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Erinnerungen eines Sportreporters
Fotos: Schuller privat, Stohl privat, photobenc

Rallye Akropolis - drei kamen durch

ORF-Legende und motorline.cc-Kolumnist Peter Klein erinnert sich an die Akropolis Rallye 1976 und stellt Rudi Stohl die Frage: „1976 oder 2026?“

Peter Klein für den Motorline Paddock Corner

Warum Franz Wittmann noch nicht dabei war, obwohl er schon damals ständiger Gast auf dem Podium war und vor 50 Jahren unter anderem schon zwei Mal die Jänner-Rallye gewonnen hatte? Nun, der Mann aus Ramsau nahm ein Jahr später den WM-Lauf in Griechenland in Angriff - und fiel nach Motorschaden am Kadett GTE 16V in der 22. Sonderprüfung aus.

Zu diesem Zeitpunkt lag er knapp hinter Walter Röhrl, der gleichfalls einen Kadett pilotierte, an zehnter Stelle!

So war also 1976 der Kärntner Klaus Russling Österreichs Zugpferd und mit Startnummer 47 der einzige Österreicher, der unter den ersten 100 Piloten überhaupt eine Startnummer bekommen hatte! Russling kam mit der Empfehlung eines dritten Ranges bei der YU-Rallye hinter den Werkspiloten von Fiat Verini und Markku Alen. Damals fuhr er noch mit Rad-Staatsmeister Peter Schuller im Porsche Carrera 911.

51 Sonderprüfungen, vier Etappen über mehr als 2600 Kilometer, davon rund 720 km Sonderprüfungen, jeder Teilnehmer hatte 125 Gegner und die Jagd durchs Land begann.

Schon auf der ersten Etappe galt es 21 Sonderprüfungen zu bewältigen und von Beginn an gab Waldegard das Tempo vor, führte nach zehn Sonderprüfungen mit dem Lancia Stratos bereits mit einer knappen Minute Vorsprung – und fiel in der elften SP zum nunmehr bereits sechsten Mal aus.

Schon zuvor waren Andersson, Mikkola und Rafaele Pinto ausgefallen, mehr als 50 Gestartete kamen über den zweiten Tag nicht hinaus.

Die Begeisterung im Land war kaum zu beschreiben, auf den Etappen wurden alle frenetisch gefeiert, Polizisten scheuchten den öffentlichen Verkehr von der Straße wenn sich ein Rallyeauto näherte. Man musste schon quer um die Ecke kommen, sonst wurde man gnadenlos ausgepfiffen ….

Welch hohe Qualität Österreichs Piloten hatten konnte man nach 20 Sonderprüfungen feststellen: ein Ausfall, aber vier unter den ersten 14 im Gesamtklassement!

Die eigentliche Sensation aber war ein Mann, der das PS-mäßig schwächste Auto pilotierte: Rudi Stohl mit einer Lada 1200 und der Startnummer 132 an zehnter Stelle noch vor Klaus Russling im Opel Ascona 1.9 SR, Leo Schirnhofer im Käfer und an 14. Stelle noch Karl Ripper im Opel Kadett/GTE-

Schon damals war Stohl dem Safari-Seriensieger Shekhar Mehta aufgefallen („He must be crazy“) – später entwickelte sich in Kenia eine echte Freundschaft…

800 Meter vor dem Ziel der 22. Sonderprüfung kam jedoch ein abruptes Aus für Stohl - der Antriebsstrang war im Eimer. Auch im Jahr darauf gab es keine Zielankunft, die gab es erst 1978 mit einem 18. Gesamtrang, diesmal mit Lada 1600.

Exakt 20 Mal fuhr Rudi Stohl nach Griechenland, seine Ergebnisse ab 1986 mit dem „kleinen“ Audi Quattro sind heute noch das Beste, das je ein Österreicher erreichen konnte. Fünf Mal unter den besten Zehn und mit Rang fünf im Jahr 1988 ein wahres Highlight! Die Ausfallsquote lag bei 60 Prozent und ein Dutzend Werkspiloten, von Kankkunen über Salonen, Mikkola und Recalde sahen nicht das Ziel. Vier Lancia Werksfahrer vor Stohl im Audi Coupe und es war ein besonderes Vergnügen, davon im „Sport am Montag“ zu berichten.

Aber zurück zur „ Acropolis“ 1976. Denn nach Stohls Ausfall gab es ja weitere Piloten, die uns stolz machten. Klaus Russling beendete auf Rang fünf und mit Leo Schirnhofer kam noch ein zweiter Österreicher auf Rang acht ins Ziel – und das bei einem Weltmeisterschaftslauf! Karl Ripper schließlich noch 15. - ein sensationelles Gesamtergebnis.

Erst vor wenigen Tagen wollte ich von Rudi wissen: „Wenn Du heute die Wahl hättest: Was würdest Du wählen: Acropolis der 70er und 80er Jahre oder jene von 2026?“ Stohl überlegt nicht lange: „Die Rallye damals war viel anstrengender, materialmordend - man musste an allen Ecken und Enden sparen, war gefordert bis zur Erschöpfung – aber man wollte dabei sein, wollte die ‚Acropolis‘ bezwingen. Keine Frage, ich würde den WM-Lauf der 70er, 80er Jahren wählen.“

Fünfzig Jahre später war Rudi Stohl 2026 Ende Mai als Zuschauer in Griechenland, allerdings bei der historischen „ Acropolis“ - weil es noch über jene legendären Prüfungen ging,  die ihm heute noch wohlbekannt sind.

Beim Weltmeisterschaftslauf 2026 startet nur noch ein österreichisches Duo, nämlich Keferböck/Minor im Toyota Yaris. Wenn auch ohne Chancen auf einen Platz unter den Top 10 - aber doch im WRC Masters Cup, halten wir also die Daumen.

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