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Büroklammer rettete den Podestplatz

Eugen Friedl und Lisa Kreuzer vom MCL 68 kämpften mit einem Vergaserproblem, konnten aber in der Mitropa-Cup-Historic-Jahreswertung den zweiten Gesamtplatz nicht nur verteidigen, sondern sogar fast zum Pokalführenden aufschließen.

Fotos: Fritz Tromba

Als nächster Lauf stand für das Team erstmals die Saturnus-Velenje-Rallye im Raum Velenje (Slowenien) auf dem Programm. Im Namen stecken eigentlich zwei verschiedene Rallyes; der Grund ist der, dass sich die Veranstalter der beiden Rallyes zu einer "Fusion" entschlossen haben.

Eine konditionelle Herausforderung für die 76 startenden Teams war unter anderem, dass von den 16 Sonderprüfungen 15 am Samstag, dem zweiten Rallyetag, gefahren wurden, und sich dieser bei hochsommerlichen Temperaturen zu einer kleinen Hitzeschlacht entwickelte. Am ersten Rallyetag fand nur der kurze Prolog über drei Kilometer statt – nicht einmal genug zum "Einfahren".

Eine grundsätzliche Schwierigkeit war auch, dass nur ein zweimaliges Besichtigen erlaubt war, für Eugen Friedl eine völlig neue Situation, nachdem er in dieser Gegend über keinerlei Streckenkenntnisse verfügte. Die Strecke war auf jeden Fall sehr selektiv, Asphalt mit Splitt und teilweise kleinen Schotteranteilen.

Somit war großes Vertrauen sowohl in die Ansage der "pace notes" von Co-Pilotin Lisa Kreuzer als auch in den gemeinsamen Streckenaufschrieb notwendig, was hervorragend klappte. Am zweiten Rallyetag, Samstag in der Früh, kämpfte die Crew noch mit kalten Reifentemperaturen, der Rhythmus wurde trotzdem immer besser.

Zur Mitte der siebenten Sonderprüfung musste Eugen Friedl leider anhalten, da Zuschauer an einer unpassierbaren Stelle einen anderen, leicht verunfallten Teilnehmer wieder auf die Strecke hievten, und dann dieser Konkurrent leider bis zum Ende der Sonderprüfung nicht Platz machen wollte – die SP-Zeit war damit zum Vergessen!

Zu Mittag kam Friedl in einen tollen "Flow", der so richtig Spaß machte. Doch auf SP 10 der Schreck: die Drehzahl schnellte beim Schalten urplötzlich ins Unermessliche. Erste Vermutung: steckengebliebenes Gaspedal. Da das aber nach einem kurzen Stop nicht gleich sichtbar war, musste das Problem im Innenleben der Vergaser stecken. Damit die Drehzahl wieder nicht ins "Nirwana" schnellte, fuhr Friedl ohne Schalten, nur noch mit einem "Kompromissgang", die Sonderprüfung fertig, verlor abermals viel Zeit und müht sich dann auf der Verbindungsetappe in die Servicezone.

Erst nach einigen Analysen und einem Tipp von einem anderem österreichischen Escort-Team fanden die Mechaniker die Ursache: eine kleine abgerissene Rückzugsfeder, die innen das Drosselklappengestänge des hinteren Vergasers verkeilte. Mit einer zurechtgebogenen Büroklammer und Magnetstab konnte die Servicecrew dieses läppische Zwei-Euro-Teil aus dem – aus Zeitgründen nur teilweise geöffneten Vergaser – herausfischen. Und weiter ging's nach dieser "Feinmechaniker"-Arbeit – dann halt eben ohne Ersatzfeder und mit sehr hohem Standgas.

Die Freude, dass das technische K.O. doch noch abgewendet werden konnte, war starke Motivation für die letzten SP. Mit guten Zeiten waren Friedl/Kreuzer teilweise sogar schneller als das vor ihnen liegende, sehr routinierte Historic-BMW-Team Jiratko aus der Tschechischen Republik.

Eugen Friedl: "Danke an alle Beteiligten für die erreichte Zielankunft, 33. Gesamtplatz und dritter Rang in der Mitropa-Cup-Historic-Wertung, was gleichzeitig bedeutete, dass wir bis auf acht Punkte an das führende italienische Porsche-Team Pasutti, das bei dieser Rallye ausnahmsweise nicht am Start war, herangerückt sind."

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