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Die "blauen Reiter" Österreichs

Michael Hintermayer

Auch in Österreich sorgten die „blauen Reiter“ für Furore. Einer, den der Alpine-Virus besonders infizierte ist Rallyefilmer Helmut Deimel. „Die Alpine war das Auto, mit dem für mich alles begann. Ich habe die Alpine damals bei Rallyes gesehen und damit wars geschehen“, erklärt Deimel im Gespräch mit motorline.cc.

„Von meinem ersten ersparten Geld habe ich mir eine A110 gekauft und besitze heute noch eine. Jede Fahrt mit der 110er ist und bleibt ein Genuss. Nur das Ein- und Aussteigen wird langsam etwas mühsam.“ Womit wir bei einem der Hauptproblemen (wenn man es Problem nennen darf) angelangt wären: größer als 1,70 Meter sollte man nicht gewachsen sein, um sich in den eng geschnittenen Innenraum „einzufädeln“.

„Damals gab es ein paar schnelle Rallye-Alpines in Österreich. Die berühmteste war sicher die von Walter Roser. Er hatte eine Wohnung in Paris und gute Kontakte zu Renault. So war er imstande eine echte 1800er Werks-Alpine zu holen. Das Auto gibt es heute noch. Wer auch richtig schnell war mit der Alpine war Klaus Russling, der nachher als einer der ersten überhaupt eine Porsche 2.7 RS an den Start brachte“, erinnert sich Deimel. „Dann gab es noch den Georg Koltay. Der Mann war sowieso eine Legende. Über den könnte man Filme machen, aber leider ist er nicht mehr unter uns.“

Zeitlos schön: Die Silhouette der hüfthohen Alpine begeistert bis heute.

Renault Alpine A310 im Rallycross-Einsatz

Aber die Alpine war kein Alleskönner. Rallycross zum Beispiel lag der Flunder nicht besonders, wie RX-Europameister Herbert Grünsteidl im Gespräch mit motorline.cc zu berichten weiß. „Im Rallyesport war die Alpine in ihrer Glanzzeit natürlich das Maß der Dinge. Vor allem wenn es bergauf ging hatten wir mit sämtlichen anderen Fabrikaten fast keine Chance. Im Rallycross dagegen war sie unterlegen. Nicht nur, weil wir damals schon im Käfer 240 PS aus 2,4 Litern Hubraum zur Verfügung hatten und die 110er beim Start stehen ließen. Auch bei Kontakt war die Alpine im Nachteil, weil sie eben auf das Minimum reduziert war und nicht so viel aushielt wie die anderen Autos. Zudem hatte sie vorne den Kühler, der bei Berührungen schnell kaputt ging.“

Und auch auf der Straße war die fesche Französin nicht ganz unproblematisch. Der winzige Motorraum im Heck sorgte (wie aber bei diesem Prinzip üblich) bei Hitze für thermische Probleme. Die Reduzierung auf das absolute Minimum um Gewicht zu sparen nagte an der Zuverlässigkeit, wodurch für viele Alpine-Besitzer die Werkstatt zum Wohnzimmer wurde. Was aber der Faszination dieses Autos nicht schmälert. Man denke hierbei an die italienischen Fabrikate aus dieser Epoche.

Herbert Grünsteildl in der Werks-Alpine A310.

EM-Titel für Herbert Grünsteidl

Die glorreiche Epoche der Alpine-Fahrzeuge abseits der Rundstrecke endete mit dem Rallycross-Europameistertitel von Grünsteidl im Jahr 1977. Doch wie schaffte er es, mit der als „Heisl“ in Verruf geratenen A310 den heiß umkämpften EM-Titel zu holen? „Dieses Auto war ein richtiger Rennwagen und hatte mit der Straßen-Alpine nur mehr wenig gemeinsam. Ich war selbst in der Sportabteilung bei der Entwicklung involviert und durfte viel Input in das Projekt einbringen. Das war schon eine tolle Sache damals.“

Jean Rédélé starb im Jahr 2007 im Alter von 85 Jahren in Paris. Im Jahr 2012 wurde anlässlich des 50. Geburtstags der Alpine ein Prototyp enthüllt, der den Namen Alpine A110-50 trug. Im Jahr 2017 war es soweit und die Alpine gab ihr Comeback als Straßenversion. Leichtbau und das Fahrverhalten eines Gokart kennzeichnen die neueste Generation. Ob man die Alpine wieder im Rallyetrimm auf den verwinkelten Bergstraßen der französischen Seealpen sehen wird? Wir hoffen es!

Die Anfangszeiten der Renault Alpine A110 und technische Details finden Sie im 1. Teil der Alpine-Story!

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