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„JORDY-FunCar“: Heimische Vertriebe kämpfen ums Überleben!
Alle Fotos: JORDY FunCar

„JORDY-FunCar“: Heimische Vertriebe kämpfen ums Überleben!

Heimische Racing-Vertriebe ächzen unter Billigst-Angeboten von internationalen Konzernen - Christian Jordanich erklärt im Motorline-Talk, warum billig nicht immer günstig ist...

Noir Trawniczek

Vor rund zehn Jahren hat der in einem Aluminium-Konzern arbeitende Hobby-Motorsportler Christian Jordanich „JORDY-FunCar“, einen Motorsport-Vertrieb gestartet und zwei Jahre als Nebenberuf betrieben: „Es lief immer besser, sodass ich nach 17 Jahren in dem Alu-Konzern meinen Hut genommen habe - ich bin zu meinem damaligen Chef gegangen und habe gesagt: ‚Ich mache jetzt etwas, das mich mehr interessiert!‘.“ Jordanich konnte also sein Hobby zum Beruf machen. So weit, so gut...

Doch schon vor drei Jahren begann das Geschäft zu stagnieren: „Immer mehr Menschen bestellen bei internationalen Konzernen, weil sie die Ware dort um einiges billiger erhalten.“ Dass diese ohnehin bekannten Konzerne die Teile oftmals vermeintlich günstiger anbieten können, liegt wohl auch daran, dass sie so gut wie keine Steuern zahlen müssen, während kleine Betriebe wie „JORDY-FunCar“ natürlich voll besteuert werden. Jordanich erklärt: „Wenn man aber genau hinsieht und genau vergleicht, kann man auch viele Preise finden, die nahezu ident sind. Teilweise auch teurer. Hier darf man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen um auf den selben Preis zu kommen.“

Die Coronavirus-Pandemie und der auch in Österreich vollzogene Lockdown haben die Lage der heimischen Vertriebe naturgemäß verschlimmert. Jordanich berichtet: „Zwar gab es in den ersten beiden Wochen nach dem Lockdown vermehrt Bestellungen, doch danach ist es immer weniger geworden. Meine Struktur ist so klein, dass ich einiges wegstecken kann, doch diese Pandemie ist für alle Neuland und ich fürchte schön langsam um mein Lebenswerk.“

“Man auch beim Einkauf patriotisch sein“

Wichtig wäre ein Umdenken in der Motorsport-Branche - ähnlich wie es auch in punkto Ernährung bereits vielerorts der Fall ist: Dass man den heimischen Verkäufer/Vertrieb unterstützt. „Jordy“ erklärt: „Es gibt zwei verschiedene Arten von Konsumenten. Dem einen ist alles egal - Hauptsache, er bekommt seine Teile möglichst billig. Dem anderen geht es nicht nur um den Einkauf, sondern auch darum, die heimische Branche zu untertstützen, weil es wichtig ist, dass es solche Vertriebe auch weiterhin in Österreich gibt. Man kann auch beim Einkaufen patriotisch sein.“

Umgekehrt würde man mit dem Einkauf bei Konzernen mehr auslösen als „nur“ lokale Pleiten: „Wenn man an die Zukunft denkt, wird man draufkommen, dass man sich so Steuergelder und Arbeitsplätze ins Ausland verfrachtet. Steuergelder, die gerade in diesen Zeiten benötigt werden, um den Bürgern Erleichterungen zu bringen. Und Arbeitsplätze, die in Zukunft für unsere Kinder oder Enkel regional vorhanden sein sollten.“

Wofür Christian Jordanich kein Verständnis hat: „Wenn mich, wie vor zwei Wochen geschehen, jemand um 19 Uhr anruft und darüber klagt, er habe sich einen Helm und ein HANS-System gekauft und das würde nicht zusammenpassen. Ich frage ihn: ‚Wann hast du das bei mir gekauft?‘ Und er sagt, dass er es in einem Onlineshop gekauft hat - und dann fragt er mich, warum ich aufgebracht bin, wenn ich nicht für irgendeinen Onlineshop den Gratis-Berater spielen möchte.“ Dass Leute bei internationalen Billig-Vertrieben Einkäufe tätigen und dann bei ihm um Ratschlag bitten würden, häufe sich, so Jordanich: „Das erlebe ich derzeit sicher einmal im Monat - und es ärgert mich.“

Doch Christian Jordanich will nicht nur den Patriotismus der Kunden ansprechen, sondern hat auch weitere Argumente, die für einen Einkauf in Österreich sprechen. Was viele vergessen: „Ein großer Pluspunkt ist, dass ich selbst Rennautos aufbaue und betreibe. Es gibt wenige Anbieter, die so viele Autos aufgebaut haben, in fast allen Rennserien. Man kann also auf mein Grundwissen aufbauen und auch davon profitieren. Das erspart oftmals viel Zeit und auch viel Geld.“

Maßgeschneiderte Beratung als Trumpf

„Jordy“ nennt ein Beispiel: „Jemand ruft an und sagt: ‚Ich brauche einen günstigen Rennoverall und habe da einen bei Konzern XY gesehen:‘ Ich sage zu ihm: ‚Bitte gib 50 bis 70 Euro mehr aus - und du hast einen Overall, der zehn Jahr hält, während du den vermeintlich billigen nach einem Jahr in die Tonne werfen kannst!‘“ Jordanich erklärt den Hintergrund seiner Expertise: „Da wir auch Overalls und Helme vermieten, brauche ich etwas Wertiges, sehr oft Waschbares. Daher weiß ich hier aus eigener Erfahrung, welche Marken diesen Ansprüchen genügen.“ Solche Tipps sind es, die aus flüchtigen Kunden wahre Stammkunden machen: „Oft kommen Leute zu mir und sagen: ‚Danke, du hast mir beim Sparen geholfen!‘ Denn billig gekauft ist nicht immer günstig gekauft. Es gibt auch sehr viel Ramsch auf dem Markt.“

Christian „Jordy“ Jordanich spricht auch für alle anderen heimischen Motorsport-Vertriebe, wenn er die „gute Beratung“ ins Spiel bringt: „Lokale Händler punkten mit einer guten Erreichbarkeit und einer maßgeschneiderten Beratung. Ich frage oft: ‚Was erwartest du dir von diesem Produkt?‘ Und es kommt nicht selten vor, dass ich überhaupt von einem Kauf abrate, weil er ganz einfach nicht nötig ist. Ich verkaufe nicht um des Verkaufens Willen - ich möchte glückliche Kunden, die eine Gaudi mit dem Motorsport haben.“ Dass er dabei nicht nur aus selbstlosen Gründen handelt, versteht sich von selbst: Denn nur jene Kunden, die sich gut behandelt fühlen, werden zu Stammkunden. Und davon hat „JORDY-FunCar“ zum Glück viele.

Um diesem und vielen anderen heimischen Betrieben langfristig das Überleben zu sichern, wäre es schön, würden einige der hier lesenden Aktiven ihr Kaufverhalten zugunsten der heimischen Anbieter überdenken...

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