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"Ich fahre wieder Motorrad!" Matthias Walkner hat seinen Optimismus nicht verloren (Archivbild)
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"Ich fahre wieder Motorrad!": Walkner nach sechster Operation zuversichtlich

Matthias Walkner hat nach mehreren komplizierten Operationen die Intensivstation in Graz verlassen - Die Gedanken des Österreichers gehen in die Zukunft

Der schwere Trainingssturz Anfang Dezember in Kalifornien hatte die bisher schwerste Verletzung in der Karriere von Matthias Walkner zur Folge. Der Rallye-Dakar-Sieger von 2018 brach sich dabei das linke Schien- und Wadenbein mehrfach. Es gab einen Trümmerbruch im linken Sprunggelenk. Gewebe und Venen im Bein sind auch beschädigt worden.

"Es war schon ein ziemlich schlimmes Erlebnis", blickt der Österreicher in der ORF-Sendung Sport am Sonntag auf diesen verhängnisvollen 5. Dezember 2023 zurück. Walkner hatte beim Training mit seinen Teamkollegen eine Abrisskante übersehen.

"Wie es oft im Sport so ist. Wenn alle Faktoren irgendwie zusammenspielen - die Sonne richtig steht, man vom Staub des Vordermanns beeinträchtigt ist. Dabei habe ich eine Abrisskante in ein Flussbett übersehen und bin sechs Meter in einen Gegenhang hineingesprungen."

"Ich kann mich an alles noch sehr gut erinnern. Als ich runtergesprungen bin, habe ich schon gewusst, dass das ein folgenschwerer Sturz ist. Es ist mit Abstand mein schlimmster Sturz. Es ist für einen Motorradfahrer das worst case, wenn man so etwas übersieht."

"Ich habe gemerkt, dass der Fuß gebrochen ist. Aber dass es dann so schlimm ist, damit hätte ich nicht gerechnet", seufzt der 37-Jährige. "Ich habe für fünf Stunden ehrlich geglaubt, dass es ein Traum ist und ich mich nicht so reinsteigern darf, weil ich bald munter werde."

"Es ist ein sehr intensiver Traum, aber das ist jetzt nicht real! Aber speziell in unserer Sportart, wenn man in der offenen Wüste stürzt, dauert es in der Regel fünf bis zehn Stunden, bis man im Krankenhaus ist." Diese Erfahrungen hat Walkner bei der Dakar schon machen müssen.

"Gut war, dass meine Teamkollegen in der Nähe waren und gleich vor Ort die Erstversorgung perfekt funktioniert hat. Wenn man in so einer Situation ist, ist man hilflos." Zunächst kam der Österreicher in eine Klinik in Palm Springs.

Nach der Erstversorgung in den USA wurde der Salzburger nach Österreich gebracht. Im AUVA-Unfallkrankenhaus Graz ist Walkner seit den vergangenen Wochen in Behandlung. Am 20. Dezember gab es eine Operation, um das zertrümmerte Sprunggelenk wiederherzustellen.

Diese Operation dauerte rund 15 Stunden. Am 5. Januar ist er zum insgesamt sechsten Mal operiert worden. Mittlerweile hat er die Intensivstation verlassen können. "Es geht so wirklich stetig bergauf", zeigt sich Walkner nach den harten Wochen voller Schmerzen zuversichtlich.

"Ich sehe mich definitiv, dass ich in neun, zehn, elf Monaten wieder Motorradfahren kann und Sachen machen kann, die mir Spaß machen. Ich bin durch die Hölle gegangen, aber jetzt geht es wieder bergauf."

"Wenn man sich so lange auf ein Rennen vorbereitet. Und wenn man dann eine halbe Sekunde unaufmerksam ist, weil einen die Sonne blendet und alles zusammenkommt. So ist das leider gewesen."

"Ich hänge sehr an meinem Leben und an meiner Gesundheit. Ich bin keiner, der etwas mit Risikobereitschaft wettmachen will", betont der KTM-Fahrer. "Ich bin immer klar im Kopf. Ich wärme mich immer extrem gut auf, damit ich auch im Kopf bereit bin."

"Denn es kann nach 300 Metern genauso etwas passieren wie nach 300 Kilometern. Deshalb tut es mir doppelt weh. Aber so ist leider auch der Sport, dass es auch mal schnell passiert. Ich hatte schon bisher ein ereignisreiches, abenteuerreiches Leben. Das bringt auch Verletzungen mit sich."

"So ist das Leben. Wenn man etwas erleben will, kann auch etwas passieren." Verletzungen sind für Walkner nicht neu. 2016 brach er sich bei der Dakar einen Oberschenkel. Es war ein langer Weg zurück in die Weltspitze.

2019 fuhr er mit einem gebrochenen Sprungbein im Fuß ins Ziel und eroberte trotz der Schmerzen Platz zwei. 2023 mühte sich Walkner mit einem gebrochenen Handgelenk und schied kurz vor dem Ziel durch einen weiteren Sturz aus.

"Für mich ist immer wichtig gewesen, dass solange ich bereit bin, 99 Prozent meines Alltags dem Rallyesport unterzuordnen und ich mich bestmöglich vorbereite, dann kann ich dieses Risiko minimieren. Ich weiß, dass dieses letzte Restrisiko besteht. Damit kann ich umgehen."

Walkners Blick ist in die Zukunft gerichtet. In den kommenden Monaten steht die Rehabilitation im Vordergrund, damit er wieder im Alltag ein normales Leben führen kann. Ob er seine Rennkarriere fortsetzen kann und will, wird sich mit der Zeit zeigen.

"Es gab schon viele Gedanken in meinen Kopf. Von jetzt ist es genug, bis ich stehe noch einmal auf", gibt er im ORF-Interview zu. "Wenn man sich die Videos ansieht, dann denkt man sich schon, dass etwas in meinem Leben fehlen würde."

"Ich habe definitiv das Ziel vor Augen und ich weiß, dass es sicherlich auch geht - aber ich werde definitiv wieder Motorradfahren! Ob ich dann Rennen fahre, das werden wir sehen." Denn eventuell ergibt sich ein Umstieg in ein Auto, das mit Überrollkäfig deutlich sicherer als ein Motorrad ist.

"Ein Kupplungspedal ist sicher einfacher zu bedienen als ein Schalthebel beim Motorrad. Von dem her gibt es viele Möglichkeiten", ist Walkner zuversichtlich, dass er wieder interessanten Aufgaben nachgehen wird können. "Wir werden sehen, was die Zukunft bringt."

"Aber das nächste halbe Jahr wird mit Reha verbracht, um wieder ins normale Leben zurückzufinden. Ich glaube, dass durch meine relativ lange und intensive Karriere die eine oder andere Türe offen ist."

"Ich habe viel gelernt und möchte dieses Know-how auch irgendwie weitergeben. Ob ich das in einem Buggy anwenden darf, in Jugendförderung oder in einer Position bei KTM. Ich will nicht, dass die Newcomer die gleichen Fehler wie ich machen."

Aber das ist Zukunft. Nun widmet sich Walkner seiner Genesung: "Ich glaube, ich habe eine intensive und interessante Zukunft vor mir. Aber jetzt nehme ich mir ein Jahr für mich Zeit, damit alles wieder dementsprechend funktioniert."

Im Jahr 2012 hat Walkner als Motocross-Weltmeister der Klasse MX3 seinen ersten großen Erfolg gefeiert. Er wechselte in den Rallye-Sport und trat seit 2015 bei der Dakar an. Viermal erreichte er dabei das Podest. 2017 und 2019 als Zweiter sowie 2022 als Dritter.

2018 feierte Walkner in Südamerika den Gesamtsieg. Insgesamt stehen in seiner Statistik fünf Dakar-Etappensiege. Außerdem wurde er 2015 und 2021 FIM Cross-Country-Weltmeister.

Motorsport-Total.com

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