben, es ginge nur noch darum, wer die wenigsten "Patschen" einfährt. Raimund Baumschlager sagt dazu: "In der WRC ist nächstes Jahr das Mousse nicht mehr erlaubt, daher werden die Reifen sicher stabiler sein - und ich glaube nicht, dass wir im kommenden Jahr andere Reifen als die WRC erhalten werden."

Zukunft in der WRC

Dass es für den 23-jährigen Andreas Aigner durchaus Zukunftschancen, auch in der WRC, geben würde - davon ist Raimund Baumschlager überzeugt: "Man sieht, dass junge Piloten nachkommen - schau dir nur den Latvala an, der fuhr auch in der PWRC." Konkrete Anfragen der Werkschefs habe es bislang nicht gegeben, zumal "derzeit viele junge Fahrer auf dem Markt" seien. Prinzipiell erkennt Baumschlager so etwas wie einen Jugendhype: "Die Fahrer werden immer jünger und jünger." Der Este Markko Märtin hat erst unlängst ein Comeback ausgeschlossen - mit den Worten: "Das ist nicht mehr, wie es war. Als ich noch fuhr, musste ich gegen die Besten der Welt antreten und nicht nur gegen die Jungs, die Geld haben." Baumschlager sagt dazu: "Märtin hat zum Teil Recht - es sind wirklich sehr viele Piloten dabei, die viel Geld mitbringen. Trotzdem gibt es immer noch viele schnelle und talentierte Piloten in der WM."

Er selbst werde sich als Aktiver auch 2008 auf die österreichische Meisterschaft konzentrieren. "Ich probiere es noch einmal", sagt der langjährige ÖM-Dominator mit einem Augenzwinkern. Einen weiteren Ausflug auf die internationale Bühne, wie heuer bei der Deutschland-Rallye, wo Baumschlager zunächst um den Sieg kämpfen und nach einem Reifenschaden (was sonst?) immerhin noch den zweiten Platz belegen konnte, hat Baumschlager nicht fix eingeplant. Er sagt: "Zunächst einmal muss das Programm für die kommende Saison beschlossen werden. Wir wollen unbedingt mit dem Andi weitermachen - das ist mir jetzt einmal am wichtigsten. Ich habe versprochen, mich um den Jungen zu kümmern, ihn aufzubauen - und ich bin nach wie vor von seinen Fähigkeiten überzeugt."

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