RALLYE

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Startnummern-Verteilung –
ein Problem für alle Ewigkeiten?

Immer wieder kommt es vor den Rallyes zu großen Diskussionen rund um die Startliste, die Kolumne zeigt mögliche Auswege aus der Misere auf.

Werner Schneider

Wer die Nennliste der Dunlop-Pyhrn-Eisenwurzen-Rallye ein bisschen intensiver studiert hat, dem sind wenigstens zwei Startnummern aufgefallen, die zumindest zum Heben der Augenbrauen Anlass geben konnten: Nr. 10 für den 19jährigen Italiener Pierfrancesco Zanchi und Nr. 57 für Gernot Zeiringer.

Bei Ersterem war die Verwirrung überhaupt groß: Stand doch als Auto ein „Fiat 1600 Kit-Car“ in der Klasse A5 (also bis 1.300 ccm). Es steht zu vermuten, dass hier jemand von einem Fiat Punto Kit-Car ausgegangen ist, allerdings hätte er spätestens bei der Klasse A5 stutzig werden müssen – oder beim Studium der Starterliste der Pirelli-Lavanttal-Rallye, wo derselbe Fahrer in einem Fiat Seicento Kit-Car (oder wie die Italiener üblicherweise schreiben Fiat 600 Kit-Car) unterwegs war. Und selbst wenn es sich um einen Punto gehandelt hätte, wäre die Startnummer nicht wirklich gerechtfertigt gewesen – vor Ruben Zeltner, der am Ende Platz 4 gesamt belegte.

Bei Zeiringer war es noch seltsamer, immerhin handelte es sich beim Supermarkt-Besitzer aus Birkfeld um den Gesamt-10. der Burgenland-Rallye und Gesamt-2. der Diesel-Meisterschaft. Ihn hinter den langsamsten der Fiat Stilo-Truppe einzureihen, war zumindest ein Zeichen von Ignoranz.

Es gab noch so einen Zwischenfall, der allerdings in der Nennliste gar nicht mehr aufschien. Als der Historic-Staatsmeister von 2000, der Tiroler Alfons Nothdurfter, am Telefon vernahm, dass man ihn mit Startnummer 89 abspeisen wollte, zog er seine Nennung gleich wieder zurück. Zur Erklärung: Nothdurfter pilotiert einen etwa 240 PS starken Porsche 911 RSR von 1975.

Startnummern-Vergabe:
Ein heikles Thema, eine für alle faire Lösung zu finden


Bei den Startnummern geht es ja zumeist nicht darum, dass ein Pilot den anderen ein- oder überholen könnte – jedenfalls nicht, ehe sich die SP-Länge 20 km nähert -, sondern eher, dass starke Fahrer mit sehr schlechten Startnummern im Falle eines SP-Abbruches eine deutlich schwächere Zeit zugeteilt bekommen könnten als ihnen eigentlich zustände. Und eine halbe Minute oder noch mehr Zeitverlust kann heutzutage schon eine entscheidende Rolle spielen.

Die Startnummern-Vergabe ist eine zeitaufwendige Angelegenheit und von keinem Veranstalter sonderlich geliebt, denn – wie schon das Sprichwort sagt – „allen Menschen recht getan, ist eine Kunst die niemand kann“ - der Autor spricht aus einschlägiger Erfahrung... Manche Veranstalter bemühen sich zumindest, eine möglichst faire Lösung für alle zu finden, andere scheinen den Sportkommissären etwas mehr Arbeit zuschanzen zu wollen, die ja dann die Startreihenfolge korrigieren müssen.

Vorbild Italien?
Eine Reihung nach Prioritäts-Status und Klassen wäre das Ergebnis

Gibt es nun eine durchsichtige Form für die Zuteilung der Startnummern? In Italien macht man es sich recht einfach: Zuerst kommen die Prioritätsfahrer, dahinter werden die Fahrer einfach nach ihrer Klasse eingeteilt, was natürlich auf den klassischen norditalienischen Prüfungen – lange, sehr enge, kurvenreiche Asphalt-Straßen – zu einer Menge Überholmanövern führt, da die Unterschiede in den Klassen wie auch hierzulande extrem groß sind.

Bei der Alpi Orientali-Rallye in Udine im vergangenen August war ein Citroen Saxo Kit-Car nach der 1. Etappe bestes Formel 2-Team auf Platz 6 – mit Startnummer 96! Wie wäre es, dies auch einmal hierzulande auszuprobieren? Sicherheitshalber aber nur bei einer Veranstaltung ohne engeren Rundkurs und mit ausschließlich Asphalt-SP. Vorgeschlagene Reihenfolge hinter den Prioritätsfahrern: A8, Diesel, N4, A7, A6, N3, Historische, Gruppe H, A5, N2, N1. Es ist klar, dass dies nicht die perfekte Lösung ist, aber wie gesagt, versuchen könnte man es einmal.

Rallye-Rangliste:
Effektiv, aber immens aufwendig und somit auch teuer

Eine andere, allerdings aufwendige Methode wäre das Führen einer Rangliste nach Vorbild der Tennis-Weltrangliste (auch so was gab’s schon einmal vom Autor), wo die Platzierungen auf den SP der letzten 12 Monate berücksichtigt werden. Nur – wer macht sich ohne Bezahlung diese Arbeit, bei der ja auch reine Challenge-Rallyes und ausländische Veranstaltungen Berücksichtigung finden müssten und ein Schlüssel der Punkteverteilung auszuarbeiten wäre. Man kann ja eine Burgenland-Rallye nicht mit den zahlenmäßig besonders stark besetzten Mitropa-Cup-Läufen vergleichen, von Rallye-Sprint und Herbst-Rallye ganz zu schweigen.

Eine Möglichkeit ist auch, den prozentuellen Rückstand der Fahrer auf den jeweils schnellsten jeder SP zu berücksichtigen, das wäre unabhängig von der Anzahl der Starter zu bewerkstelligen. Diese letzte Idee stammt übrigens von Helmut Schöpf vom MSRR Neulengbach, wie man ehrlich zugeben muss.

Ob es allerdings tatsächlich jemals zu einem System kommen wird, das von allen österreichischen Veranstaltern akzeptiert und angewendet wird, muss aus der Erfahrung der letzten Jahre mit Fug und Recht bezweifelt werden. Dabei wäre gerade das ja eine Angelegenheit, die einer professionellen Meisterschaft gut zu Gesicht stehen würde.

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