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Erinnerungen eines Sportreporters
Fotos: Klein, Hulak

With a little help from my friends!

In seiner neuesten Kolumne berichtet ORF-Legende Peter Klein auf berührende Art und Weise von seiner jüngsten Begegnung mit Andi Hulak.

Peter Klein für den Motorline Paddock Corner

In den Augen ist das Leid der vergangenen Jahre noch zu sehen. Die Schmerzen waren zu ertragen - nicht aber der Seelenschmerz. Der Verlust eines Beines. Die plötzliche Erkenntnis, dass man im besten Alter nicht mehr ist, wie man war.

Ein Mann wie ein Baum - am Beginn einer langen motorsportlichen Laufbahn schon als Co-Pilot dem Rallyesport verfallen. Als blendender Mechaniker ein gern gesehener Gast auf dem Beifahrersitz, erst Lada, dann Suzuki und Volvo bis dann 1999 die Gier nach dem „Selber fahren“ einfach übermächtig war.

Die „Semperit“ zog Andi Hulak fast magisch an und mit dem Ford Escort RS 2000 gab es nicht nur eine Zielankunft! Das Duo Hulak/Andrea Bauer gab sich erst mit dem Klassensieg zufrieden, während sich bei regnerischem Wetter überraschend Markus Mitterbauer den Gesamtsieg vor Willi Stengg sicherte.

Als „kleiner Mechaniker“, was das monatliche Salär betraf, waren permanente Starts in Österreich natürlich nicht möglich und so gab es im Olympiajahr 2000 nur ein zweimaliges Antreten. Beim legendären Rallyesprint in Bruckneudorf folgte der nächste Klassensieg. Dann zwei Jahre im Fiat Stilo und bald schon suchte man im Hause Hulak Platz für die gewonnenen Pokale. Nur in Kärnten, im Lavanttal, gab es technisch und unfallbedingt einen Ausfall nach dem anderen.
 
Ab 2004 war dann der geliebte Ford Escort RS 2000 das Rallyeauto für die folgenden drei Jahre - bis die Verantwortung für Familie, für Frau und Kind ein Rallyefahren nicht mehr möglich machte.

Doch 15 Jahre später gab es das Comeback. Und da stand er dann wieder vor der Türe, der gelbe RS 2000. Zwar schon in die Jahre gekommen - aber in der Austria Historic noch immer ein Sieganwärter.

Der „junge Hulak“ war eher mit Fussball im Einklang und so wurde auch „Papa Hulak“ zum Fussballguru, bis ihn vor fünf Jahren das Rallyefieber wieder überkam. In der historischen Klasse war Andi eine Augenweide, stets am Limit, gerne quer und die Fans liebten den gelben Escort. Andi gehörte stets zu den „Typen“ - also ein Rallyepilot mit Herz und Schnauze. Immer ansprechbar und hilfsbereit - und ich erinnere mich noch gut an das Jahr 2023 im Lavanttal.

Ich war stets gerne nach Kärnten gefahren, hatte gefühlte 20 Mal von dieser Rallye berichtet und obwohl längst in Pension zog es mich immer wieder nach Wolfsberg. Ich drehte meine Runden am Serviceplatz, Plaudereien mit Baumschlager, Neubauer, Wagner und dann noch eine kurze Visite bei den „Historischen“. Hulak führte nach dem ersten Tag erwartungsgemäß, war guter Dinge und auch seine Co-Pilotin Jennifer Hofstädter war aufgekratzt und voll der Freude auf den zweiten Renntag. Ich machte mich auf den Weg zur 6. Sonderprüfung, dem Rundkurs Eitweg, wo immer tausende Zuschauer sich um die besten Plätze bemühten.

Hermann Neubauer und Simon Wagner lieferten sich an einem prächtigen Morgen ein erbittertes Duell, die Fans waren begeistert, man kam ins Gespräch, nahm bei der Feuerwehr gerne eine Bratwurst als ich einen heftigen Knall vernahm. Blitzartig waren die Einsatzkräfte in die Prüfung eingefahren, Blaulicht wohin man auch sah, die Rettung samt Notarzt in Höllentempo unterwegs und ich dachte noch, wer denn da verunfallt war. Am späten Nachmittag dann die ersten Bilder im Internet ….

Erst Tage später erfuhr ich das Ausmaß dieser Katastrophe, von Intensivstation, Überstellungen und in der Folge den Kampf um das zertrümmerte Bein. Viele Wochen später musste es doch chirurgisch abgenommen werden und die Erkenntnis muss für Andi ein schwerer Schock gewesen sein. Ich weiß wovon ich schreibe, man sieht sich plötzlich als invalider Mensch, ein Teil des Körpers ist plötzlich weg, Zukunftsängste machen sich im Gehirn breit, mit dem Sport ist es vorbei, aber wie geht das Leben weiter?

Nach Monaten traf ich Andi Hulak wieder, er saß im Rollstuhl, die Gattin an der Seite. Er wartete auf eine passende Prothese, die Kosten dafür waren enorm. In dieser Situation verzweifeln viele, man trägt sich mit Selbstmordgedanken, lässt niemanden an sich heran. Bei den besorgten Fragen („Wie geht es Dir?“) steigt Hass auf, man will kein Mitleid – und braucht dennoch Hilfe, braucht Kraft für ein neues Leben.

Mehr als zwei Jahre hat sich Andi in den Rollstuhl geflüchtet, die Beinprothese kostete ein kleines Vermögen und als sie dann endlich geliefert wurde, wollte Andi sie nicht.

Langsam lässt der verletzte Mensch wieder Menschen, Freunde an sich heran. Es soll, es muss ja weitergehen. Auch ist die Familie ja da, der heranwachsende Sohn – die stets bemühte Frau. Und endlich nimmt er sein Schicksal an, will weiterleben, wie schwierig es auch sei. Lebenslust macht sich wieder breit und auch die Freunde sind noch alle da.

Am vergangenen Wochenende feierte er „drei Jahre nach der Brezn“ im Industriezentrum in Leobersdorf. Dort, wo er viele Jahre beruflich tätig war, und unzählige Autos repariert hatte. Und vor allem: Andreas Hulak steht auf zwei Beinen, der Rollstuhl ist nicht mehr der tägliche Begleiter! Einer seiner Freunde, „Gaston“ hat das „Stüberl“ aufgesperrt, um ein Treffen mit all den Getreuen zu ermöglichen. Es ist ein bunter Haufen liebenswerter Menschen, die einen Freund nicht im Stich ließen - und eine Art Wiedergeburt gebührend feiern wollen.

Ich sitze mit Andi bei einem Bier, will wissen, wie nun sein Tagesablauf aussieht, schau in sein Gesicht auf der Suche nach der Wahrheit.
„No jo, waast eh, Spuat schaun, a bissl nochdenkn, es is scho zach.“ Und dann blitzen seine Augen wie vor drei Jahren: „Kochn tua I gern - ois wos ma hoit so isst.“ Und was genau, will ich wissen, was kochst Du besonders gern und kochst Du nach Kochbuch? „Na, oiso söltn, i koch nach Gfühl, oba bis jezd hots an jedn no gschmeckt.“

Ein wenig später steht Andreas im wahrsten Sinn des Wortes im Mittelpunkt einer illustren Gesellschaft. Zufrieden und erleichtert fahre ich nach Hause. Weil Andi den Weg zurück ins Leben geschafft hat - „with a little help from his friends“.

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