Erinnerungen eines Sportreporters | 02.08.2026
Erfolg ist nicht endgültig
In seinem jüngsten Kommentar zeigt sich ORF-Legende und motorline.cc-Kolumnist Peter Klein verärgert über die Darbietung von Johannes Keferböck und Ilka Minor bei der Rallye Finnland…
Im Winter meines Lebens angekommen habe ich naturgemäß unendlich viele Erinnerungen. Privat bleibt privat und beruflich habe ich gelernt, manche Entscheidungen, Reaktionen und Kritiken erst mal zu überschlafen. Und wenn ich heute die Finnland Rallye kritisch betrachte, wenn mich der österreichische Beitrag rund um Jyväskylö so gar nicht erfreut, dann will ich dies gerne begründen. Wer jetzt denkt „Mein Gott der alte Klein hat wieder was zu meckern“ – einfach nicht weiterlesen.
Natürlich muss ich ein wenig ausholen - nicht um zu rechtfertigen, sondern zum besseren Verständnis.
In 35 Berufsjahren zwischen 1972 und 2007 hatte man als ORF-Reporter, Filmgestalter oder einfacher Journalist in jeder Sportart affin zu sein – Hauptabteilungsleiter Teddy Podgorski wollte das so.
Meine erste Reportage für den ORF war 1974 ein Bericht über ein Spiel der heimischen Faustballmeisterschaft, mein letzter Beitrag im Dezember 2006 war vom letzten Rallye-WM-Lauf in Wales mit dem großartigen zweiten Gesamtrang von Manfred Stohl/Ilka Minor.
Dazwischen berichtete ich von Basket- Hand - und Fußball, Eishockey, Badminton und Tennis, Leichtathletik und Gewichtheben, Judo, Boxen aber auch Segeln, Rad- und Motocross, Rundstrecke und Triathlon. Es gibt keine Sportart, von der ich nicht zumindest einmal berichtet hätte, nur der Castingsport ging an mir vorbei! Für den geneigten Leser zum Verständnis: Man versteht darunter Trockenfischen bzw. mit der Angel ein Köderimitat so nahe wie möglich ans Ziel zu werfen.
Ich habe Menschen kennengelernt, die mich nur genervt – oder auch stets begeistert haben. Hervorheben will ich namentlich nur Arnold Schwarzenegger, dem ich bei Special Olympics immer wieder begegnete. Aber besonders Athleten im Kampf- und Motorsport, Segeln und Behindertensport haben mich fasziniert und mein Leben bereichert.
Natürlich sollte man als Journalist stets objektiv und gerecht sein, Leistungen bewerten und hervorheben. Aber wer lässt sich selbst im Job nicht auch von Gefühlen, Anerkennung und Sympathie leiten? Schon Mitte der 70er Jahre hatten Behindertensportler meine Hochachtung, Querschnittgelähmte, Amputierte oder schwer Sehbehinderte, die sensationelle Leistungen vollbrachten. Später dann Kampfsportler und vor allem Rallyepiloten aus Österreich, die mit kargen Mitteln Österreich stets würdig vertraten.
Aus Sympathie hielt ich den Skibobsport lange Zeit am Leben, brachte 1991 einen damals erfolglosen Alexander Wurz mit Formel Ford-Rennen in Neuseeland wieder ins Gespräch, berichtete im „Sport am Montag“ über die oft unterschätzten, aber tollen Erfolge eines Rudi Stohl, die Leistungen der späteren Doppelolympiasieger Hagara/Steinacher und begleitete Manfred Stohl von seinem ersten Abflug an der Elfenbeinküste bis zu seinen Triumphen 2006.
Alleine in diesem Jahr, so sagt es mein privates Archiv, habe ich für den ORF/Sport von zehn WM-Läufen direkt vor Ort, aber auch von allen anderen berichtet - von der heimischen Meisterschaft sowieso.
Das alles ist keine Selbstbeweihräucherung, sondern Fakt – und damit zur Finnlandrallye 2026.
Man schreibt und spricht oft von der „schnellsten Rallye der Welt“! Wer einmal in Schweden auf Schnee und vor allem Eis mit Tempo 180 durch die Wälder rund um Römmen gereist ist, sehnt sich fast nach Finnland….
Egal. Finnland ist spektakulär - das beweisen die bewegten Bilder Jahr für Jahr. Dass es heuer nicht einmal Sebastien Ogier auf der Straße hielt, ist dennoch nicht überraschend, war der Kampf um den Gesamtsieg extrem brutal.
Eiertanz im Masters Cup
Der österreichische Beitrag, sprich das Duo Keferböck/Minor haben mich diesmal schwer enttäuscht – im Gegensatz zur Rallye Estonia. Diesmal nur mit einem einzigen Konkurrenten im WRC Masters Cup, der sportlich gesehen ohnedies kaum Wert hat, bereisten die Herren Soylu und Keferböck die Sonderprüfungen durchwegs mit angezogener Handbremse. Die verbliebenen Zuschauer fadisierten sich wohl bei den Startnummern 52 und 53, Gähnen machte sich breit und bei manchen war gar ein mitleidiges Lächeln im enttäuschten Antlitz zu sehen…
Wenn der Unterschied zu den Mitbewerbern in der WRC2 oft fast 20 km/h beträgt, wird die Darbietung nur noch lächerlich und manch rot-weiß-rote Fahne wurde verbittert eingerollt. Wenn gleich zehn RC 3-Piloten deutlich vor den beiden Angsthasen die Rallye beenden, ist über deren Qualität und Kampfgeist genug gesagt!
Ein lieber Freund und bei Gott Kenner der Szene meinte nur: „Ma hot des Gfühl ghobt, die foarn midn Voglhäusl umd Müch.“
Hoffte man nach der 19. und vorletzten Sonderprüfung noch auf ein versöhnliches Ende (da führte Keferböck plötzlich mit fast neun Sekunden) vertrödelte der Österreicher auf der gleichen, als 20. SP noch einmal gefahrenen Prüfung den Vorsprung auf über 17 Sekunden Rückstand!
Dass Keferböck/Minor im WRC Masters Cup die Führung dennoch weiter ausbauen können, sagt wohl alles über den Sinn dieses Cup-Bewerbes.
Nein, das war eine absolut schwache Leistung, die eigentlich auch ärgerlich ist. Ich hoffe für beide Piloten, dass man sich da planmäßig verkalkuliert hat und es bei einer einmaligen Fehlleistung bleibt.
Und bitte: nach dem Gewinn im „Masters Cup“ am Ende der Saison diesen nicht als „Weltmeister im Masters“ verkaufen!
Das wäre genauso lächerlich, wie die Darbietung am vergangenen Wochenende.
Und so möchte ich den beiden doch ein wenig Mut machen mit den Worten des großen Philosophen Seneca:
„Wer Großes versucht, ist bewundernswert, auch wenn er fällt!“


















