WRC Finnland: Nach Tag 2 (SP10) | 31.07.2026
Ogier trozt dem Regen-Chaos
Sebastien Ogier verteidigt am Freitagnachmittag die Spitze bei der Rallye Finnland: Heftiger Regen wirbelt das Klassement durcheinander - Keferböck/Minor im WRC Masters Cup auf Platz 2
Toyota-Pilot Sebastien Ogier hat dem sintflutartigen Regen getrotzt und führt die Rallye Finnland, den zehnten Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) 2026, nach dem Freitag an. Wechselhaftes Wetter wirbelte das Klassement am Ende eines ereignisreichen Freitags ordentlich durch.
Der amtierende Weltmeister, der mit seinem Ersatz-Beifahrer Julien Ingrassia am Start ist, trotzt den tückischen Bedingungen und fuhr einen Vorsprung von 16,3 Sekunden auf den WM-Führenden Elfyn Evans (Toyota) heraus.
"Das war ein sehr guter Tag", meinte Ogier. "Der Nachmittag war extrem knifflig und hat wahrscheinlich niemandem so richtig Spaß gemacht, aber es ist gut, dass wir da heil durchgekommen sind."
Regen erinnert an die Safari-Rallye
Bei ihrem ersten gemeinsamen Start seit 2021 fanden Ogier und Ingrassia schnell wieder in ihren Rhythmus. Sie gewannen drei der vier Schotterprüfungen am trockenen Vormittag und erarbeiteten sich einen Vorsprung von 5,3 Sekunden auf Hyundai-Fahrer Adrien Fourmaux.
Die Teams hatten zwar mit Regen gerechnet, aber niemand konnte die Heftigkeit der Schauer vorhersagen, die eher an die Safari-Rallye Kenia als an die Rallye Finnland erinnerten.
Ogier baute seine Führung auf der sechsten Wertungsprüfung (WP) "Laukaa 2" um 01, Sekunden aus, während sich Toyota-Teamkollege Sami Pajari mit 0,3 Sekunden Vorsprung auf Fourmaux auf Platz zwei schob.
Der Regen spült Fourmaux vom Podium
Auf der folgenden Prüfung öffneten sich die Schleusen des Himmels komplett - doch diejenigen an der Spitze des Feldes erwischten noch die besten Bedingungen. Ausgerechnet Fourmaux traf es am härtesten: Der Hyundai-Pilot erwischte den Regen in seiner schlimmsten Phase und verlor 1:29,8 Minuten, was ihn aus den Podiumsrängen warf.
Ogier absolvierte die Prüfung lediglich 4,4 Sekunden langsamer als Prüfungssieger Evans, allerdings schrumpfte sein Vorsprung auf Pajari auf 3,3 Sekunden zusammen. Der WP-Sieg katapultierte den Waliser Evans von Platz fünf direkt auf Rang drei der Gesamtwertung.
Der Regen hielt auch auf der achten Wertungsprüfung an, doch genau dort wuchs Ogiers Vorsprung auf 26,1 Sekunden an. Sein einziger Verfolger Pajari kämpfte mit den Bedingungen, verlor 34,1 Sekunden und machte damit den Weg frei für Evans, der auf Platz zwei kletterte.
Enge Abstände vor dem Samstag
Auf den letzten beiden Prüfungen des Tages ging Ogier auf Nummer sicher und büßte bewusst etwas Zeit auf Evans ein, der den Rückstand bis zum Service auf 16,3 Sekunden verkürzte.
"Der Vormittag war von unserer Seite nicht schlecht, aber der Nachmittag war eine kleine Lotterie", sagte Evans. "Auf der zweiten Prüfung der Schleife hatten wir noch bessere Bedingungen, aber auf der nächsten hat es uns dann wohl am schlimmsten erwischt. Ich bin einfach froh, durchgekommen zu sein."
Estland-Sieger Pajari hielt sich zwar auf Platz drei (+26,7 Sekunden), muss aber nach hinten schauen, da sein Vorsprung auf Oliver Solberg nur noch 14,6 Sekunden beträgt.
Oliver Solberg kommt in Schwung
"Auf dieser einen Prüfung haben wir den Sieg verspielt", so Pajari. "Das Gebläse hat nicht funktioniert und wir haben es erst nicht gemerkt, sodass die Windschutzscheibe komplett beschlagen war. Sehr schade, aber wir kämpfen weiter um das Podest."
Solberg kämpfte am Morgen noch mit der Pace, steigerte sich am Nachmittag jedoch deutlich. Eine zweitschnellste Zeit auf WP6 verkürzte seinen Rückstand auf die Spitze auf 9,6 Sekunden. Doch der Schwede gehörte ebenfalls zu den Leidtragenden des extremen Regens auf WP7 und büßte fast eine Minute ein.
Die Bedingungen waren so heftig, dass Wasser durch die Lüftungsschlitze ins Auto lief. Mit einer Fabelzeit sicherte sich Solberg jedoch WP8 und beendete den Tag als Vierter mittendrin im Kampf ums Podium - mit 41,3 Sekunden Rückstand auf die Spitze.
Ausrufezeichen von Martins Sesks
M-Sport-Ford-Pilot Martins Sesks gehörte zu den Gewinnern des Nachmittags: Der lettische Aufsteiger arbeitete sich von Platz sieben auf Rang fünf nach vorne und liegt nun 19,1 Sekunden vor dem glücklosen Fourmaux.
"Der Nachmittag war alles andere als einfach, das ist klar. Wir sind in einer einzigen Prüfung von zwei auf sechs durchgereicht worden. Das ist bitter, aber der Regen war unglaublich und ich konnte keine 20 Meter weit sehen. Ich hätte ein Boot gebraucht, kein Auto. Ich habe mein Bestes gegeben, aber die Zeit war weg und es war unmöglich, sie wieder aufzuholen", stöhnte Fourmaux.
Josh McErlean (M-Sport-Ford) beendete den Tag auf Rang sieben, 1,7 Sekunden vor Toyota-Pilot Takamoto Katsuta, der einen schweren Tag erlebte. Katsuta kämpfte am Morgen mit Unter- und Übersteuern, ehe eine beschlagene Windschutzscheibe auf der nassen WP8 den Japaner mehr als zwei Minuten kostete.
Für Esapekka Lappi geht es nicht weiter
Der Freitag forderte zudem zwei Ausfälle in der Rally1-Kategorie. M-Sport-Pilot Jon Armstrong touchierte auf WP3 hinten rechts die Streckenbegrenzung und prallte mit seinem M-Sport Ford Puma Rally1 in einen Graben. Der Nordirre wird die Rallye am Samstag unter Re-Start-Regeln fortsetzen.
Hyundai-Pilot Esapekka Lappi verlor auf WP4 das Heck seines Fahrzeugs und rutschte ebenfalls in einen Graben, wo er sich mit seinem Auto überschlug. Während der Finnland-Sieger von 2017 und Beifahrerin Enni Mälkönen unverletzt blieben, ist der Schaden am Überrollkäfig des Autos zu schwer für eine Reparatur vor Ort.
Johannes Leferböck und Ilka Minor belegen im WRC Masters Cup Platz zwei hinter dem Türken Ugur Soylu auf Platz zwei, insgesamt sind nur diese beiden Teams am Start.
Am Samstag stehen bei der Rallye Finnland acht Wertungsprüfungen über insgesamt 135,70 Kilometer auf dem Programm.



















