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Erinnerungen eines Sportreporters: Safari, die ersten drei Tage
McKlein / Rosenberger Privat

Erinnerungen eines Sportreporters: Safari, die ersten drei Tage

Die East Africa Safari Classic Rally 2022 ist geschlagen, Kris Rosenberger wieder wohlbehalten nachhause gekommen ... und traf sich gleich darauf mit Norbert Klein, um aus erster Hand von seinen Erlebnissen zu berichten. Es warten spannende Einblicke.

Peter Klein für den Motorline Paddock Corner

In Kenia werden die Erwartungen prinzipiell übertroffen und es kommt auf jeden Fall anders, als man denkt. Ist mit blauem Himmel zu rechnen, kann es durchaus regnen, werden also regennasse Straßen erwartet, steht der Staub oft minutenlang. Freut man sich über ideale Bedingungen, bleibt man im tiefen Morast stecken und sehnt man sich danach auf ein schönes Bad in der Lodge, erwischt man sicher das mieseste Zimmer. Ich habe 20 Safarirallyes miterlebt und kann heute sagen: Es war jedes Mal Abenteuer pur, strapaziös bis zur Erschöpfung, aufregend, wild, oft drückend heiß, aber am Ende blieben immer die schönsten Erinnerungen. Kris Rosenberger denkt noch gerne an 1998, als er im VW Team mit Per Carlsson einen absoluten Profi als Co-Pilot im Golf Kit Car hatte und damals, beim ersten Mal in Afrika, nicht nur ins Ziel kam, sondern auch als Gesamtachter WM-Punkte holte. 21 Jahre später konnte er die Safari Classic mit einem knapp 40 Jahre alten Porsche gar gewinnen und seine Lebenspartnerin und Co-Pilotin Nikki war zwar nicht sprachlos, aber verzückt über den ersten Gesamtsieg bei der erst 3. Rallye ihres Lebens! Dieser prestigeträchtige Erfolg machte natürlich nicht nur selbstbewusst, sondern auch hungrig nach mehr! "Never change a winning team" – also folgte erneut der Deal mit dem renommierten britischen Team Tuthill, welches den Einsatz für 13 Piloten in Kenia übernommen hatte. Und so stand am 09. Februar 2022 ein wunderschöner, bestens vorbereiteter Porsche 911 rund 60 km nördlich von Nairobi nahe Naivasha bereit, vom Sieger der letzten Safari Classic übernommen zu werden,- natürlich standesgemäß mit der Startnummer 1.

Exakt vier Wochen nach unserem letzten Treffen sitzen wir wieder im Büro von Rosenberger – Motors – Graz, um über Vergangenes zu plaudern. Kris ist entspannt, aber noch nicht wirklich wieder akklimatisiert nach den anstrengenden Sommertagen in Afrika. Wie war es diesmal, will ich wissen, wie war es drei Jahre nach dem Triumpf bei der 9. Auflage der Safari-Classic?
Kris lässt sich ein wenig Zeit, lehnt sich zurück, schließt kurz die Augen und beginnt dann zu erzählen:

Es beginnt schon mal damit, dass man bei 3 Grad am Morgen ins Flugzeug steigt und bei 28 Grad am Abend in Nairobi aussteigt. Der Kenyatta-Airport lässt sich nicht vergleichen, keine Halle, alles ist offen, dunkle Gestalten, fremde Gerüche, man ist ein wenig unsicher und freut sich, dass man bereits erwartet wird, um sicher zur ersten Nächtigung gebracht zu werden. Rund zwei Stunden brauchen wir, um zur Hauptstadt und danach quer durch Nairobi nach Naivasha ins Quartier gebracht zu werden und man fühlt sich fast wie ein gut betreuter Werkspilot. Am darauffolgenden Morgen viel Administratives, Interviews, freudiges Wiedersehen und Kennenlernen. Ken Block sehe ich zum ersten Mal, den amerikanischen Superstar mit fast 7 Millionen Follower auf Instagram. Seine Actionvideos auf YouTube gingen um die Welt, der Kalifornier ist mehrfacher Sieger bei den X-Games und auch mit 54 Jahren noch sauschnell unterwegs. Vor seinem ersten Antreten bei der Safari wird er in Kenia "Speedmachine" genannt, aber auch der 39-jährige schwedische Rallyeprofi Patrick Sandell (er fuhr unter anderem mit Allister McRea und Chris Atkinson im Subaru-Werksteam ) zählt zu den Sieganwärtern und natürlich auch der letzte Sieger von 2019, also ich und meine Nikki. Es kommt also zum ersten Gruppenfoto der drei Piloten, die heißesten Sieganwärter sollen präsentiert werden,- aber wie es eben bei der Safari ist: Es kommt immer anders als man denkt.

Der Veranstalter hat sich für die Safari Classic einige Neuerungen einfallen lassen – und das ist gut so. Es gibt fixe Serviceplätze, aber keine vom öffentlichen Verkehr gesperrten Sonderprüfungen. Die Etappen sind so geplant, dass man sie durchaus in vorgegebener Zeit fahren kann,- anders also wie z. B. zu Stohls Zeiten, wo keiner die Etappe in 0-Zeit fahren konnte. Keine Chasecars, die in der Sonderprüfung helfend zur Seite stehen (was früher bei den Werkteams selbstverständlich war), keine Hubschrauber, außer jenen für Medien. Das Wichtigste aber: Jeder Teilnehmer hat GPS im Auto und einen kleinen Monitor mit Lautsprecher. Das ist gut für die Sicherheit,- weil keiner verloren gehen kann! Andererseits kann nun kein einheimischer Pilot kürzere Routen fahren, die der ausländische Teilnehmer nicht kennt – Abkürzungen also nicht möglich! Auch gibt es ein Warnsignal, wenn ein vorausfahrender Pilot trotz drei Minutenstarts eingeholt wird. Ab rund 200 Meter Annäherung ertönt beim Vordermann ein lautes Signal,- nur leider war es eine der trockensten Safaris und schon bei 300 Meter Abstand gab es kaum Sicht ob der Staubentwicklung – ergo kein Signal beim Vordermann! Diese Tatsache traf zwei Piloten im Verlauf der Safari 2022 besonders,- Ken Block und Kris Rosenberger. Das alles zur Info,- aber lassen wir Kris weiter erzählen.

Ich habe ja Blomquists Taktik übernommen und bin eher defensiv gestartet, auch Patrick Sandell gab vorerst nur etwa 80 Prozent während Ken Block richtig Gas gab und am Ende des ersten Tages rund 50 Sekunden vor mir in Führung lag,- Sandell zwei Minuten hinter mir. Es waren drei neue Prüfungen, die selbst den Einheimischen nicht sehr geläufig waren.

Der zweite Tag brachte den Kenianern bekanntes Terrain aus der heimischen Meisterschaft und das Bild an der Spitze änderte sich schlagartig. Chager, der spätere Sieger übernahm die Führung, Ian Duncan, ehemaliger Safarisieger rückte von Platz Zehn gar auf den dritten Rang, Block verlor 2 Plätze und ich 4,- was mir aber noch keine Kopfschmerzen bereitete. Am dritten Tag ein ähnliches Bild an der Spitze, nur Sandel hatte sich hinter Chager und vor Duncan auf den 2. Platz gearbeitet,- Block an fünfter Position und ich dahinter auf Rang 6. Allerdings sind die Zeitabstände größer geworden,- auf den Führenden hatte ich bereits 13 Minuten Rückstand und ich begann mir Gedanken über mein Konzept zu machen. Der Sonnenuntergang nördlich von Nairobi ist zwar romantisch, die Nächtigung im Zelt ein wenig spartanisch, die Nassräume eher gewöhnungsbedürftig, aber noch war alles gut und überschaubar. Dennoch, am vierten Tag wollte ich mit einer Tempoverschärfung beginnen, aber darüber erzähle ich euch in den nächsten Tagen mehr …

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