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Halbfinale in der DTM

Das vorletzte Rennwochenende der Saison 2026 stand ganz im Zeichen der Taktik. Wer schafft es, sich die beste Ausgangsposition für den in rund vier Wochen in Hockenheim anstehenden Showdown herauszufahren. Vor allem Thomas Preining, aber auch Maro Engel und Marco Wittmann haben die besten Ausgangspositionen für das Finale.

Bernhard Schoke

Hintergrund für diese Einschätzung ist nicht nur die aktuelle Punktzahl in der Meisterschaft, sondern vielmehr die Art und Weise, wie diese zustande gekommen sind. Hier gilt es nicht nur die Einzelergebnisse zu betrachten, sondern vielmehr die Entwicklung von Fahrer, Fahrzeug und Team in den letzten Wochen und Monaten genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei stellt sich dann heraus, dass nicht derjenige/diejenigen mit den meisten (3) Laufsiegen – Matteo Cairoli und ganz vorn liegt, sondern vielmehr die fleißigen Eichhörnchen, die kontinuierlichen Punkte-Sammler in der Spitzengruppe zu finden sind. Wie Thomas Preining, Maro Engel und Marco Wittmann, die ebenso wie Nicki Thiim und Ben Doerr jeweils zwei Mal ganz oben auf dem Treppchen standen. Aber nur die drei Erstgenannten sind die „Kandidaten“ auf den Titel, weil bei den beiden Anderen sich zu sehr Licht und Schatten in dieser Saison abwechselten. Allen gemeinsam ist aber die individuelle Kampfstärke, die in der aktuellen Situation auch eine entscheidende Rolle spielt. Zünglein an der Waage könnten aber auch die Teams werden, denn auch müssen beim anstehenden Finale ausgesprochen performen, um hohe Wertungen erreichen zu können.

An den Vordermann anlehnen

Der Renn-Samstag verlief auf dem engen Kurs beinahe erwartungsgemäß. Und die Strecke „immer“ nicht breit genug, sprich einige Piloten nahmen nicht nur die Curbs in Anspruch, sondern waren mit einer Seite ihrer GT3-Boliden auch noch darüber hinaus „zugange“ – mit riesigen wie spektakulären Staubwolken als unmittelbare Folge. Oder man „lehnte“ sich an einen Vordermann beziehungsweise neben einem fahrenden „Kollegen“ an, der sich dann wie Bastian Buus gleich in der ersten Runde in eines der Kiesbetten drehte, aber das Rennen trotz Inanspruchnahme fremder Hilfe, sprich Bergefahrzeug, fortsetzen durfte, weil er den eigentlichen Vorfall nicht verursacht hatte.
Der Sonntag mit dem Rennen über 55 Minuten plus eine Runde - war nach Regen im Qualifying vor dem Start ein einziges Versteckspiel: Mit welchem Reifen soll man ins Rennen starten - profillose Slicks oder profilierte Regenreifen – dies war die eigentlich wesentliche Frage. Zumal die erste Kurve mit ihrer nach außen abfallenden Streckenführung bei diesen Wetterbedingungen prädestiniert war für „Kontaktsport“.

Aufgrund Startverzögerung von 10 Minuten – die Strecke musste vom vorherigen Show-Programm gesäubert werden – kamen bei abtrocknender Strecke dann fast ausschließlich die Slicks zum Einsatz. Das Rennen verlief nach zwei Einführungsrunden wie man es erwartet hatte: Eng aber weitgehend sportlich fair. Erst nach dem zweiten Boxenstopp-Fenster kamen aufgrund des Safety-Car-Einsatzes die Fahrer noch einmal zusammen. Auslöser war ein Verbremser von Nicki Thiim der Jules Gounon in der ersten Kurve – und beide mussten aus dem tiefen Kiesbett – gezogen. Weitere Folge: die Renndistanz wurde um zwei zusätzliche Runden verlängert.

Was war sonst noch wichtig oder berichtenswert?

Den Boxenstopps kam am Sonntag besondere Bedeutung zu. Die absoluten Top-Zeiten der eigentlichen Reifenwechsel – ohne die Zeiten für die An- und Abfahrt zu den Crews – lagen mit fünf bis sechs Sekunden zum Saisonende um rund eine Sekunde unter denen des Saisonbeginns …..
Jules Gounon brauchte nach dem Crash mehrere Eisbeutel um die Auswirkungen des Schlags aus der Lenkung etwas zu mildern……

Bevor die rund 75.000 Zuschauer sich die Rennen anschauen konnte, „durften“ sie, insbesondere am Samstag erst einmal durch eine vorsichtig ausgedrückt suboptimale Verkehrs-Leitung einerseits und Parkplatz-Zufahrten andererseits kämpfen, die enorm viel Geduld auf dem letzten Kilometer einforderten.

Maro Engel, am Sonntag auf Platz 5 abgewunken, bekam nachträglich von der Rennleitung eine 15 Sekunden Zeitstrafe aufgebrummt, weil er aufgrund eines „Verbremsers“ Kelvin van der Linde von der Strecke „geschoben“ hatte – damit wurde er ganz ans Ende des Feldes/Rennergebnisses „expediert“.

Mirko Bortolotti musste am Sonntag vom Ende des Feldes starten, weil im Qualifying sein Lambo zu häufig in den Turbo-Overboost gegangen war.

Die Rennleitung wertete das „Wedeln“ zum Anwärmen der Reifen nach der Safety Car Phase am Samstag als „mehrfaches Spurwechseln und unnötiges Langsamfahren, nachdem man dies zuvor in den sogenannten Briefing Notes bekannt gegeben hatte.

Für Lucas Auer war das Wochenende auf dem Sachsenring ein Termin, den er ganz schnell abhaken sollte – richtig Punkte-sammeln, um in Hockenheim doch noch richtig mitmischen zu können, war nicht möglich und mit 46 Punkten Rückstand hat er nur noch rechnerische Chancen den Titel zu holen.

Ricardo Feller „durfte“ eine Geldstrafe von 500 Euro berappen, weil sich beim Boxenstopp eine Radmutter durch die Boxengasse rollte.

Beim Ford Team HRT wird es – wie bereits nach dem Rennen auf dem Nürburgring angedeutet – nach den Rennen am Saison-Finale in Hockenheim einen personellen Aderlass geben. Die meisten Ingenieure hatten am 31.07. ordentlich gekündigt und beenden demzufolge am 31.10. ihr Engagement.

Die Team Wertung werden Manthey und Winward sowie eventuell auch noch Frey und Schubert „unter sich ausmachen“ – auch wenn rechnerisch weitere Optionen theoretisch möglich wären …
Für Preining fühlten sich nach seinen eigenen Worten die beiden Podiums-Platzierungen wie Siege an und führten zu seiner „Ansage“ beim großen Finale in Hockenheim den Fahrer-Titel holen zu wollen; „schaun wir mal“, dann sehn wir in vier Wochen schon!

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