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Rallye Weiz: der Skoda Kreisel RE-X1 ist bereit
Harald Illmer

Kreisel und Baumschlager vor der Weltpremiere

Mit dem Skoda Kreisel RE-X1, gelenkt von Raimund Baumschlager, stellt sich weltweit erstmals ein vollelektrisch angetriebenes Fahrzeug dem direkten Vergleich mit den Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren. Und das nicht gesondert, oder über einzelne, ausgesuchte Sonderprüfungen, sondern in einer Wertung und über die volle Distanz. Die Erwartungen sind hoch - vor allem aber daran, was man erfahren und lernen wird.

Diesen Freitag um 13:35 Uhr ist es so weit: Da steht der RE-X1 das erste Mal am Start einer Sonderprüfung. Der in ein Skoda Fabia Rally2 evo Chassis eingebaute Kreisel Antrieb, mit einem 860 Volt Elektromotor und Lithium-Ionen Batteriepaket mit einer Kapazität von 52,65KWh, ist für die ORM mit 260kW homologiert und liefert ein maximales Drehmoment von 600Nm.

Und die passende Infrastruktur für den Renneinsatz des RE-X1 bringt Kreisel Electric freilich nicht nur einfach mit, sie haben sie auch selbst entwickelt. Zwei Supercharger, die ausschließlich mit Solarenergie, oder aus dem örtlichen Stromnetz gespeist werden, kommen am Wochenende bei der Rallye Weiz zum Einsatz. Der eine in der Servicezone, wo leere Batterien des RE-X1 in nur 17 Minuten wieder vollständig aufgeladen werden können, der zweite, mobile an festgelegten Nachladepunkten auf den Verbindungsetappen, wo unter Aufsicht eines AMF-Technikers nachgeladen wird.

Wie groß das weltweite Echo auf den RE-X1 ist, zeigen alleine die Zugriffszahlen auf die bisher veröffentlichten Videos. So wurde ein Beitrag mit Aufnahmen von Testfahrten, der seit Jänner auf der Facebook-Seite von BRR zu sehen ist, schon über eine Million Mal aufgerufen, ein Video aus der Vorwoche bereits über 220.000 Mal. Die Motorsportwelt scheint also den ersten Wettbewerbseinsatz des Skoda Kreisel RE-X1 nicht mehr erwarten zu können.

Auch Raimund Baumschlager, der in seiner langen Karriere schon so ziemlich alles erlebt hat, ist vom weltweiten Interesse vor dem ersten Einsatz des RE-X1 überwältigt. „In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so viele Interviews gegeben, wie in den letzten Wochen“ erzählt der Rekord-Staatsmeister, der das Vorzeigeprojekt vor wenigen Tagen in der Skoda Heimat Tschechien präsentiert hat. Darüber hinaus gibt es schon zahlreiche Anfragen von Teams und Piloten aus dem Ausland, die den RE-X1 in anderen nationalen und internationalen Rallyemeisterschaften einsetzen möchten.

Seinen Fahrstil musste der Raimund Baumschlager nach eigenen Angaben kaum an den neuen Boliden anpassen. Mit Akribie und viel Detailarbeit wurde das Fahrverhalten des RE-X1 jenem eines R5 schon sehr nahegebracht. Das Arbeitsumfeld im Cockpit hat sich dennoch dramatisch geändert: „Das Schalten fällt weg und damit auch eine wichtige Hilfe, die Geschwindigkeit richtig einzuschätzen. Früher wusste ich, wie schnell ich bin, wenn ich zum Beispiel im 5. Gang unterwegs war. Jetzt, da ich sozusagen nur mehr einen Gang habe, fällt diese Hilfe weg und für den Blick auf den Tacho bleibt bei einer Sonderprüfung ohnehin keine Zeit.“ Auch an das neue Bremsen musste sich Baumschlager erst gewöhnen. „Die Batterien laden beim Bremsen wieder auf, und dieses Rekuperieren muss man natürlich beim Betätigen des Bremspedals berücksichtigen.“ Und auch die Sitzposition von Baumschlager und seinem neuen Co-Piloten Jürgen Heigl ist jetzt eine andere. Da die Batterien auch im vorderen Teil des RE-X1 untergebracht sind, ist aus der Sitz- eher eine Liegeposition geworden, ähnlich wie in einem Formel-Rennwagen.

Die Entwicklung am Konzeptfahrzeug Skoda Kreisel RE-X1 ist noch nicht am Ende, dennoch wird schon jetzt der mutige Schritt zum Wettkampf getätigt, weil kein Prüfstand der Welt den Renneinsatz ersetzen kann. So wird auch die Rallye Weiz neue Erkenntnisse bringen. Wie auch die weiteren Einsätze in diesem Jahr:

„Es ist ein Test- und Entwicklungsjahr“ erzählt Baumschlager und verweist nicht ohne Stolz auf die Bedeutung des Rennsports für die Serienproduktion „Vieles, was im Renneinsatz ausgetestet wurde, ist später in der Serie zum Einsatz gekommen. Diesbezüglich hat auch im Rallyesport Tradition. Und so setzen auch wir zum Beispiel Batterien oder Ladestationen ein, die in vier oder fünf Jahren jedermann zur Verfügung stehen werden.“

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