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A feiner Kerl!

Nach einer künstlerischen Pause, bedingt durch familiären Trauerfall und kurz darauf einem Computertotalschaden, meldet sich Peter Klein mit einer Story zurück, die ihm besonders am Herzen liegt. Und weil der Titel: „Der Meistermacher" schon vor mehr als zwanzig Jahren abgedroschen war, hat er zu Beginn seiner Erinnerungen jenen gewählt, den man fast immer hört, wenn man auf die Beifahrerlegende Jörg Pattermann zu sprechen kommt …

Peter Klein für den Motorline Paddock Corner

Bei meinen Erinnerungen an die Co-Piloten hatte ich natürlich zuerst an die erfolgreichste Dame gedacht, über Ilka Minor/Petrasko berichtet und schon bald darauf über Tina-Maria Monego, die sich nach dem Sport der sozialen Hilfe zugewendet hat,- aktuell befindet sie sich bis vor Weihnachten in Afrika, um im Dienst des Roten Kreuz hilfreich zu sein. Von den männlichen Kollegen lag mir vorerst mein ganz persönlicher Co-Pilot am Herzen,- Walter Blieberger und danach der umtriebige Gastronom von Steyrling Sigi Schwarz, - meine Erinnerungen an ihn sind noch nicht komplett niedergeschrieben. Über all diese Persönlichkeiten kann man nach wie vor hier auf mototrline.cc nachlesen, den meisten Motorsportfans sind sie ohnehin geläufig. „Warum hast du noch nicht über Raimund Baumschlager geschrieben, über seinen langjährigen Beifahrer Thomas Zeltner, der bekanntlich einer der erfolgreichsten Co-Piloten Österreichs ist, über den legendären Michi Weinzierl, Per Carlsson oder Stefan Eichhorner?" Ganz einfach: Weil ich nicht an alle Wegbegleiter Erinnerungen habe und andererseits es auch für mich Prioritäten gibt.

Über das „Ende seiner Karriere" habe ich bei meinen bisherigen Erinnerungen an Achim Mörtl bereits geschrieben,- nun aber erinnere ich mich besonders gerne an seine gesamte Karriere, die vor bald 48 Jahren begann. Man sagt ja den Salzburgern nach, ein besonders sportliches Völkchen zu sein und ich erinnere an Annemarie Pröll und Hermann Maier, Marcel Hirscher oder Felix Gottwald. An Hannes Reichelt oder Alexandra Meissnitzer und nicht zu vergessen Rekordweltmeister Markus Moser oder die Ikone des Behindertensportes Thomas Geierspichler. Aber vergessen wir nicht die Motorsportler wie Matthias Walkner, Sepp Haider und eben Jörg Pattermann.

Anlässlich eines Golfturnieres hatte ich schon vor Jahren beim Holznerwirt in Eugendorf genächtigt und so bat ich Jörg, mir die Fahrt und Parkplatzsuche in Salzburg-Stadt zu ersparen. Im Schatten riesiger Bäume saß ich am späten Nachmittag im Gastgarten und hoffte, dass Jörg nicht auf die versprochenen Fotos der Vergangenheit vergessen hatte. Und als er mit Taschen und Ordnern bewaffnet eintraf, fielen mir wieder Wittmanns Worte ein: „aufn Jörgi kannst dich immer verlassen, des is a feiner Kerl!“ Für mich ist Jörg Pattermann ohnehin der „Grandseigneur des Rallyesportes"; eine Persönlichkeit mit einer Akzeptanz vom „Kleinen Privatfahrer“ bis zum großen Weltmeister (womit Walter Röhrl gemeint ist). Ein Mann, mit unglaublich viel Fingerspitzengefühl für seine Piloten und professionellster Einstellung, ohne je Profi gewesen zu sein. Ich hatte mich in meinem Salzburger Bekanntenkreis ein wenig umgehört und war erstaunt, dass man Herrn Pattermann vor allem als profunden Reifenhändler, mit viel Sachverständnis und Herz für die Kunden – und erst in zweiter Linie als Motorsportler kannte. Noch während dem ersten Bier und folgendem Abendessen wühlte ich in seiner Fotoauswahl und dachte noch: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte,- aber wir können ja nicht nur Bilder hier auf motorline.cc zeigen. „Jörg, weißt du eigentlich, dass du hier im Bundesland Salzburg vor allem als Reifenhändler bekannt bist und erst, nach einigem Nachfragen, auch als Co-Pilot in der Rallyeszene“ wollte ich wissen? Jörg schmunzelt ein wenig und erzählt, dass schon sein Großvater mütterlicherseits einen Reifenhandel und vor dem Haus auch mit drei Zapfsäulen eine Tankstelle betrieben hatte, dass er schon als Volksschüler so zu sagen Gummi gerochen hatte und sein berufliches Ziel schon Mitte der 60er Jahre vorgezeichnet war.

Die sportliche Karriere begann ein Jahrzehnt später und das kam folgendermaßen. Ein drahtiger, schwarzhaariger junger Mann, Marke Südländer, aber aus dem tiefsten Saalbach/Hinterglemm stürmte ins Verkaufslokal, mit den Worten: „I wüll a Rallye foan und brauchat Radln fia an Käfer,- i bin da Sepp, kaunst ma höfn?“ Jörg und Sepp kamen rasch ins Gespräch, beide frönten natürlich den Skisport, aber Sepp, der einer Hoteliersfamilie entsprungen war, galt stets als ausgesprochenes Bewegungstalent, egal ob Sommer oder Winter. Am Tennisplatz wegen seiner Schnelligkeit und Returns gefürchtet, am Zellersee auf Wasserskiern bewundert und auch das Golfspiel lag dem „Haider-Sepp“ – noch heute als bald 70-jähriger hat er ein grandioses Singlehandicap von - 8,3!

Und natürlich fand Pattermann vier passende „Radln“ und als Haider meinte: „heast, an Co-Pilotn brauchat i a,- wüst ned ?“ begann Jörg über seine weitere sportliche Laufbahn ernsthaft nachzudenken. Beide hatten keine Ahnung vom Rallyesport,- Sepp war das Naturtalent, welches gerne auf engsten Straßen rund um Kohlmaisgipfel und Zwölferkogel der staunenden Bevölkerung den engsten Driftwinkel vorführte, Jörg als Praktiker las sich ein wenig in die Materie ein und ließ schon bald das erste „Gebetbuch" folgen. Und während es zu Herbstbeginn bei der ÖASC-Rallye die ersten Berührungspunkte mit den heimischen Größen Wittmann, Fischer und Russling, sowie auch den ersten Ausfall gab, folgte fünf Wochen später schon die erste Zielankunft auf Platz Fünf bei der 6. Karawankenrallye und das auf gemischtem Asphalt/Schotter Terrain.

Aber auch auf Eis und Schnee wussten die beiden schon am Beginn ihrer Partnerschaft zu überzeugen – Rang Drei bei ihrem erst dritten Einsatz, bei der Jänner-Rallye 1976. In diesem Jahr lernten die beiden Salzburger einen Mann aus Regensburg kennen, der gleichfalls am Beginn einer großen, internationalen Karriere stand: Walter Röhrl - wie Haider auch ein blendender Skifahrer. „Kimmst amoi zu mia in die Hinerglemm, bist eiglodn in mein Hotel, gemma Skifoarn“ und der „noch nicht Weltmeister“ kam, sah und blieb. Röhrl war von der Landschaft und den sportlichen Möglichkeiten derart begeistert, dass er drei Jahre später ein Haus kaufte und Salzburg bis heute treu geblieben ist. Die ersten Siege von Haider/Pattermann kamen im vierten Jahr, da aber bereits mit dem Opel Kadett. 1979 musste sich Jörg schon öfter vom Job freinehmen - bei insgesamt 12 Rallyes gab es fünf Podestplätze – aber Jörg musste seine Einsätze bald reduzieren. „Mein Beruf war Reifenhändler und nicht Rallyefahrer, der Co-Pilot war mein sehr persönliches Hobby. Ich war Amateur, auch wenn wir den Sport schon damals sehr professionell sahen“. Nicht zu Unrecht schrieb mein großartiger Kollege Dr. Gerhard Kuntschik, einst Sportchef bei den Salzburger Nachrichten, in einem Qualitätsjournal vom „besten Co-Pilot als Erfolgsgarant".

„Du bist ja viele Jahre mit dem Sepp gefahren, insgesamt neun bis zur Semperitrallye 1983 und ich erinnere mich noch an den sensationellen zweiten Platz im gleichen Jahr hinter dem nun bereits zweifachen Weltmeister Walter Röhrl bei der Deutschlandrallye. Walter im Werks Lancia 037 – ihr im legendären Mercedes Benz 500 SLC, einer Limousine für den betuchten Herren. Wie war der Sepp abseits vom Rallyesport, was waren seine Stärken – seine Schwächen“? wollte ich endlich wissen. „Der Sepp war und ist ein Bewegungs- und Naturtalent der Sonderklasse. Wie auch der Franz (Wittmann) ein blendender Skifahrer, spielt heute noch Golf wie auch der Franz und hatte auch diesen enormen Speed. Was er nicht beherrschte war die Diplomatie – er verließ sich auf sein Können, was der Vorstand eines Automobilkonzerns in Deutschland vielleicht hören wollte war ihm schnurzegal. Er war besser, schneller und verstand auch vom Auto selbst mehr, als so mancher Werkspilot. Der Sepp hätte eigentlich noch einiges mehr erreichen können, als dies ohnehin der Fall war. Er hätte es verdient gehabt, ständig in der Weltmeisterschaft zu fahren. Es waren unglaubliche Jahre mit Opel und auch den Ritt im Mercedes 500 SLC werde ich nie vergessen.“

Wir saßen bis knapp vor Mitternacht im Gastgarten, Jörg hatte noch so viel zu erzählen, über seinen Wechsel zu Werner Grissmann und in der Folge zu Franz Wittmann und wie er zum „Meistermacher“ wurde. Darüber erzähle ich euch kommende Woche, hier auf motorline.cc und auch auf der Facebookseite von motorline.

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