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Erinnerungen eines Sportreporters: Hunger nach Erfolg
Stohl Privat & Daniel Fessl

Hunger nach Erfolg

Aus der Feder von Peter Klein, hier ein weiteres Kapitel im spannenden Rückblick auf die Geschichte und Karriere von Manfred Stohl und Achim Mörtl ...

Peter Klein für den Motorline Paddock Corner

Weder Manfred Stohl, noch Achim Mörtl konnte man schon 1993 den Ehrgeiz absprechen, bei beiden war der Hunger nach Erfolg klar ersichtlich. Manfred war ja Achim knapp zwei Jahre voraus, hatte schon die ersten WM-Punkte auf seinem Konto und sollte er auch weitere Chancen erhalten. Dr. Hermann Michelitsch, langjähriger Kommunikationschef der OMV und Meister der Öffentlichkeitsarbeit, hatte schnell erkannt, dass Stohl sen. einen hohen Beliebtheitsgrad in der Bevölkerung hatte und fand, dass Vater und Sohn, also gleich zwei Generationen, ganz vorzüglich zum Konzern passten und ein Vertrag wurde unter Generaldirektor Schenz perfekt gemacht. Dass Dr. Michelitsch später nur alleine deshalb das goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich verliehen wurde, halte ich allerdings für ein Gerücht. "Father and son" ließen sich medial prächtig verkaufen, auf Werbefotos, Plakaten und auch im Fernsehen. Und so lange ein Ende der Schlagzeilen nicht abzusehen war und vor allem die Leistungen stimmten …

Beide holten WM-Punkte bei der Safari 1993 – beide gingen auch in Argentinien an den Start. Aber während es für den Herrn Papa bereits das 7. Antreten im Land der Gaucho`s war, nach den Rängen 6 – 6 – 4 – 4 – 5 und einem technischen Ausfall,- war es für Sohn Manfred eine Premiere. Und es gab die legendäre Publikums-Sonderprüfung Camping General San Martin über 3,10 km, die an jedem der drei Tage einmal vor zumindest 60.000 tobenden Fans gefahren wurde. Für Manfred waren es vielleicht die lehrreichsten Rallyekilometer in diesem Jahr, denn fünf Plätze hinter dem Vater wollte er vor diesen Zuschauermassen der schnellere Stohl sein. Dreimal orderte er "neiche Radln" im Service – und war dennoch dreimal hinter Stohl senior; noch wollte sich Rudi nicht geschlagen geben …

Einen Monat später deklassierte Manfred beim Rallyesprint in Bruckneudorf die gesamte Konkurrenz und der Platzsprecher gratulierte via Lautsprecher "dem Sohn von Rudi Stohl" – doch Manfred verzog zornig das Gesicht mit den Worten "I kaun des nimma hern, i bin da Manfred Stohl". Und schon ein Jahr später waren die Leistungen des Juniors dermaßen, dass man förmlich zusehen konnte, wie schnell er den Schuhen des Vaters entschlüpfte.

Ein weiterer Sieg beim Rallyesprint im unterlegenen Audi Coupe`S2, diesmal mit seiner jungen, sehr hübschen Liebe Judith Schachinger, mit Kay Gerlach 4. bei der ARBÖ-Rallye hinter drei Ford Cosworth und gar Dritter beim zweiten Mal. Danach gab es einige Wechsel am Beifahrersitz und ab 1996 war es dann schon Manfred Stohl, der für Furore sorgte, nicht mehr "der Sohn von Rudi Stohl“.

Ab diesem Jahr gab es einen neuen Mann neben Manfred im Auto: Peter Müller, ein absolut vom Schmerz befreiter Co-Pilot. Sechs Jahre sollte diese Verbindung bestehen und sie war von unzähligen Erfolgen begleitet. Schon der Einstand konnte sich wahrlich sehen lassen: Rang Zwei bei der Phyrn-Eisenwurzen hinter dem Hausherren Raimund Baumschlager im Werksauto von VW. Spätestens jetzt war allen klar: Manfred Stohl konnte selbst mit unterlegenem Material auch auf Asphalt verdammt schnell sein. Es folgte noch ein weiterer 2. Rang hinter Sperrer bei der Mobilrallye und im Waldviertel wurde der nun schon betagte Audi S2 zum letzten Mal auf Rang Sieben ins Ziel gebracht.

In diesem Jahr gab es die meisten Aufeinandertreffen zwischen Stohl und Mörtl. Mit Freundin Ilka als Co-Pilotin kamen für Achim auch die ersten Erfolge. Ilka hatte schnell gelernt, man feierte den ersten Podestplatz bei der ARBÖ-Rallye in Aspang und den ersten Sieg bei den seriennahen Autos in der Steiermark. Sechs Rallyes 1995 – drei Ausfälle, aber auch drei überlegene Siege in der Gruppe N, Österreichs Gruppe A-Piloten hatten den Kärntner nun schon immer auf der Rechnung. 1996 dann die ersten engen Auseinandersetzungen mit Manfred Stohl, allerdings schon im Gruppe N Subaru. Nach dem klaren Sieg bei der Boschrallye folgt Rang Drei bei der Phyrn-Eisenwurzen hinter Stohl im Gruppe A – Audi. Mörtl holt sich mit insgesamt 6 unangefochtenen Siegen den Meistertitel bei den seriennahen Autos, duelliert sich lange Zeit mit Stohl um Rang Zwei bei der Mobil-Rallye und bleibt im Ziel der Waldviertelrallye nur sieben Sekunden hinter Manfred – aber der Hunger nach Erfolg war bei beiden noch lange nicht gestillt.

Während Stohl das alte Audi Coupe in die Garage stellte und von der Gruppe A auf die international heiß umkämpfte Gruppe N und einem Mitsubishi umstieg, pilotierte Achim Mörtl nicht nur national den Imprezza WRX. 1997 wurde für beide Österreicher zu einem sehr erfolgreichen Jahr – auch, oder vielleicht weil sie getrennte Wege gingen. Wie Manfred Stohl den ersten Weltmeistertitel holte – und Achim Mörtl das erste WRC-Auto nach Österreich brachte, erzähle ich kommende Woche.

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