EHRC Historic Rally Fafe: Bericht Schindelegger | 18.04.2026
Sensationeller EHRC-Start in Fafe
Das Rallyeteam Schindelegger hat in Fafe bei der historischen Schotter- Europameisterschaft mit Gesamtplatz 6 einen Traum-Saisonstart hingelegt.
Die Schönheit der Rallyestrecken in Portugal zu beschreiben fällt schwer, denn kaum ein Land bietet so eine Vielfalt der Landschaft, während gleichzeitig unfassbar viel Begeisterung für den Rallyesport vorhanden ist. Der einzige Nachteil dieses traumhaften Landes ist die Entfernung zur Heimat des Rallyeteams Schindelegger. 2600 Kilometer, 36 Stunden Fahrzeit waren für Helmut und Mechaniker Andreas nötig, um mit dem Servicebus und dem Rallyeauto nach Fafe zu kommen.
20 Teams aus aller Welt versammelten sich in Fafe, um ihre historischen Rallyeautos über die legendären Schotterstraßen Portugals zu jagen. Das Rallyeteam war eines der beiden österreichischen Teams. Dass sogar Marion Eisenberger, Halbschwester von Lukas und Tochter von Helmut bei der Rallye mit dabei war, machte aus der Rallye auch ein Familienerlebnis. Während Lukas und Helmut über die Strecken heizten, sorgte Marion und Stefan mit der Österreichischen Flagge in den Fanzonen für Stimmung.
Für Helmut ist Rallye in Portugal ein besonderes Event. War er doch hier 1989 am Start der Weltmeisterschaft und pilotierte hier bis 2 Sonderprüfungen vor Schluss einen Lancia Delta Integrale. Dann sorgte ein technischer Defekt für den Ausfall. Auch Lukas verband immer sehr viel mit den Strecken in Portugal, denn seit er denken kann, sind ihm die Kurven und Denkmäler an Colin McRae auf dem Streckenrand bestens bekannt.
Nach einer fordernden Besichtigung, bei der die Geschwindigkeiten durch Verkehr und Straßenzustand zwischen den Sonderprüfungen niedriger war, als auf den Schotterpisten, konnte das Rallyeteam Schindelegger zum Shakedown starten um ein erstes Gefühl für den Schotter zu entwickeln. Schon auf den ersten Durchläufen war das besagte Gefühl schnell da, aber auch das erste technische Problem der Rallye. Eine Schweißnaht der Pedalbox war gebrochen, was zu unerwünschten Bewegungen der Pedale beim Kuppeln und Bremsen führte.
Doch Helmut bewies wieder einmal sein geniales Improvisationstalent und nach nicht einmal 30 Minuten wurde die Schweißnaht durch einen selbstgebauten Halter ersetzt und die Pedalbox wieder so fest wie neu. So ging das Team am Freitagmorgen bestens vorbereitet an den Start vor dem Rathaus in Fafe und auf die ersten Sonderprüfungen.
Nach einem etwas verhaltenem Start auf SP 1, konnte sich Lukas schnell steigern und die Beiden lieferten mit ihrer kontrollierten Fahrweise und perfekten Ansagen Zeiten unter den ersten 7. Hier zeigte sich auch der Nachteil der Klasseneinteilung, die immer wieder auftaucht. Die deutlich stärker motorisierten und auf fahrwerksmäßig deutlich bevorteilten Gruppe 4 Escorts RS1800 sehen zwar von außen gleich, wie der RS2000 des Rallyeteams Schindelegger aus und fahren auch fast immer in derselben Klasse, doch bei ähnlichem Fahrniveau drängt sich das Bild “David gegen Goliath” auf. Eben diese “BDA Escorts” machten den Sieg der Rallye unter sich aus und belegten nach einem frühen technischen Problem des Rosenberger Subarus Platz 1 bis 4.
Der erste Tag war geprägt durch die bis zu 29 Grad heißen Temperaturen, die 16 Kilometer lange Königsprüfung am Ende der beiden Durchgänge und kaum Pausen zwischen den Prüfungen. Dementsprechend körperlich fordernd war dieser erste Tag der Rallye, doch Lukas und Helmut kämpften sich auf einen guten Platz 7 in der Gesamtwertung vor und gingen glücklich in die Nachtruhe.
Der zweite Tag bot das absolute Highlight der Streckenführung. Aus der Weltmeisterschaft bestens bekannt, war die letzte Sonderprüfung. Diese führte über die beschriebenen McRae Denkmäler und über den weltberühmten “Fafe Sprung” nur wenige Meter vor dem Ziel. Nach dem Vormittags-Durchgang am zweiten Tag war die Stimmung beim Rallyeteam Schindelegger etwas geknickt. Lukas hatte sich fest vorgenommen, beim Fafe-Sprung den Boden zu verlassen, doch die Vorsicht hatte noch beim ersten Mal gewonnen. Zu deutlich hatte sich ein technisches Problem angekündigt, welches im Mittagsservice für ordentlich Hektik sorgen sollte. Es hatte sich die Schraube vom Stoßdämpfer zum Querlenker gelöst und damit drohte sich das ganze linke Vorderrad vom Auto zu trennen.
In dem kurzen 30 Minuten Mittagsservice waren also alle Hände gefragt, um den Escort wieder fit für die letzten 3 Prüfungen zu machen. Glücklicherweise war noch genügend Gewinde vorhanden, um die Verbindung zwischen Rad und Auto sicherzustellen und so war dieser letzte Kraftakt auch erfolgreich. Wie schwer es war, bei dieser Rallye ins Ziel zu kommen zeigte unter anderem auch der Ausfall durch Überschlag des Australiers Snooks auf Platz 4 liegend.
Mit fixiertem Fahrwerk und auf Platz 6 gesamt liegend starteten Lukas und Helmut also in die letzten 3 Sonderprüfungen. Nur 19 Sekunden trennten die Beiden von Platz 5 und so versuchten sie noch einmal alles, um den Rückstand zu minimieren und den vor ihnen liegenden Tschechen unter Druck zu setzen. Nachdem die Schindeleggers den Rückstand nach SP 10 halbiert hatten, antwortete dieser aber stark und verteidigte seinen Vorsprung.
Auf der letzten Sonderprüfung ließen Lukas und Helmut nichts anbrennen und genossen noch einmal die herrlichen portugiesischen Strecken in vollen Zügen und mit vollem Driftwinkel. Auch der berühmte Fafe-Sprung wurde mit fast einem Meter Luftstand absolviert und das Fahrwerk hielt der Belastung stand. Im Ziel der letzten Prüfung konnten die Beiden dann den Freudentränen freien Lauf lassen. Dieses Erlebnis komplettiert eine Familiengeschichte, die 1989 startete und mit Hilfe der vielen Unterstützer und Sponsoren SanLucar, Eschelmüller und Hengstberger in 2026 ein finales Kapitel erfahren hat.
Mit Platz 6 standen Lukas und Helmut hochzufrieden im Ziel der Historic Rally Fafe, genossen die Zeremonie in vollen Zügen und traten am nächsten Tag die lange Rückreise in die Heimat an. Auch Platz 4 in der Klasse und Platz 5 in der Kategorie sorgen für solide Punkte in der Schotter-Europameisterschaft.
Der nächste Lauf dieser Meisterschaft findet am anderen Ende von Europa statt. Die legendäre Acropolis Rallye steht vom 22. bis 24. Mai auf dem Kalender. Die Griechenland Rallye, bei der es vor allem um den Kampf gegen die extremen Herausforderungen der Strecken und Temperaturen gehen wird. Mit dieser Herausforderung vor der Brust, ist Helmut schon wieder hart an der Arbeit zur Vorbereitung, um das Auto wieder fit zu machen, denn trotz der Zielankunft ohne Kratzer stehen auch diesmal wieder eine Reihe an Wartungsarbeiten an.
Das Rallyeteam Schindelegger sagt: "Vielen Dank vom Team für die unzähligen Nachrichten der vielen Fans und Zuschauer!"


















