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Kreisel-Rallyeprojekt vorerst eingestellt
Foto: Harald Illmer

Vorläufiges Aus für innovatives Elektrorallyeprojekt

motorline.cc erfuhr von Philip Kreisel, dass vorerst kein neuer Prototyp geplant sei, womit BRR-Skoda-Kreisel vorerst Geschichte ist...

Noir Trawniczek

Im Vorjahr hat Kreisel Electric gemeinsam mit Skoda und Baumschlager Rallye Racing mit dem innovativen und auch kostspieligen RE-X1 in der heimischen Rallye Staatsmeisterschaft für hohe Aufmerksamkeit gesorgt. Noch am Beginn der Saison wurde von der AMF (Austria Motorsport) in einer Arbeitsgruppe eilig ein Reglement für den Einsatz der seit 2021 start- und punktberechtigten Elektroautos gezimmert. Rund um die Ladezeiten gab es vor genau einem Jahr im Vorfeld der Hartbergerland-Rallye Unstimmigkeiten, woraufhin BRR den Start zurückzog.

Doch schon davor, bei der Premiere des Skoda Kreisel RE-X1 im Rahmen der Rallye Weiz konnte Rekordstaatsmeister Raimund Baumschlager mit dem Elektro-Prototypen gleich einmal den famosen dritten Platz erringen.

Bei den Austrian Rallye Legends, Österreichs größtes historisches Rallye-Festival, repräsentierte der RE-X1 als Vorausfahrzeug quasi die Zukunft des Rallyesports und erntete größtes Interesse, auch seitens der Historik-Fans.

Und in Mlada Boleslav lud Skoda Motorsport die Journalisten aus aller Welt zur Mitfahrt mit dem elektrischen Rallyeboliden ein, auch motorline.cc war damals vor Ort (Video).

Beim Saisonfinale im Rahmen der Rallye W4 war der Einsatz nur von kurzer Dauer - nach nur zwei Sonderprüfungen musste Raimund Baumschlager den RE-X1 wegen eines Defekts abstellen. Kaum jemand konnte ahnen, dass dies der letzte Wettbewerbseinsatz des vielbestaunten Prototypen war.

Als im Dezember des Vorjahres Kreisel Electric vom amerrikanischen Landmaschinen-Giganten John Deer übernommen wurde, versicherte man, dass die elektrischen Motorsport-Aktivitäten, allen voran die Belieferung der Kits für die elektrische Rallycross-WM sowie die Hybrideinheiten für die rally1-Autos der Weltmeisterschaft, davon nicht betroffen seien.

Vor Saisonbeginn hat motorline.cc schließlich erfahren, dass der aktuelle Prototyp Skoda Kreisel RE-X1 nicht mehr weiterentwickelt werde, stattdessen werde auf Basis eines neuen Modells des Skoda Fabia ab Sommer ein brandneuer Prototyp aufgebaut, hieß es Ende Februar dieses Jahres (Bericht).

Kein neuer Kreisel-Prototyp

Wir haben nun mit Philip Kreisel erneut telefoniert und uns nach der Fortsetzung des Projekts erkundigt - wenn Kreisel heute vom „Rex“ spricht, klingt das ein wenig so, als würde er über einen Dinosaurier sprechen, der als Museumsexemplar an das ehrgeizige Projekt erinnert: „Der Rex wird natürlich weiterhin als Showcar eingesetzt“, versichert Kreisel. Dass der kostspielig entwickelte Prototyp wieder in einem Wettbewerb zum Einsatz kommen wird, schließt Kreisel aus.

Doch auch von einem neuen Prototypen ist nun keine Rede mehr: „Solche Projekte müssen ja auch von jemandem finanziert werden und wir sind mit unseren internationalen Motorsportaktivitäten mehr als nur ausgelastet.“ Gemessen am langen Vorlauf, den ein solches Projekt benötigt, kann man also mit Sicherheit sagen, dass auch 2023 eine Fortsetzung des innovativen Projekts mehr als nur unwahrscheinlich ist. Kreisel widerspricht nicht, findet das vorläufige Ende dieses Projekts aber wie es scheint auch selbst schade: „Gerade der Rallyesport wäre eine optimale Plattform, um die Vorteile der E-Mobilität vor allem in punkto Ladezeiten und dergleichen einem breiteren Publikum näherbringen zu können. Es war schon immer der Motorsport, der eine Vorreiterrolle eingenommen hat...“

Stohl überrascht & enttäuscht

Überrascht und auch ein wenig enttäuscht reagiert Manfred Stohl, dessen STARD-Team schon vor Jahren den ersten elektrischen Rallyeboliden im Einsatz hatte, auf diese Nachricht: „Das ist vor allem für den heimischen Rallyesport eine schlechte Nachricht - denn wir benötigen diese grüne Komponente, um weiterhin eine gewisse Akzeptanz zu erfahren.“ STARD sei zurzeit mit internationalen elektrischen Entwicklungsprojekten eingedeckt, an einen Einsatz in der ORM werde zurzeit jedoch nicht gedacht. Freilich gilt wie bisher: Sollte ein Finanzier ein solches Projekt wünschen, könne dies umgesetzt werden.

Bis dahin jedoch dürfte die ORM zwar mit innovativem E-Reglement, allerdings ohne Protagonisten ausgestattet bleiben...

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