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Rallye: Exklusiv

„Warum denn nicht WRCs?“

Gerwald Grössing ist für die Öffnung der ORM für aktuelle World Rally Cars – nur so würde eine Chance gegen Raimund Baumschlager bestehen.

Michael Noir Trawniczek
Fotos: Daniel Fessl, Harald Illmer

Dass Skoda zurzeit das beste R5-Auto hat, beweisen die Werkspiloten des tschechischen Automobilherstellers derzeit bei jedem WM- oder auch EM-Lauf. Gerwald Grössing verweist im Interview mit motorline.cc auch auf die ausgiebige Entwicklungsarbeit, welche Raimund Baumschlager mit dem Skoda Fabia R5 unternommen hat. So sei es schwer, mit einem R5 der Konkurrenz etwas gegen den Serienstaatsmeister auszurichten...

Die Lösung sieht Grössing in der Zulassung von aktuellen World Rally Cars in der ORM, inklusive Punktevergabe für den Kampf um den Staatsmeistertitel. Österreich würde damit international eine Vorreiterrolle einnehmen – denn bislang sind WRCs nur in der Weltmeisterschaft sowie in der Slowakei und maximal zwei bis drei weiteren Ländern start- und punktberechtigt, die Mehrzahl der nationalen Meisterschaften erlauben keine aktuellen WRCs. Grössing ist überzeugt, dass es mit dieser totalen Öffnung wieder ein attraktives Starterfeld in Österreich geben könnte. Hier das komplette Interview mit dem Vizestaatsmeister 2013.

Gerwald, dein nächster Einsatz ist die Rallye Liezen am kommenden Wochenende…

Ja, wir fahren dort wieder mit dem Ford Fiesta R5, es wird für uns die erste Asphaltrallye seit einem Jahr sein. Als Beifahrer wird wieder Sigi Schwarz fungieren und das Auto wird wie immer von Sikora Motorsport eingesetzt.

Was ist dein Ziel?

Wir werden sicherlich an der Spitze mitfahren – ich denke Top 3.

Für 2016 soll die ORM geöffnet werden – man munkelt ja, dass du mit dem Gedanken spielst, im kommenden Jahr mit einem aktuellen World Rally Car zu fahren, wie schaut es da aus?

Grundsätzlich ist die ORM diesbezüglich sehr sanierungsbedürftig, wir haben momentan ein sensationell starkes Team mit Raimund Baumschlager und BRR, die einen Skoda Fabia R5 einsetzen, der die neue Benchmark darstellt. Dieses Auto ist nicht zu biegen – man hat auch bei der Deutschland-Rallye gesehen, wie überzeugend diese Autos auch international sind. Das sind fünf bis sechs Zehntelsekunden am Kilometer an Unterschied zu den anderen Herstellern, die R5-Autos bauen.

Diesbezüglich ist die Chancengleichheit also sehr begrenzt, wobei auch zu bemerken ist, dass Raimund der einzige Werksfahrer Österreichs ist – und daher ist es ganz klar: Wenn man eine Chancengleichheit haben möchte, muss man das Reglement dahingehend öffnen, dass auch Privatfahrer wie wir es eben sind, die Möglichkeit haben, technisch aufzurüsten.

Wir sind mit dem R5 sicherlich am Limit – das ist kein Vorwurf an BRR, sondern ein großes Kompliment. Weil der Raimund einfach einen sensationell guten Job erledigt. Nur: Für den österreichischen Rallyesport ist es sicher eine Richtung, die eher eintönig wird – wir haben derzeit eine Einmann-Meisterschaft. Und wenn wir daran etwas ändern wollen, brauchen wir ein offenes Reglement.

Meinst du mit offenem Reglement, dass man nicht nur die aktuellen World Rally Cars erlaubt, sondern ihnen auch Punkte gibt?

Selbstverständlich! Ich brauche ein Auto nicht fahren lassen, wenn ich keine Punkte vergebe. Die Frage ist: Was wollen wir in Österreich? Wir wollen eine Competition, wir wollen Motorsport, wir wollen die Leute an der Strecke begeistern, ihnen guten Sport bieten und die Meisterschaft möglichst offen halten,. Es ist immer die Gefahr, dass man nationale Meisterschaften als Amateurmeisterschaft betrachtet – wenn ein Teilnehmer zu übermächtig wird, auch aus technischen Gründen, wird auch das Interesse des Publikums und auch jenes der Sponsoren nachlassen.

Das heißt: Wenn man den aktuellen World Rally Cars in der ORM Punkte für den Staatsmeistertitelkampf geben würde, dann würdest du eine ganze Saison mit einem aktuellen WRC bestreiten?

Ich glaube, ich bin nicht der einzige, der in diese Richtung denkt. Denn eines ist klar – betrachten wir die politische Seite: Wenn ich theoretisch die Möglichkeit hätte, einen Skoda Fabia R5 zu fahren, dann bräuchte ich auf jeden Fall tausend Testkilometer, dass ich auf ein Level komme, um über einen Sieg in der Meisterschaft nachdenken zu können. Da reden wir von einem Betrag von runden 200.000 Euro, der diese Test- und Entwicklungsarbeit kosten würde.

Da nehme ich ein WRC und rechne 20 bis 25 Prozent mehr Grundkosten als bei einem R5 und da wäre es wahrscheinlich mit einem Test über 150 Kilometer abgetan, sodass man das Auto auch im Griff hat. Dann wäre zumindest eine Chancengleichheit vorhanden. Wenngleich man auch dazu sagen muss: Einen Raimund Baumschlager zu biegen, ist dann sowieso noch einmal eine andere Geschichte. Keine Frage, da sind wir realistisch genug. Nur ohne WRC zu fahren, wird es in Österreich wahrscheinlich die nächsten 15 Jahre keinen anderen Sieger als den Raimund geben.

Wenn man aktuelle WRC erlauben, aber keine Punkte vergeben würde – was würdest du dann machen?

Das würde ich mir gut überlegen – möglicherweise den einen oder anderen Einsatz mit einem R5, den einen oder anderen mit einem WRC, das mag schon sein. Wenngleich ich trotzdem der Meinung bin, dass man eine Meisterschaft möglichst offen gestalten muss und da gehört auch dazu, dass auch diese Autos Punkte erhalten.

Was sagst du jenen Leuten, die bei aktuellen World Rally Cars die höheren Kosten als Gegenargument einbringen?

Das habe ich vorhin schon erörtert. Um mit einem R5 konkurrenzfähig zu sein, kostet es uns mehr, als wir für ein WRC aufbringen müssten – das ist nun mal so, da wir mehr oder weniger gegen ein Werksteam kämpfen und Raimund Baumschlager den R5 mit entwickelt und getestet hat und er bekommt selbstverständlich allen Support von Skoda. Den verdient er sich auch – das muss man ganz klar und deutlich herausstreichen. Man darf ihm in der ganzen Diskussion überhaupt keinen Vorwurf machen – er ist derjenige, der alles richtig macht.

Meiner Ansicht nach machen die Regelhüter einiges oder alles falsch, indem sie es verbieten, jene technischen Möglichkeiten auszuschöpfen, die wir haben.

Wir wären dann eines von wenigen Ländern, in welchen die aktuellen World Rally Cars punktberechtigt sind…

Ja, das wäre dann der Fall. Doch worum geht es? Geht es darum, Motorsport zu betreiben? Auf geilem und wirklich hohem Niveau, sodass die Fans und auch die Sportler ihren Spaß haben? Oder geht es darum, wer bei einer Siegerehrung in Monaco auf dem großen Tisch der FIA sitzen darf? Mir persönlich ist die FIA völlig wurscht – es gibt eine Motorsporthoheit, das ist ganz klar. Aber wenn es eine Möglichkeit gibt, WRCs einzusetzen, dann soll man das auch tun. Ich sehe nicht ein, dass die FIA ein WRC nur dann erlaubt, wenn es ein internationaler Lauf mit FIA-Prädikat ist. Warum machen wir das nicht national? Das ist eine Vorreiterschaft, die sicherlich auch Möglichkeiten bieten würde. Dass man internationalen Teams auch eine Plattform gibt, bei uns vielleicht den einen oder anderen Testeinsatz zu fahren. Warum denn nicht?

Wir sprechen hier nicht von alten Zweiliter-World Rally Cars – wären die keine Alternative?

Alte Zweiliter-WRC oder WRC 2.0, wie sie jetzt auch genannt werden, sind völlig out of Order, weil die Ersatzteilversorgung nicht mehr gewährleistet ist. Wenn man die auf Top-Niveau fahren möchte, wird man nie ins Ziel kommen – wenn man sie von der Performance her herunterschraubt, sodass man durchkommt, dann bist du damit so weit weg vom Fenster, dass du damit gegen ein modernes R5-Auto gar nicht erst antreten brauchst.

Wir sprechen von aktuellen World Rally Cars, wie wir sie heute in der Weltmeisterschaft sehen. Mit solchen Geräten sollte man in Österreich um den Staatsmeistertitel fahren können.

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