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Portrait Andy Hulak
Fotos: Christian Koller, Privatarchiv Andy Hulak

Die Hoffnung hilft uns leben!

Peter Klein mit einer Geschichte von Leid und Leidenschaft, von Freundschaft und Hoffnung - es ist die Geschichte von Andy Hulak....

Peter Klein für den Motorline-Paddock-Corner

Ich habe hier auf motorline cc im Verlauf der vergangenen vier Jahre schon einiges geschrieben und der geneigte Leser weiß: Ich liebe sie, die großen Denker und Dichter, die eleganten Schriftsteller, Lyriker und in die Tiefe gehenden Dramatiker. Die Überschrift stammt von einem der Allergrößten: Johann Wolfgang von Goethe - und ich habe darüber nachgedacht, warum mir Er, oder auch Theodor Storm, Heine, Grillparzer, Shakespeare, Fontane oder Hölderlin geläufiger sind, als heutzutage Ingeborg Bachmann, Thomas Bernhard, Hermann Hesse, um nur einige zu nennen. Vielleicht, weil man damals mehr Zeit hatte, um nachzudenken, zu philosophieren und zu schreiben - vielleicht aber auch, weil die Menschheit damals generell mehr Zeit füreinander hatte.

Ich schweife wieder einmal ab, denn eigentlich handelt diese Geschichte von einem Mann, auf den Goethes Vers heute besonders zutrifft. Viele, die auf der Website von motorline.cc fast täglich zu Hause sind kennen ihn natürlich - manche von diversen Sonderprüfungen in Österreich, auf denen er mit seinen rasanten Drifts den Rallyefans stets viel Freude bereitet hat - und dann gibt es reichlich Menschen, die diesen urigen, aber stets liebenswerten Kerl persönlich kennen und schätzen. Ich darf ihn nun vorstellen - so, wie ich ihn vor vielen Jahren kennen gelernt habe: Andy Hulak.

Mit dem Wissen wächst der Zweifel

Andi ist vielleicht manchmal ein rauer Geselle, aber ein Mensch mit viel Herz und Familiensinn. Der Mechaniker aus dem südlichen Niederösterreich hat auch einen Freundeskreis, der ihm ähnlich ist! Erdig, geradeheraus, oft spontan und unüberlegt. Keine Akademiker, Künstler oder Lebemenschen - es sind Typen mit Handschlagqualität und offenem Blick. Man geht schon mal auf ein Bier oder zwei, sitzt im Kreis Gleichgesinnter, diskutiert über PS, Getriebe und Ölwechsel und auch, ob man die "Kraxn" noch reparieren sollte. Und irgendwann, vor mehr als 25 Jahren, hatte der "Rumpler Karl", der sonst immer mit seiner Maria fährt diese nicht zur Verfügung – und so kam Andi auf den Beifahrersitz eines der vielen heimischen Rallyeverrückten. „Des woa irgendwo in Ungarn", erinnert sich Andi und auch daran, dass er sich dort eine Infektion geholt hatte - die Rallyeinfektion! Und als im Jahr darauf in Gloggnitz die AVA-Bank -Rallye zur Austragung kam, wurde sein alter Freund und Weggefährte, der Herr „Mechaniker Meister Thomas Steinmayer" mit einer Lada sein neuer Chauffeur. Im Verlauf der Jahre folgten sieben weitere Rallyes, doch dann wollte es Andi „söba amoi probiern" .

Es entstand - nach etlichen Rallyes mit einem Fiat Stilo - das Projekt Ford Escort RS 2000. Und schon der erste Einsatz bei der Semperitrallye in Waidhofen brachte den ersten Klassensieg „vuan Lamplmaier Max – und der woa domois da Mister Ford". Der knallgelbe Escort 2000 war quasi Hulak´`s Markenzeichen und ward fortan aus der heimischen Rallyeszene nicht mehr wegzudenken… „Warum wolltest Du dann eigentlich selbst fahren", wollte ich von Andi wissen. „Weu i wia i no danebn gsessn bin imma denkt hob, do kunntat ma eigentlich ruhig späda bremsn", war die launige Antwort. „Waunst wast, dos geht, denkst da: Warum ned a bissl schnölla, a bissl quer? Gfoillt dena Leit und geil is a!"

Erst Ziele geben unserem Leben einen Sinn

Dieser Vers stammt zwar aus dem Gedankengut von Reverend Parkhurst, der Andi Hulak sicher nicht geläufig ist, obwohl auch er immer Ziele hatte, aber eben ganz persönliche. Eine Familie gründen, einem guten Job nachgehen, seine Manuela heiraten und einen Sohn zu haben. Und als dieser zur Welt gekommen war, kam der Escort in die Garage. Auch wenn es ein paar Sponsoren gab - mit Familie musste man einfach kürzer treten. Prioritäten setzen, den Sohn heranwachsen sehen, dessen ersten Schritte ins Leben und später auf dem Fußballplatz miterleben. Den Buben in die Schule bringen, den Eislaufplatz besuchen und in den Sommerferien durch die Wälder zu streifen. Weg von den Sonderprüfungen diverser Rallyes, dafür hin zum FC Tribuswinkel, wo der Junior mit vollstem Einsatz stets erfolgreich – und der Senior zum stolzen Papa wurde.

Erfolg hat drei Buchstaben: TUN

Erst vor drei Jahren kam es zum Comeback! Der Ford war ein historisches Auto geworden und auch der Pilot naturgemäß in die Jahre gekommen. Der nunmehr 53jährige Andi war natürlich nach wie vor am Motorsport interessiert und sein knallgelber Escort für die historische Klasse prädestiniert. Und so gab es unter der Fahne des MCL 68 bei der Blaufränkischland-Rallye den ersten Testlauf und schon bei der Herbstrallye im Waldviertel den ersten Klassensieg. Andi war stets ein Garant für spektakuläre Querfahrten und auch die folgenden Ausfälle im Jahr 2022 ließen ihn nicht entmutigen. Viele Besucher diverser Veranstaltungen hatten seinen Namen im Programm angekreuzt und oft hörte man diverse Fans sagen: „Wart no a Bisserl, glei kummt da Hulak!"

So auch am 15. April, bei der Lavanttal Rallye im Frühjahr 2023 auf dem Rundkurs Eitweg . Andi hatte bereits zum vierten Mal Jenny Hofstädter als Co-Pilotin im Ford und die zwei lagen in der historischen Wertung 6,2 mit mehr als einer halben Minute Vorsprung in Führung. Doch schon bald nach dem Start dieser Prüfung war ein heftiger Aufprall hunderte Meter weit hören – Unterbrechung – Feuerwehr – Rettung – und etwas später dann die Meldung: Hulak ist mit seinem Escort gegen einen Baum geprallt.

Tage, Wochen, Monate vergingen und man hörte nichts Gutes vom Gesundheitszustand des Fahrers. Co-Pilotin Jennifer war mit leichten Verletzungen davon gekommen und kümmerte sich, wie auch die Gattin und seine engsten Freunde um Andreas. Ich fuhr öfter zu einem seiner engsten Freunde und Rallyekollegen Thomas Steinmayer in die kleine Werkstatt in Leobersdorf um zu erfahren: „Nix Neues, geht eahm oba ned gut!" Später Überstellung ins Krankenhaus Baden bei Wien und nach Monaten im Spital dann die Meldung: Andi muss amputiert werden, das linke Bein ist irreparabel.

„Man muss dem Andi helfen", klang es von überall und schon startete der MCL 68 einen Spendenaufruf, der in Windeseile fast 5.000,- Euro einbrachte, Charitys wurden eingerichtet, ein Punschstand am 20. Dezember in Mödling, wo Ilka Minor und Cathi Schmidt die Ausschank übernehmen, Freunde ermöglichen den Umbau des Badezimmers, damit die Dusche begehbar wird und Freund Christian Koller, der das Stüberl in Leobersdorf übernommen hat, veranstaltete ebendort am Freitag, den 15. Dezember einen Punsch-Nachmittag, an dem auch Andi selbst, wenige Wochen nach der Amputation teilnehmen sollte.

Erwartungsvolle Gesichter. Kommt er? Kommt er nicht? „Wie geht´s ihm jetzt?", hörte man tuscheln und „Er hatte ja auch schwere Kopfverletzungen!", "Kann er eigentlich stehen?", "Sitzt er im Rollstuhl?", "Nein, gelähmt ist er nicht“ und ein „Na ja, guat wird’s eahm ned geh…“

Und dann, nach längerem Warten, öffnet sich die Eingangstüre und ein im Rollstuhl sitzender Andi Hulak lacht uns freundlich entgegen.

Nach allgemeiner Begrüßung, vielem Händeschütteln, nach Fragen, Antworten und Schulterklopfen rollt Andi zu mir. Ich hatte mit ihm diesen Interviewtermin ausgemacht und war von seiner Agilität ziemlich überrascht. Nach ein paar eher belanglosen Sätzen dann meine Frage: Wie war dieser 15. April Andi? „I kann mi an gar nix erinnern, waas ned, wias passiert is, wos genau passiert is - a ned, wia lang i weg woa.“ Erst Wochen nach dem Unfall hatte ihm seine Manuela von dem Unfall und seinen Folgen berichtet. Dass man ihm eigentlich schon im Klagenfurter Spital das Bein amputieren wollte, aber ein anderer Arzt sich dagegen verwehrt hatte. Erst langsam wurden die Gedanken klarer, die schwere Gehirnerschütterung besserte sich, Hulak wurde in die nähere Heimat nach Baden bei Wien überstellt.

„De hobn umadumdoktat, mia is des scho auf die Neavn gaungan. Den Haxn hob i eh nimma gspiat, jezdz is a weg und jezd woat i auf de Prothesn und auf an Termin fia di Rehab im weissn Hof", erzählt mir Andi fast freudig aufgeregt und ich bin von seinem so positiven Reden überrascht. „Stö da vua, da Sampl Reini aus Soizbuag woa bei mia, wast eh, dea sitzt jo a im Rollstuhl und foahrt midn Audi und da Niki Glisic aus Oberösterreich hod mi bsuacht, dem föhlt ja a a Haxn und des geht a dos er midn Auto foahrt!“ Ich bin überrascht von den klaren Erzählungen, dem positiven Optimismus und möchte wissen: „Willst Du gar wieder Rallyes fahren, wie Reini Sampl oder Niki Glisic?“ Da schüttelt Andi den Kopf „ na. auf kann Foi, Rallye ned, oba i mechat so schnö wie nua meglich auf Rehab und daun wieda auf de eiganen Fiass steh! “ Ich bin schwer beeindruckt und verabschiede mich von Andi und seinen Kumpels mit der berechtigten Hoffnung, dass es auch weiterhin Unterstützung und ein einigermaßen gutes Ende gibt.

In eigener Sache: es ist mir bewusst, dass es tagtäglich viele Unfälle gibt, auch mit weit schwereren Verletzungen, dass junge Menschen auf unseren Straßen sterben.

Aber aus dieser Geschichte ist so viel Positives zu sehen, zu fühlen und zu glauben. Dass der Wille nicht nur Berge versetzen, sondern auch auf ein Bein helfen - und positives Denken aus schwierigsten Situationen weiterhelfen kann. Dass es tatsächlich Freunde im Rallyesport gibt, die helfen, wenn Not vorhanden ist. Egal ob Superstar im Scheinwerferlicht oder Mensch unter der Deckenbeleuchtung eines kleinen Beisels in Leobersdorf.

In diesem Sinn: Frohe Weihnacht

PS: Das Spendenkonto für ein barrierefreies Leben von Georg Gschwandtner`s Aufruf ( siehe motorline.cc FORUM: Titel – HOFFNUNG ) ist nach wie vor geöffnet. Weitere 1.200,- Euro wurden lt. Hrn. Gschwandtner erst heute Vormittag an Andreas überwiesen.

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