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EHRC Gravel, East Sweden: Bericht Schindelegger
Foto: East Sweden Rally Media

Schindeleggers holen Schweden-Pokal

Das Rallyeteam Schindelegger sorgt bei der East Sweden Rally für das nächste Spitzenergebnis und fährt mit Klassenplatz 3 nach Hause

Nur eine Woche nach Finnland fand die East Sweden Rally im Rahmen der historischen Gravel Europameisterschaft statt. Eine Kalender-Entscheidung, die den Teams erlauben sollte, in Skandinavien zu bleiben und dadurch die weite Reise in den Norden nur einmal in Angriff nehmen zu müssen. Der Nachteil dieser Einteilung wurde dem Rallyeteam Schindelegger gleich klar, als sie am Sonntag von Lahti nach Linköping gereist waren.

Beim obligatorischen Check aller Schrauben entschied sich der Querlenker des Ford Escorts dazu, genug vom Rallyeleben zu haben und die Befestigungsschraube zum Stoßdämpfer verlor jeden Halt im Gewinde. Auch ein Lenkungsteil war nach Finnland am Ende jeder Lebensdauer angekommen und musste getauscht werden. Für Helmut und Lukas kein großes Problem, denn die entsprechenden Ersatzteile und viele weitere liegen im Servicebus des Teams jederzeit bereit, und mit Montag und Dienstag war auch genug “Rallye freie Zeit” vorhanden, um sich um die Baustellen am Auto zu kümmern.

Während andere Teams mit Mechaniker Crew unterwegs waren und sich extra in Schweden für die Revisionsarbeiten in diversen Werkstätten einmieteten, waren die Schindeleggers ohne Unterstützung unterwegs. Dafür wurde die Unterkunft so gewählt, dass das Schrauben ähnlich wie in den Serviceparks der Rallyes im Freien stattfinden konnte. So kam es dann, dass der Waldviertler Escort in einer schwedischen Einfahrt aufgebockt wurde und von Helmut und Lukas wieder auf Vordermann gebracht wurde. Nachdem Helmut mit etwas Überzeugungsarbeit seiner Flex das defekte Teil aus der Aufhängung gearbeitet hatte, ließen sich die mitgebrachten Ersatzteile verbauen. Gut, wenn man jede Schraube des eigenen Fahrzeugs mit Vor-, Nachnamen und gesamter Lebensgeschichte bestens kennt. Man konnte sich sogar die Zeit für eine genaue Vermessung der Spur nehmen, ganz ohne Laser, aber mit Geduld und Maßband erreicht man ähnliche Genauigkeiten.

Über die Strecken rund um Linköping war vor der Rallye kaum etwas bekannt und so wurde die Besichtigung ein Stück weit auch zur Entdeckungstour für Lukas und Helmut. Am Mittwoch und Donnerstag zeigte sich dann: Die Schotterstrecken in Schweden sind ein absoluter Traum! Deutlich technischer und enger als noch in Finnland, aber auch nicht viel langsamer führen die Schotterwege über viele blinde Kuppen und unendliche Kurven durch die schwedischen Wälder und Felder. Einzig Staub war schon bei der Besichtigung ein Problem und sollte auch im Rennen ein Thema werden. Doch wenn man sich auf den Beifahrer so sehr verlassen kann, wie das bei Lukas und Helmut der Fall ist, ist auch ein Blindflug im Staub kein Problem.

Nachdem neben der Besichtigung auch die Abnahmen erledigt waren, war das Rallyeteam Schindelegger bestens aussortiert und bereit für die zweite Rallye an zwei Wochenenden, keine Selbstverständlichkeit, mussten andere Teams zwischen den Rallyes sogar den Motor tauschen. Von solchen Großtaten blieben Lukas und Helmut verschont und freuten sich immens auf den Start der Rallye Freitag früh.

Mit Startnummer 18 ging es diesmal los und das Rallyeteam Schindelegger zeigte ab dem ersten Meter, dass diese hohen Startnummern wie schon in Lahti eigentlich ungerechtfertigt sind. Trotz massiver Behinderungen durch Nullsicht im Staub der Fahrzeuge davor platzierten sich die Schindeleggers mitten unter den stärkeren Gruppe 4 Escorts, die mit BDA Motoren ausgerüstet sind.

In der darauffolgenden High-Speed Prüfung Böseberg legten die Beiden dann mit einem 3ten Klassenplatz nach und sortierten sich nach den ersten 3 der 7 Freitags-Prüfungen auf dem 5ten Klassenrang und Platz 14 Gesamt ein. Und das nur 13 Sekunden hinter dem derzeit überlegen Führenden der Punktewertung und Gesamtsieger in Fafe Jacob Christophe. Selbst Nemo Mazza, der vor der Rallye noch mit den Schindeleggers gemeinsam auf Platz 3 der 2WD Wertung lag, und ebenfalls mit einem Gruppe 4 Escort stark im Vorteil war, konnte er nach diesem ersten Umlauf keine einzige Sonderprüfung gegen die Waldviertler für sich entscheiden.

Für Lukas und Helmut Schindelegger entwickelte sich der Freitag zu einem ausgezeichneten Tag, einzig das schwedische BDA Team, dass sich in Finnland nicht vor den Schindeleggers platzieren konnte, spielte den Heimvorteil aus und sorgte für einen spannenden Schlagabtausch im Abstand weniger Sekunden.

Zum Abschluss des Freitags, bei dem schon 6 Sonderprüfungen und 74 Kilometer auf Zeit von den Teams absolviert wurden, gab es noch eine besondere Zuschauer Prüfung mitten in Linköping keine 100m vom Servicepark, welcher sich vor der ganzjährig betriebenen Eishockeyhalle der Saab-Arena befand. Auf dieser kurzen Sonderprüfung fand sich, im Gegensatz zur restlichen Rallye, kaum Schotter, und es ging eng begrenzt von Heuballen und Betontrennern durch den städtischen Naherholungspark. Gänzlich unbeeindruckt von den Begrenzungen absolvierten Lukas und Helmut die Sonderprüfung gewohnt sauber und waren dann im Ziel doch erstaunt über die fünft schnellste Zeit gesamt.

Die Nachtruhe von Freitag auf Samstag wurde vom Rallyeteam Schindelegger also hoch zufrieden auf dem 13ten Gesamtrang und dem 5ten Platz in der Klasse 3B angetreten. Ein weiteres Zeichen dafür, wie stark diese Klasse in der Europameisterschaft mit den vielen Gruppe 4 Escorts besetzt ist.

Samstag ging genauso weiter, wie der Freitag. Mit dem Motto “Jagd auf die Starken Gegner” gingen Lukas und Helmut in den Tag und setzten die Gegner immer weiter unter Druck. Einzig der Schwede Hedlund hatte von seinem Team offensichtlich ein ausgezeichnetes Frühstück bekommen und widersetzte sich mit Zeiten nahe an der Klassenbestzeit dem österreichischen Angriff. Doch der Druck wirkte sich aus. Während ein spanischer BDA durch mechanischen Ausfall abgestellt werden musste, versenkte der Europameisterschafts-Führende Jacob Christophe auf der vorletzten Sonderprüfung seinen wunderschönen BDA in einem der vielen Gräben neben der Strecke und beschädigte diesen extrem schwer.

Lukas und Helmut waren zu diesem Zeitpunkt mitten im Duell mit den Schweden und schielten bereits auf einen Podiumsplatz in der Klasse. Getäuscht wurden die Beiden dabei durch eine falsche Zeit im Livetiming. Zu gut und zu schnell, um wahr zu sein, war in diesem Fall die Zeit des Teams und hätte den Rückstand der Schindeleggers auf knapp 10 Sekunden reduziert, statt der realen 32.

Im finalen Service wurden die Schindeleggers auch nochmal durch die beiden großartigen Mechaniker unter der Leitung von Mario Hell (Team Rosenberger) beim Reifenwechsel unterstützt. Schon die ganze Rallye über versorgten die Rosenberger Mechaniker auch die Schindeleggers mit dem Benzin in den Refueling Zonen und brachten auch etwas Öl in die Remote Services. Keine Selbstverständlichkeit und doch eine große Hilfe, vielen Dank an dieser Stelle nochmals!

In eben diesem Service vor der letzten Sonderprüfung war die Spannung dann auch bei Lukas und Helmut zu spüren. Der Podiumsplatz in der Klasse war den Beiden kaum zu nehmen, denn den viertplatzierten Mazza hatten sie schon auf über einer Minute Abstand. Im Glauben nur 10 Sekunden Rückstand auf Platz 2 zu haben war die Versuchung nach einem Großangriff aber doch da. Entschieden wurde es dann am Ende vom Wetter. Der einzige Regenschauer der ganzen Rallye sorgte mitten in der letzten Prüfung für derart schwierige Grip Verhältnisse, dass die Vorsicht dann gewann.

Zwar sorgten Lukas und Helmut mit einer neunten Zeit im Gesamtklassement nochmals für Aufsehen, knöpften dem schwedischen Team aber “nur” 5 und nicht die gewünschten 10 Sekunden ab. Die Zeitkorrektur der Organisation nach dem Zieleinlauf verdeutlichte den Abstand dann nur mehr und so war für alle Beteiligten die Sache klar.

Mit viel Stolz und Freude überfuhren Lukas und Helmut Schindelegger die Zielrampe in Linköping und nahmen endlich einen Pokal entgegen. Dritter Platz in der stärkst-besetzten Klasse der Rallye und 11ter PLatz im Gesamtklassement stehen für die wohl beste Leistung des Teams jemals.

In der Punktewertung der Europameisterschaft sieht es derzeit absolut sensationell aus. Rang 3 in der 2WD Wertung, zweiter in der Kategorie 3 und zweiter in der Klasse 3B mit nur 2 Punkten Rückstand. Doch bevor die Euphorie zu groß wird, muss man hier anmerken, dass in dieser Auflistung die 2 Streichergebnisse nicht berücksichtigt sind. Und doch geben diese Zwischenstände eines wieder: “Wenn es um konstant gute Leistung geht, führt auch in der Europameisterschaft kein Weg am Rallyeteam Schindelegger vorbei!”

Es wird also extrem spannend, wenn in Italien am 27.- 28. November das Finale der historischen Schotter-Europameisterschaft ausgetragen wird. Doch davor gönnt sich das Rallyeteam Schindelegger noch einen Start in der Heimat. Bei der Dobersberg Herbstrallye wird das Team durch die heimischen Wälder heizen und auf Asphalt zeigen was mit einem fast 50 Jahre alten Gruppe 2 Escort möglich sein kann. Dabei hoffen wir wieder auf zahlreiche Fans, die uns anfeuern. Danke an dieser Stelle auch wieder unseren treuen Sponsoren SanLucar, Eschelmüller Holz und Hengstberger.

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