ORM/ARC, OBM Rallye: Bericht | 29.08.2026
Hermann Neubauer holte die Rallye-Krone 2026
Mit einem Sieg bei der OBM Land der 1000 Hügel Rallye in Krumbach gewann der Salzburger seinen dritten Titel in der TEC7 Rallye-Staatsmeisterschaft / Der fünffache Champion Simon Wagner musste nach einem Unfall aufgeben / Auch der dritte Meisterkandidat Michael Lengauer flog im Finish von der Strecke
Den Abschluss der heurigen TEC7 Rallye Staatsmeisterschaft bildete an diesem Wochenende die OBM Land der 1000 Hügel Rallye mit Start und Ziel im niederösterreichischen Krumbach. Es war ein wahrlich würdiger Saisonabschluss, der in der Frage, wer wird Staatsmeister, an Spannung nicht zu überbieten war. Ebenfalls in Wertung waren die Teilnehmer der Austrian Rallye Challenge, die ihren siebenten Lauf in der heurigen Meisterschaft absolviert haben.
Gänzlich neu war der Veranstalter. Es war der Verein zur Förderung Wechselland Motor-Sport mit Luca Waldherr an der Spitze, der dafür sorgte, dass dieser Rallye-Klassiker dem heimischen Motorsport-Kalender erhalten blieb. Waldherr war nicht nur in der Organisation tätig, sondern war auch als Aktiver und als Teamchef bei dieser Veranstaltung im Einsatz. Um diesen kompletten Aufgabenbereich richtig in den Griff zu bekommen, waren Christian Luif, Thomas Füchsl und Michael Blazek die wichtigsten Helfer für Luca Waldherr, der bei seiner Premiere als Veranstalter eine durchaus positive Bilanz vorweisen konnte.
„Mein besonderer Dank gilt all unseren freiwilligen Helfern. Ohne deren Engagement wäre es nicht möglich gewesen, diesen Rallye-Klassiker am Leben zu erhalten. Ein spezieller Dank geht an die Bürgermeister/innen in den diversen Regionen wo die Rallye bei Sonderprüfungen aber auch bei Verbindungsetappen Station machte. Sehr wichtig war die neuerliche Unterstützung als Hauptsponsor von OBM, wieder vertreten durch den Geschäftsführenden Gesellschafter der OBM GesmbH, Wolfgang Scherleithner. Er war gemeinsam mit Waldherr Motorsport ein wichtiger Partner der Rallye. Das trifft auch auf das Mobilitäts Center in Krumbach zu, dies mit den Firmen Ford Luckerbauer, Skoda Geigner und MG Edlinger GmbH, die der Rallye einen bestens geeigneten Servicepark sowie das Start- und Zielgelände zur Verfügung gestellt haben. Alle Fahrzeuge der Organisation waren elektrisch unterwegs, die Versorgung der Servicezone mit allen Hallen und Gebäuden erfolgte mittels „grünem“ Strom aus eigenen Photovoltaik-Anlagen.
Bedanken möchte ich mich auch bei allen offiziellen Stellen, den Behörden, den Feuerwehren, der Rettung und der Polizei für ihren Einsatz. Einen wichtigen Punkt möchte ich auch am Schluss erwähnen. Er geht an unsere Rallyefans, die wieder sehr zahlreich in das Land der 1000 Hügel gekommen sind. Ihre Anwesenheit an den beiden Rallyetagen wurde belohnt mit vielen sportlichen Höhepunkten voller Spannung und würdigen Siegern und Platzierten, die diesen Saisonabschluss besonders geprägt haben“, so Luca Waldherr.
Zum sportlichen Teil:
Die OBM Land der 1000 Hügel Rallye 2026 wurde überstrahlt vom spannendsten Titelkampf seit vielen, vielen Jahren in der heimischen Staatsmeisterschaft. Während die letzten fünf Jahre allesamt von einem überragenden Simon Wagner dominiert wurden, begann die Meisterschaft bereits in naturgemäß aufkeimender Eintönigkeit zu versinken. Welch ein Segen also, dass heuer mit Simon Wagner, Hermann Neubauer und Michael Lengauer gleich drei Toppiloten mit der Chance, Champion zu werden, ins Saisonfinale in Krumbach gingen.
Angeheizt wurden die im Vorfeld und auch während der Rallye immer wieder neu angestellten Rechenspiele von der Tatsache, dass auf der letzten Sonderprüfung nicht wie üblich von drei bis eins, sondern wie bei jeden Saisonfinal-Event fünf bis eins Powerstage-Punkte zu holen waren. Diese Ungewissheit, wer holt wie viele Zähler, machte die Sache doppelt kompliziert und war die Grundlage dafür, dass die Spannung bis zur letzten Sekunde gegeben war.
Letztendlich, um es kürzer als die Erklärung zu machen, wurde alles zur Fleißaufgabe, weil die Rallye für Simon Wagner drei Prüfungen vor Schluss auf der SP Haßbach – Grimmenstein zu Ende war. Der fünffache Staatsmeister rutschte als Führender von der splitt-glatten Strecke in einen Graben, musste aufgeben und öffnete Hermann Neubauer so endgültig die Tür zu dessen dritten Staatsmeistertitel nach den Jahren 2016 und 2019. Der 38 Jahre alte Salzburger brachte seinen Toyota GR Yaris anschließend sicher ins Ziel und feierte neben dem Titel nach Judenburg und Weiz auch seinen dritten Saisonsieg 2026.
Und selbst Neubauers noch einzige verbliebene Gefahr Michael Lengauer sorgte für einen turbulenten Abschluss. Eigentlich schon chancenlos mit 18 Sekunden Rückstand als Zweiter in die Abschlussprüfung beim Eis Greissler gestartet, krachte er mit seinem Citroen C3 nach einem Felgenbruch in die Leitschiene und blieb somit punkte- und platzierungslos.
Mit Lokalmatador Luca Waldherr stand, auch bedingt durch die prominenten Ausfälle, somit ein überglücklicher Zweiter auf dem Siegespodest von Krumbach. Der Niederösterreicher hatte im Zuge seines Heimspiels viele Ups (vor allem am ersten Tag) und wenige Downs (wie heute einen wilden Ausritt auf dem Rundkurs in Kirchschlag) zu verzeichnen.
Dass durch Lengauers Pech ausgerechnet dessen Teamchef Raimund Baumschlager den dritten Platz erbte, darüber konnte wohl keiner der beiden wirklich lachen. Auch wenn Baumschlager damit wieder ins Feld der österreichischen Prioritätsfahrer aufrückt.
OBM-Sieger und STAATSMEISTER 2026 Hermann Neubauer (Toyota GR Yaris Rally2): „Dieser Titel bedeutet mir sehr viel, weil es der schwierigste meiner drei war. Der Kampf gegen Lengi und Simon war unglaublich fordernd. Hier unter diesem Druck so eine coole Performance abzurufen, war schon eine riesige Bestätigung und eine mega Teamleistung. Da kann ich nur danke sagen ans Team, an meine Familie, meine Beifahrerin Ursi Gassner und alle, die zu diesem Erfolg beigetragen haben. Was Simon und Lengi passiert ist, ist leider Teil unseres Sports und tut mir echt leid, aber natürlich bin ich glücklich, dass ich letztendlich als Sieger dastehe.“
Zweiter Luca Waldherr (Citroen C3 Rally2): „Natürlich ist ein zweiter Platz vor den eigenen Fans sehr schön. Obwohl ich sagen muss, dass ich mit einem dritten oder vierten Platz genauso zufrieden gewesen wäre. In erster Linie freut es mich, dass wir zu einem großen Teil der Rallye mit der Spitze mithalten konnten. Erst ein Fehler von mir hat uns heute Vormittag viel Zeit gekostet.“
Dritter Raimund Baumschlager (Skoda Fabia Rally2): „Unsere Leistung war eigentlich gar nicht so gut. Ich habe gewusst, dass die drei Titelkandidaten eine eigene Liga sind und bin auch gar nicht mehr gewillt, soviel Risiko auf mich zu nehmen. Luca war brutal schnell und auch nicht zu holen. Natürlich nehmen wir jetzt den dritten Platz, wenngleich ich ehrlich gesagt lieber Vierter geworden wäre, wenn Michi Lengauer das Ziel gesehen hätte. Mir tut es auch für Simon Wagner leid, weil ich glaube, die Stelle, wo es ihn erwischt hat, da hätte es jeden erwischt, der dort als Erster hingekommen wäre. Das hat überhaupt nicht so ausgeschaut, dass dort so viel Splitt liegt.“
Die Kampfansage von Simon Wagner folgte freilich auf den Fuß: „Gratulation an den neuen Meister. Heuer war offensichtlich unser verflixtes sechstes Jahr. Aber jeder, der mich kennt, weiß, dass mich so etwas nur stärker macht. Und genauso werden wir nächstes Jahr zurückkommen. Ich freue mich schon auf neue Duelle als Herausforderer in der Staatsmeisterschaft.“
In der ORM 2 feierte der Steirer Günther Knobloch einen Sieg vor Christoph Zellhofer. Während sich Knobloch jedoch „nur“ über seinen zweiten Saisonsieg (nach dem Lauf im Rebenland) freuen konnte, jubelte Zellhofer über seinen ersten ORM-Staatsmeistertitel.
Die ORM 3 bzw. auch die Junioren-Staatsmeisterschaft war schon vor der OBM Land der 1000 Hügel Rallye 2026 entschieden. Der zuletzt beim ERC-Lauf in Polen verunglückte und noch rekonvaleszente Oberösterreicher Marcel Neulinger verteidigte in beiden Kategorien seine Titel erfolgreich. In Krumbach holte sich „Kronprinz“ Lukas Dirnberger sowohl den ORM 3- als auch den Junioren-Siegespokal.
Ebenfalls zwei Auszeichnungen sicherte sich der Wiener Karl Wagner. Zum einen gewann der bereits feststehende Historic-Staatsmeister auch in Krumbach die Historische Wertung. Zum anderen wurde der Porsche-Pilot auch Gesamtsieger in der ORM Trophy, in der nur Piloten ab 50 Jahren gewertet werden. Bei der OBM Rallye hieß das Siegespodest Raimund Baumschlager vor Bernhard Stitz und (Achtung!) bei seiner ersten Rallye seit über acht Jahren Willi Stengg!
Last but not least gab es auch in der Austrian Rallye Challenge einen OBM-Rallye-Sieger. Dieser hieß Rene Kiehtreiber. Der Niederösterreicher im Mitsubishi Evo V ließ Patrik Gaubinger im Audi Quattro Gr4 hinter sich.
?OBM Land der 1000 Hügel Rallye 2026, Endstand nach 14 Sonderprüfungen

















