DTM-Rennen Norisring: Hintergrund | 06.07.2026
Stadtrennen pur
Rund 118.000 Zuschauer säumten nach Veranstalter-Angaben die traditionsreiche Motorsport-Action im Herzen der Franken-Metropole – einerseits Crash-bedingt unterbrochen mit roten Flaggen und andererseits durch einen unmittelbar nach dem Start einsetzenden, heftigen Regenschauer.
Bernhard Schoke
Aufreger gab es auf der seit Jahrzehnten mit nur rund 2,1 Kilometern Länge kürzesten Strecke im gesamten DTM Kalender gleich einige. Insbesondere rund um BMW.
Auffällig die fehlende Performance der Boliden. Insidern zufolge auch ein weiteres Resultat der allgegenwärtigen Balance of Performance – BoP. Aber scheinbar, so „hörte“ man, spielen hier noch einige weitere Faktoren mit. Wie beispielsweise der neue Turbolader, der scheinbar nicht die Ergebnisse liefert, die er nach seiner „Papierform“ liefern könnte oder müsste. Hintergrund dafür war, beziehungsweise ist, der „Wunsch“ besser Druck der FIA einen neuen „Luftverdichter“ zu verwenden. Auslöser dafür sollen deutliche Worte von Wettbewerbern zur angeblich möglichen Leistungsfähigkeit gewesen sein – Stichwort elektronisches Mapping. Ob dies zutrifft, bleibt offen, denn Beweise liegen nicht vor. Offensichtlich ist dagegen das Defizit der M4 – in Sachen Beschleunigungsfähigkeit und Höchstgeschwindigkeit gleichermaßen. Dazu brauchte es auf dem Norisring nicht einmal einen Blick auf den Zeitenmonitor – es fehlte eindeutig der „Bums“ – und demzufolge kämpften die BMW-Piloten mit stumpfen Waffen. Solange es eben möglich war. Und im Samstagslauf war für van der Linde bereits nach rund Zweidrittel der Distanz heftig Schluss.
Maximilian Paul „rauschte“ dem BMW heftig in die Fahrerseite. Auslöser soll nicht ein Brems-Problem des Lambo gewesen sein, sondern ein vorausgegangener Ölverlust am McLaren von Timo Glock. Das Team relativierte dies zu einem ausgetretenen Öl-Sprühnebel.
Während der eigentliche Auslöser nicht zweifelsfrei feststeht, sind die Fakten eindeutig: Maximilian Paul drehte sich erst in die Leitplanken, verlor ein Rad – kurzzeitig war kolportiert worden, selbiges sei nicht fest montiert gewesen, was aber aufgrund des noch nicht absolvierten Boxstopps Zeit-nah ausschied – und dann nur noch quasi als Passagier im eigenen Auto erst über die Strecke, dann in die Seite des BMW und schließlich bis in die Reifenstapel der Grundig-Kehre „rauschte“. Selbst die erfahrenen, sprich erprobten Streckenposten hatten alle Hände voll zu tun, den Kurs wieder „befahrbar“ zu bekommen. Zwischenzeitlich waren beide Piloten auf dem Weg ins nahe gelegene Krankenhaus, um sich checken zu lassen. Diagnostiziert wurden schmerzhafte Prellungen bei van der Linde und eine Unterschenkel-Fraktur bei Paul. Demzufolge waren beide am Sonntag nicht dabei.
Ergo ein Crash, den es in der DTM viele Jahre nicht gegeben hatte, und erneut aufzeigte, dass die GT3-Boliden ausgesprochen solide, sprich sicher konstruiert und aufgebaut sind, aber scheinbar im Bereich der Fahrertüren „noch Luft für Verbesserungen“ haben, wie man aus den Parallelen, den Geschehnissen auf dem Nürburgring beim 24h Quali-Rennen, erkennen könnte.
Wenig Spaß hatte zuvor auch die Doerr-Mannschaft.
Denn: Die Rennleitung hatte nach dem Qualifying für Lauf eins den McLaren von Ben Doerr disqualifiziert. Strafe: Letzter Platz in der Startaufstellung – so die „trockenen“ wie unmissverständlichen – kurz wie knapp – Worte der Rennleitung. Die Begründung holte sich der Autor dann persönlich beim Team. In Summe nix dramatisches, wie man hätte annehmen können. Vielmehr wurde beim Wiegen nach dem Zeittraining Untergewicht beim Doerr-McLaren festgestellt. Ausgelöst durch einen „schnöden“ Rechenfehler resultierend aus dem Einbau einer TV-Kamera und dem damit verbunden „ausladen“ des dafür – wenn nicht an Bord – vorgesehenen Ballastgewichts. Kleine Ursache mit großer Wirkung.
Letztere resultierte am Sonntag aus einer Wolkenformation über dem Nürnberger Süden. Sie meinte ihren mitgebrachten Inhalt kurz nach dem Start über der Strecke abzuladen. Für die auf profillosen Slicks gestarteten Renner ein absolutes No-Go mit der roten Flagge als Folge. Die Regenreifen blieben aber nur bis zum ersten der beiden Pflicht-Boxenstopps im Einsatz – die schnell wieder abtrocknende Strecke machte es möglich.
Die eigentlichen beiden Rennen sind nach den Unterbrechungen schnell zusammengefasst: Doppelsieg für Nicki Thiim im Aston Martin – dahinter das Feld der anderen Hersteller / Marken einerseits und die Einsatz-Teams mit ihren Piloten andererseits. Alle haben jetzt knapp drei Wochen Zeit, sich richtig auf die beiden Läufen in Oschersleben vorzubereiten, um die Performance zu zeigen, zu der sie eigentlich in der Lage sind, wenn sie nicht „eingebremst“ werden.
Was ist sonst noch aufgefallen?
Der Norisring und der veranstaltende Motorsportclub haben am vergangenen Wochenende erstmals ein neues Absperr-System eingesetzt. Es besteht jetzt aus ineinander verschlungenen Stahlnetzen und es soll, nachdem es seine Bewährungsprobe an den neuralgischen Stellen bestanden hat, im nächsten Jahr rund um den Kurs eingesetzt werden.
Apropos Organisation: Neu war in diesem Jahr auch die Regelung für die im Umfeld der Strecke parkenden Pkw. Sie „durften“ aufgrund einer ……. Einbahnstraßen-Regelung, fehlender Beschilderung und Hinweisen sowie …… Ampelschaltungen einen Umweg nehmen, der dazu führte, dass für die ersten zwei Kilometer deutlich mehr als eine halbe Stunde „draufgingen, statt zuvor zwei bis drei Minuten.















