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Achim Mörtl: Das war keine Werbung für den Rallyesport
Foto: Achim Mörtl

"Man sollte sich an den Abläufen bei der WM ein Vorbild nehmen"

Der ehemalige Staatsmeister und WM-Pilot über das aktuelle Kräfteverhältnis an der Spitze, das Chaos bei der Veranstaltung, nicht sattelfeste Sportkommissare und die Problematik eines Rundkurses.

Stefan Schmudermaier

Achim, am Samstag ging der Saisonauftakt der ÖRM im Schneebergland über die Bühne. Du warst auch selbst vor Ort, wie war Dein Eindruck, was das Sportliche betrifft?
Im Grunde wie ich es erwartet habe, Neubauer und Wagner werden sich die Siege untereinander ausmachen, wer im Laufe der Saison mental stabiler ist, wird dann auch vorne sein. Fehler und Defekte dürfen halt nicht passieren! Der Rest ist deutlich schwächer, wird aber auch interessant, wer den dritten Platz für sich in Anspruch nehmen wird! Gespannt darf man auf die Premiere des Skoda Kreisel RE-X1 sein, speziell auch wie man gegen die R5-Fahrzeuge leistungstechnisch abschneiden kann. Rossgatterer hat mir bei den 2WD-Piloten gefallen, lässig wäre, wenn hier mal alle Jungtalente bei einer Rallye antreten würden!

Bei der Organisation sind ja gleich mehrere Dinge schiefgegangen, hast Du davon etwas mitbekommen?
Klar, das hat ja bei der ersten SP bereits begonnen, danach haben‘s halt auch ein bisserl Pech gehabt und dann kamen chaotische Zustände dazu, die aber meiner Meinung nicht unbedingt beim Veranstalter zu suchen sind. Man kann sich hier auch die Frage stellen, warum man sich nicht an gut funktionierende Abläufe aus der Weltmeisterschaft hält. Sollte es stimmen, dass eine Mitarbeiterin der Zeitnahme zum Start der letzten SP vor einem leicht ungehaltenen Teammitglied wegrannte, dann kann man sich im Zuge dessen wohl mehrere Fragen stellen ...

Auch die Sportkommissare haben teils fragwürdige Entscheidungen getroffen. Du hast internationale Erfahrung, wie siehst Du diese versuchte „österreichische Lösung“ zweier Sieger?
Ich war bei der Entscheidungsfindung natürlich nicht dabei, aber grundsätzlich haben sie hier sicher ein bissl patschert agiert. Es gibt ein Sportgesetz und das es dann wohl sattelfest Schritt für Schritt umzusetzen. Dann gibt es ein Ergebnis und jeder Fahrer hat die Möglichkeit dieses zu beeinspruchen. „Everybody´s Darling“ sein zu wollen, ist hier wohl nicht zielführend.

Die finalen Entscheidungen der AMF sind derzeit noch ausständig, die Rallye ist offiziell noch nicht abgeschlossen, die Ergebnisse wurden noch einmal von den Sportkommissaren angefordert. Nach Überprüfung und der Veröffentlichung des offiziellen Endergebnisses besteht die Möglichkeit, den von dir angesprochenen Protest seitens der Teams einzulegen. Gehst Du davon aus, dass das passieren wird?
Das wird natürlich maßgeblich davon abhängen, wie das Ergebnis ausfällt. Es dürfte klar sein, dass die Variante mit zwei punktegleichen Siegern laut Reglement einfach nicht funktioniert. Und dann ist die Frage, wie der dann Zweitplatzierte reagiert. Gut möglich, dass der Fall auch vor einem Sportgericht landet ...

Laut Experten gibt es zwei Möglichkeiten, entweder die letzte SP wird annulliert, dann gäbe es aufgrund zu weniger SP-Kilometer gar keine Punkte. Oder die SP wird gewertet, dann wäre Simon Wagner der Sieger. Entscheidend wird die Beurteilung sein, ob die Bedingungen der letzten SP – Stichwort Staub – irregulär waren oder nicht. Wie ist Deine Einschätzung?
Grundsätzlich ist ein Rundkurs immer problematisch, da kann man eben einmal Pech haben, und einmal Glück! Wie wird es gehandhabt, wenn der eine später mal Regen haben wird und der zwei Minuten davor gestartete nicht? Ist es dann auch irregulär und wird es dann auch willkürlich vergebene Zeiten geben? Schwierig ...

Abschließend möchte ich sagen, dass diese Rallye nicht wirklich eine Werbung für den Rallyesport und die AMF ist, andererseits muss man aber die Kirche im Dorf lassen. Das Ganze interessiert vielleicht 300 Leute auf der Welt, zwei Fahrer samt Teams sind davon halt massiv betroffenen und es kann für die Meisterschaft und damit auch finanziell nicht unbedeutend sein. Im Grunde hoffe ich, dass eine saubere, reglementkonforme Lösung zustande kommt. Wenn das nicht geht, wird man halt hergehen müssen, sich und der Öffentlichkeit den Fehler eingestehen und die Rallye annullieren. Und natürlich wäre es in Zukunft gut, wenn die Sportkommissare beim Reglement sattelfest sind.

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