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Lavanttal Rallye 2023: Bericht Knobloch
Daniel Fessl

Deja Vu bei der "Lavanttaler Jännerrallye"

Das Duo Knobloch/Rausch verliert am Samstagnachmittag die äußerst reelle Podiumschance durch einen Dreher, kann aber immerhin eine Zielankunft und P5 als Trostpflaster bei der "Lavanttaler Jännerrallye" verbuchen.

Ein Monat nach der erfolgreichen „Fabia Rally2 Evo Premiere“ im Rebenland folgte beim 3. ORM Lauf in Kärnten für Knobloch/Rausch der zweite Start für das italienische Team RB-Motorsport. Die “LKW FRIENDS on the Road Lavanttal Rallye powered by Skoda Dohr” hatte nicht nur denselben namensgebenden Hauptsponsor wie die „Jänner“, sondern auch ähnliche Bedingungen zu bieten. Nach einem soliden Start in die Rallye am Freitag folgten Samstagvormittag für das Duo gute SP-Zeiten und Zwischenrang drei im Mittagsservice, eine falsche Reifenentscheidung brachte das Team um die Podiumschance.

Der Start zur Rallye war diesmal auf etwa 1100 Meter Seehöhe geplant – dort herrschten nach nächtlichen Schneeschauern fast auf der halben Sonderprüfung winterliche Bedingungen mit Schnee und Schneematsch, folgerichtig stand das gesamte Spitzenfeld dort auf Winterreifen am Start. Aufgrund umgestürzter Bäume musste die erste Sonderprüfung jedoch abgesagt werden, vor SP2 – auf der die Strecke nur nass war - steckten die Top3 auf „überkreuzt“ (vorne und hinten jeweils ein Regenreifen und ein Winterreifen) um, sie hatten jeweils zwei Regenreifen als Reserve mit. Knobloch/Rausch hatten keine Regenreifen mit - auch deshalb, weil das Duo eine solche Reifenkombination noch nie getestet hat.

Knobloch: „Für die Top-3 war das Szenario Standardprogramm, da wir eine Mischbereifung mit Winter- und Regenreifen noch nie getestet haben, hatten wir das auch nicht in Erwägung gezogen. Bei den Bedingungen war es für mich klar, dass wir von Hermann und Simon eine ordentliche Packung aufgebrummt bekommen – dass auch Klausz auf die Reifenkombination setzte und 7 Sekunden schneller war als wir auf Winterreifen, das tat weh. Erfreulich war hingegen, dass wir trotz fehlenden Test nach nur 10 KM im Evo auf nasser Fahrbahn auf den Winterreifen schneller als die anderen auf Winter waren. Als wir beim zweiten Durchgang – diesmal waren wir alle auf vier Regenreifen – trotz der selben Reifen wie Klausz 7 Sekunden schneller waren als er, wusste ich – die Podiumschance lebt, dementsprechend zufrieden ging ich Freitagabend schlafen. Samstag Früh waren auf der neuen SP Schönweg – Siegelsdorf klare „Regen-Bedingungen“, diesmal konnten wir Klausz auf denselben Reifen um 14 Sekunden distanzieren, am Rundkurs Eitweg blieb der Vorsprung stabil. Beim zweiten Durchgang in Schönweg konnte Klausz etwas nachlegen, wir räumten mitten in der Sonderprüfung ein Brückengeländer ab, verloren etwas Zeit und Sicherheit – dennoch reichte es erneut für eine dritte Gesamtzeit. Unser Fabia hatte einige optische Kampfspuren abbekommen, aber keine technisch relevanten, im Mittagsservice lagen wir somit zufrieden auf Platz drei.“

Im Service wurden teamintern die Streckeninfos studiert – teilweise Schneefahrbahn auf SP 10 Prebl-Perner führt zu rauchenden Köpfen, die noch nicht getestete Reifenkombi Winter-Regen stand ebenso zur Diskussion wie nur Winterreifen, nur Regenreifen war der Vorschlag von Teamchef Simon, Günther und Jürgen schien die Wahl bei den Bedingungen, die mit Bildern und Videos vor dem Service vermittelten, als zu riskant. Obwohl nie getestet, entschied sich das Team letztlich für Winter/Regen überkreuzt, um zumindest die Chance auf das Podium aufrechtzuerhalten. Zuerst dachte das Team darüber nach, mit vier Winterreifen zu starten – da aber nach den Ergebnissen von SP2 klar war, dass man auf SP9 mit Winterreifen extrem viel Zeit verlieren würden, entschied sich das Team zu dem weniger idealen „Test unter Wettbewerbsbedingung“, und startete - ohne das je zuvor getestet haben – überkreuzt mit Winter- und Regenreifen in die Stage.

Hermann und Simon setzen im Sinne der Performance im Siegeskampf auf vier Regenreifen, das sickerte gegen Serviceende bereits durch – dass auch das BRR-Team nachzog, hingegen nicht. Einzig Klausz hatte für SP10 zwei Winterreifen mit. Bereits am Start zur SP9 war somit klar – entweder Knobloch/Rausch hatten verpokert, oder alle anderen Top-Piloten. Auf SP9 verlor das Duo auf Klausz und Raimund rund 15 Sekunden, ein Teil davon war der Gewöhnungsphase an die Reifenkombination geschuldet, ein Teil schlicht der falschen Wahl für die Bedingungen. Der erhoffte Schnee, damit der Vorteil der Winterreifen auf SP10, war leider zum Startzeitpunkt der Sonderprüfung weggefahren bzw. weggeschmolzen, zudem hatte es aufgehört zu schneien. Bereits nach dem Schotterteil war klar – falsch gepokert. Auf dem Bergabstück bis ins Ziel sind die Winterreifen hoffnungslos überhitzt, Knobloch/Rausch hatten erneut 6 Sekunden und somit endgültig die Podiumschance verloren.“

Knobloch: „Am Ende war klar, wir hätten die letzten Streckeninfos viel kürzer vor dem Start einholen müssen. Diesmal haben wir uns nicht auf der Strecke um die Podiumschance gebracht, sondern „in der Box“. Nach einer kurzen Frustphase im Service erwachte unser Sportsgeist wieder – das Podium war ohne Fehler der Top 3 zwar außer Reichweite, Raimund lag mit 4,4 Sekunden Vorsprung aber noch in Reichweite. Auf SP11 lagen wir, jetzt wieder gleich bereift wie die Spitze, auf Augenhöhe mit Klausz, Raimund Baumschlager konnten wir um 3,3 Sekunden distanzieren, die eine verbleibende Sekunde schien auf der Powerstage machbar. Ein Fehler im Schotterteil führte zu einem Dreher auf einer denkbar schlechten Stelle, kein Platz zum Umdrehen – wir verloren rund eine halbe Minute. Somit blieb es bei Rang fünf – auf die beiden Deutschen Albert von Thurn und Taxis und Dominik Dinkel war unser Vorsprung groß genug. Zumindest konnten wir uns diesmal nicht mangelnden sportlichen Ehrgeiz vorwerfen – sondern nur mangelnde Erfahrung, alle Rally2-Piloten vor und hinter uns haben ein Vielfaches an Erfahrung. Wir haben gekämpft, aber leider verloren. Gewonnen haben wir aber den „wertvollsten Pokal“ am Wochenende - ein mundgeblasener Pokal eines Künstlers für den erfolgreichsten Piloten des MSC-Lavanttal, überreicht vom Bürgermeister Hannes Primus. Der bleibt jetzt mal als Wanderpokal bei Jürgen – es wurde vereinbart, ich bekomme ihn wieder, wenn wir einen in der Gesamtwertung holen. Gelernt habe ich im Lavanttal extrem viel, über Potenzial und Verwendung verschiedener Mischbereifungen und Strategie - vielen Dank an unsere Partner, besonders an die zahlreichen aus der Region Lavanttal. Gratulation auch an Hermann Neubauer und Ursula Mayrhofer – obwohl der Speed an der Spitze abartig war und die Abstände zu Wagner/Winter gering, wirkte der Sieg souverän.“

Trotz des schlechten Wetters hatten viele Fans die Rallye auch vor Ort verfolgt, die Eventhalle wurde im Vorfeld von Jürgen Rausch und Yvonne mit viel Liebe zum Detail, in Abstimmung mit den Sponsoren und dem MSC, auf ein neues Qualitätsniveau angehoben – die Fans waren begeistert, beide namensgebende Sponsoren bekräftigten bereits im Rahmen der Siegerehrung, nächstes Jahr wieder als Partner auftreten zu wollen. Der ORM-Promoter produzierte in Zusammenarbeit mit dem ORF auch wieder viel TV-Material, Pressevertreter, Youtube-Creator und Fotografen rundeten die umfangreiche Berichterstattung auch im Lavanttal ab. Der Aufschwung im österreichischen Rallyesport war auch beim 3. ORM-Lauf unverkennbar.

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