Nach Japan-Crash | 01.06.2026
Solberg wehrt sich gegen Ogier-Kritik
Nach harscher Kritik von Teamkollege Sebastien Ogier bezieht Oliver Solberg Stellung zum Japan-Unfall - Und bekommt Rückendeckung von seinem Teamchef
Es war der Aufreger der Rallye Japan 2026: Auf der Jagd nach dem Führenden Elfyn Evans rutscht Oliver Solberg mit seinem Toyota GR Yaris in einer Linkskurve zu weit nach außen, trifft einen Pfosten und reißt sich die rechte Hinterradaufhängung ab. Ende der Dienstfahrt, nur die Super-Sunday-Punkte am Sonntag verhinderten ein erneutes Komplettes-Desaster wie auf den Kanaren.
Die Reaktion von Teamkollege Sebastien Ogier ließ nicht lange auf sich warten. Der Weltmeister krtisierte, Solberg sei ein zu hohes Risiko eingegangen, weshalb der Abflug "keine wirkliche Überraschung" gewesen sei.
Solberg weist diese Vorwürfe entschieden zurück: "Natürlich pushen wir im Kampf um die Top 3 um jede Sekunde, aber es war nicht anders als auf jeder anderen Prüfung, die ich gefahren bin. Ich habe nichts Verrücktes riskiert, sondern einfach versucht, das abzurufen, was ich das ganze Wochenende über gemacht habe."
"Ich kam an diese Stelle, es war ziemlich rutschig und schlammig. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich habe einfach einen Tick zu spät gebremst, diesen Pfosten getroffen und mir die Aufhängung zerstört."
Solbergs Asphalt-Fluch 2026
Für Solberg ist es bereits der dritte Ausfall auf Asphalt in dieser Saison. Schon in Kroatien und beim Lauf auf den Kanarischen Inseln - wo er sich ebenfalls ein direktes Duell mit Ogier um den Sieg geliefert hatte - endete seine Rallye nach Fehlern vorzeitig.
"Asphalt ist für mich in diesem Jahr definitiv hart", gibt der 24-Jährige unumwunden zu. "Der Speed war wieder fantastisch, ich konnte jedes Mal konstant mit den zwei besten Fahrern der Welt kämpfen. Aber die Margen auf diesem Rally1-Niveau sind extrem gering. Ich muss einfach besser verstehen, wie ich mit diesen unterschiedlichen Szenarien an tückischen Stellen auf Asphalt umgehe. Eine echte Antwort habe ich im Moment nicht."
Am Samstagabend relativierte Sebastien Ogier seine erste, harte Reaktion aus dem Cockpit und zeigte sich verständnisvoller. Der Franzose lobte den "erstaunlichen Speed" seines jungen Teamkollegen:
"Ehrlich gesagt sind wir als Teamkollegen einfach frustriert, dass er abgeflogen ist, denn der Speed, den er zeigt, ist Wahnsinn. Darüber gibt es keine Zweifel. Aber Rallyesport bedeutet eben, schnell und konstant zu sein - und dieser zweite Teil fehlt noch. Das gehört zum Lernprozess dazu. Er hat noch viele Jahre Zeit, das zu beweisen."
Latvala als Psychologe: Die "fehlenden zwei Prozent"
Toyota-Teamchef Jari-Matti Latvala zeigt großes Verständnis für seinen Schützling. Aus seiner eigenen aktiven Zeit, in der er ebenfalls mögliche WM-Titel durch Unfälle verlor, kennt der Finne den mentalen Drahtseilakt des unbedingten Siegeswillens nur zu gut.
"Oliver ist im Moment der schnellste Fahrer im Feld, aber eben nicht der konstanteste", analysiert der Finne. "Er ist jung, ehrgeizig und will unbedingt gewinnen. Das ist großartig - ohne diesen Willen wird man nie Weltmeister. Ich habe ihm gesagt, dass er die Erfahrung von Ogier respektieren und daraus lernen muss."
Der Teamchef betont, wie wichtig die volle Rückendeckung des Teams in Solbergs erster kompletter Saison in der Königsklasse sei: "Wir müssen gemeinsam die Werkzeuge finden, um Konstanz in diesen großartigen Speed zu bringen."
"Das Schwierigste ist, genau diese zwei Prozent Speed herauszunehmen. Dein Verstand will gewinnen, und wenn du etwas vom Gas gehst, sagt dein Gehirn: 'Nein, tu das nicht, du musst pushen!? Man kämpft mit sich selbst und muss erst lernen zu vertrauen, dass auch der etwas geringere Speed für ganz vorne ausreicht."



















