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Es wird schon, Mikko – oder doch nicht?

Natürlich, Mikko Hirvonen ist ein netter Typ – doch es stellt sich die Frage, ob er der richtige Pilot für den Kampf gegen einen Sébastien Loeb ist…

Michael Noir Trawniczek

Nichts gegen Mikko Hirvonen, ein netter und auch offen und ehrlich wirkender junger Mann - Rally & more-Kolumnistin Tina Maria Monego hat im vergangenen Herbst in einem SportWoche-Essay sehr anschaulich ihre Gefühle für den bald 30-jährigen Finnen beschrieben: „Man möchte ihn am liebsten an die Brust nehmen und ihm sagen: ‚Das wird schon!’“

Daher gleich vorweg: Das wird schon, Mikko Hirvonen! Irgendwann wird es klappen - wenn ein Sébastien Loeb endlich ein Formel 1-Cockpit ergattert hat oder nur noch Langstreckenrennen bestreitet und die Weltmeisterschaft nur noch aus vier mit den Villagras und den Wilsons dieser Welt besetzten Autos besteht, wird die große Stunde schlagen, wird der WM-Titel errungen werden…

War das jetzt böse? Vielleicht…entschuldigen Sie, vielmals.

Doch man muss sich wirklich fragen, ob Mikko Hirvonen der richtige Mann für den Kampf gegen ein Kaliber wie Sébastien Loeb ist?

Es ist natürlich schön und begrüßenswert, wenn Piloten offen und ehrlich sind. Es fällt dann aber auch unweigerlich auf, wenn man bei nahezu jeder Rallye irgendwann an einem Morgen in einem SP-Zielraum in ein Mikro des WRC-Radios spricht: „Ich muss offenbar erst wach werden!“ Entweder ist also im Ford-Servicebereich einfach nur der Kaffee zu schwach oder Hirvonen muss an seiner eigenen Schwäche arbeiten – es kann aber nicht sein, dass über Jahre hinweg dieses Eingeständnis an Verschlafenheit zu einer Art Markenzeichen eines Piloten wird, der einen sechsfachen Champion bezwingen möchte…

Wo doch Mikko Hirvonen ein sensibler Mensch ist, dessen Ego offenbar recht leicht zu brechen droht. Man hat den Eindruck: Es vergeht keine Saison, in der er nicht zu zweifeln beginnt und dann auch Fehler macht. Freilich – die macht auch ein Loeb. Doch dann wächst er über sich selbst hinaus – und das wiederum erlebt man bei Hirvonen selten.

In Jordanien flog Hirvonen einfach von der Strecke – Malcolm Wilson erklärte umgehend: „Ich habe gerade nachgeschaut, wann Mikko zum letzten Mal aus eigener Schuld ausgeschieden ist. Das war bei der Rallye Mexiko 2006. Natürlich hatte er danach Ausfälle wegen technischer Defekte, aber das heute war der erste folgenschwere Fahrfehler seit damals.“ Vier fehlerlose Jahre? Und dennoch kein einziger WM-Titel? Einfach nur weil Loeb so stark ist? Oder ist es nicht eher so, dass sich Hirvonens Krisen und Fehler in mangelndem Biss niederschlagen? Er dann einfach nur zu langsam ist?

In der Türkei kam prompt der nächste Fahrfehler. Die Folge: Ein Reifenschaden. Die Konsequenz wäre gewesen: Platz vier statt dem ersehnten und auch ernsthaft in Erwägung gezogenen Sieg. Dank Sordo wurde es Platz drei.

In Jordanien wurde Hirvonen kurzzeitig von seinem als Nr.2-Fahrer deklarierten Teamkollegen Jari Matti Latvala in der WM-Tabelle überholt, in der Türkei übernahm Petter Solberg die Rolle des Loeb-Jägers. Der neue WM-Zweite erhielt von Loeb die größtmögliche Auszeichnung, der sechsfache Weltmeister sagte: „Solberg beginnt gefährlich zu werden.“

Petter Solberg weiß, wie man eine WM gewinnt…

Petter Solberg weiß, wie man eine WM gewinnt, er hat zumindest schon einmal eine gewonnen. Es stellt sich die Frage, warum er für das Ford-Werksteam keine Lösung darstellt?

Natürlich gab oder gibt es Bedenken, ob Solberg tatsächlich schnell genug ist – doch ein Ford-Duo Solberg/Hirvonen wäre allemal interessant gewesen. Marcus Grönholm ist jedenfalls, das kann man im Nachhinein durchaus sagen, zu früh gegangen, Hirvonen zu früh in die Nr.1-Rolle geschlüpft. Petter Solberg wäre ein optimaler Grönholm-Nachfolger gewesen. Zerknirscht ob des unfahrbaren Subaru hätte er dort vielleicht jenes Hoch erlebt, dass er jetzt, im mühsam erkämpften Privat-C4 erlebt. Wo er um jedes Update genauso hart kämpfen muss wie auf der Strecke.

Nichts gegen Mikko Hirvonen. Aber man erhält nicht den Eindruck, dass der Finne immer besser wird. Im Gegenteil: Er scheint zu stagnieren. Genau wie in seiner ersten WRC-Karriere. Und Loeb zieht von dannen, holt unaufgeregt, Kaugummi kauend, Achsel zuckend und selbstverständlich unrasiert den nächsten Titel. Er weiß genau: In einem Citroen wird Solberg niemals zu einer ernsthaften Gefahr – denn das erledigt im schlimmsten Falle der „Mann mit dem Laptop“.

Der WM würde ein ernsthafter Titelkampf jedenfalls gut tun – derzeit ist die einzige Hoffnung, dass sich Loeb wie im Vorjahr derart unterfordert fühlt, sodass er sich in Nachlässigkeit verliert. Doch Loeb hat daraus ganz sicher gelernt – das Einzige, was man einem Loeb zurzeit vorwerfen kann, ist, wie es Tina Maria Monego in dem erwähnten Essay so treffend formulierte, seine leicht überhebliche, phlegmatische Art und der Umstand, dass „ein sechsfacher Weltmeister immer noch ein derart schlechtes Englisch spricht“…

Man könnte auch anders fragen: Was würde dagegen sprechen, dass Ford Petter Solberg ein drittes oder viertes Werksauto gibt? Eines, das nicht gebremst wird. Längst schon hätte man diesen Versuch wagen müssen, beispielsweise im Vorjahr. Schließlich geht es nicht nur um Ford, sondern um die sportliche Attraktivität der Weltmeisterschaft. Doch das ist ein anderes, ein weiteres, ein schwieriges Thema…

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