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Austrian Rallye Legends

Die wilden 70er-, 80er- und 90er-Jahre des Rallyesports

Bei der ersten Ausgabe der Austrian Rallye Legends soll mit einem Österreich-Schwerpunkt an die glorreichen Siebziger-, Achtziger- und Neunzigerjahre erinnert werden. Österreich erlebte drei atemberaubende Jahrzehnte: Die Rallye-Käfer, die Quattro-Premiere, die großen Erfolge, die Unterstützung der Importeure und jede Menge Charakterköpfe hinterm Lenkrad…

Fotos: Austrian Rallye Legends

Von 18. bis 20. September steigt rund um die Hallermauern die Premiere der Austrian Rallye Legends. Rund 130 historische Rallyeboliden aus dem In- und Ausland werden starten. Bei der ersten Ausgabe der Austrian Rallye Legends powered by ARBÖ möchte Veranstalter Kurt Gutternigg auch einen Österreich-Schwerpunkt setzen. Denn in diesem Land wurden in den Siebziger-, Achtziger und Neunzigerjahren sehr viele Meilensteine gesetzt – die Austrian Rallye Legends blickt zurück auf drei atemberaubende Jahrzehnte:

Werks-Käfer in der WM

„Wir machen aus jedem Käfer einen heißen Ofen!“ – ein Zitat des legendären Pauli Schwarz, gedruckt auf einem Plakat von Porsche Austria. Damals, am Beginn der Siebzigerjahre, hat man den Motorsport noch nicht verschämt unter den Teppich gekehrt, im Gegenteil: Man war stolz auf die geleistete Pionierarbeit. In der Tuning-Abteilung der in Salzburg residierenden „Porsche Konstruktionen KG“ kitzelte „Hexenmeister“ Schwarz zu der Zeit unglaubliche 125 PS aus dem Käfer, der bald schon als „Rallye-Käfer“ Furore machen sollte.

Zu dieser Zeit war Rallye in Österreich jung, faszinierend und unverbraucht, die Begeisterung von Fans und Medien schien keine Grenzen zu kennen. Volkswagen war wie heute prominent in der Weltmeisterschaft vertreten – doch die Einsätze der meist drei bis vier Werks-Käfer wurden von Österreich aus dirigiert, Porsche Austria hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, in den Werksautos saßen dann auch überwiegend Österreicher. Allen voran Günther Janger – er war der Sebastien Ogier der Käferzeit, keiner ließ den Käfer fliegen wie er. Janger konnte sich international profilieren, so stieg auch in der Heimat das Interesse für den Rallyesport immer weiter an. 1972 kürte sich Günther Janger zum Staatsmeister – vor Saisonstart prangte der VW Käfer 1302s auf dem Cover der internationalen Zeitschrift „Gute Fahrt“. Titel: „Rallye-Käfer mit 120 PS: Die Bullen kommen“.

Die weltweite Benzinkrise sorgte 1974 für eine Zäsur in der Hochblüte des Rallyesports. In Österreich wurde in diesem Jahr nur noch eine einzige Veranstaltung abgehalten, auch international fielen zahlreiche Rallyes „ins Wasser“. Als sich die Lage wieder entspannte, waren die Werks-Käfer nicht mehr im Einsatz, und auch Günther Janger wurde im Zuge eines Generationswechsels abgelöst.

Spezialist für Abkürzungen

Der neue schnelle Mann hieß Klaus Russling, er wurde 1975 Staatsmeister. Der Kärntner begeisterte die Fans mit einem Porsche, sorgte aber auch mit einer weiteren „Spezialität“ für Aufsehen: Die Sonderprüfungen waren zu dieser Zeit mitunter ellenlang. Russling galt als Spezialist darin, Abkürzungen zu finden. Der resolute Kärntner war dabei so geschickt, dass man ihm meistens keinen Regelbruch vorwerfen konnte. Einmal setzte er sich sogar vor dem Berufungsgericht der OSK durch: Russling konnte beweisen, dass die Veranstalter das Roadbook ungenau erstellt haben. Das Gericht kam zur Erkenntnis, dass der Veranstalter die Schuld trägt, nicht der spitzfindige Pilot…

Mitte der Siebzigerjahre ist dann endgültig die große Zeit des Franz Wittmann angebrochen. Der zwölffache Staatsmeister und Sieger der Neuseeland-Rallye 1987 startete 1972 mit einem Käfer – allerdings nicht mit einem Werksboliden, sondern mit dem privaten PKW seines Vaters. Im Laufe der Zeit wurde Wittmann immer stärker – zugleich Österreich immer „rallye-verrückter“. Die Fans strömten in Scharen an die Sonderprüfungen, sie wollten die wilden Männer, die Lenkradakrobaten aus nächster Nähe sehen.

Quattro-Weltpremiere in Freistadt

Der absolute Höhepunkt war sicher die Jänner-Rallye 1981. Denn dort durfte Franz Wittmann den brandneuen Audi quattro pilotieren – noch vor der WM-Premiere des legendären Fahrzeugs wenig später bei der Rallye Monte Carlo. Wittmann erinnert sich: „Ich durfte den Wagen im November testen - ein solches Auto habe ich noch nie erlebt, es war ein extremer Schritt vorwärts. Ich habe dann Ferdinand Piech angesprochen und ihn gebeten, das Auto bei der Jänner-Rallye einzusetzen. Ich habe ihm gesagt: ‚Es kann nichts schiefgehen: Wenn wir verlieren, dann verliert der Wittmann – wenn wir aber gewinnen, dann gewinnt das Auto‘. Später erhielt ich den Anruf, dass ich in Freistadt den Quattro fahren kann, ich erhielt das Auto zu mir nach Hause, dort fuhr ich mit dem Wagen in der Gegend herum, um mich daran zu gewöhnen.“

Bei der Weltpremiere des Audi quattro stand Österreich plötzlich im Zentrum des internationalen Interesses, weit mehr als 100 internationale Journalisten kamen nach Freistadt, darunter zahlreiche Fernsehteams, sie alle wollten die Premiere der neuen „Wunderwaffe“ live miterleben. In den österreichischen Tageszeitungen gab es im Vorfeld seitenlange Berichte, der Ansturm der Fans war gigantisch. Sie erlebten eine historische Jänner-Rallye – denn Wittmann, einer der Schirmherren der Austrian Rallye Legends, fuhr, als wäre er nicht von dieser Welt: „Der Wagen war wegen des gesperrten Antriebs extrem schwer zu fahren, er hatte dermaßen viele PS – zu dem Zeitpunkt hatte er zudem keine Handbremse, mit der du dich hättest retten können. Doch wir waren so was von überlegen! Wir haben sämtliche Sonderprüfungen gewonnen und am Ende hatten wir sagenhafte 20 Minuten Vorsprung.“ Die Fans erlebten eine Sternstunde des heimischen Rallyesports, vor der versammelten Weltpresse.

Über runde zehn Jahre hinweg galt Georg Fischer, der Schwager von Franz Wittmann, als dessen schärfster Konkurrent in Österreich. Fischer brachte verschiedene heute legendäre Rallyeautos an den Start, 1981 beispielsweise zündete er einen Talbot Sunbeam Lotus – mit diesem Wagen konnte er die bereits angelaufene Wittmann’sche „Titelorgie“ nach fünf Titel in Folge unterbrechen. Auch Gerhard Kalnay gehörte zu den heimischen Spitzenpiloten, welchen dieses Kunststück gelang: Gleich im Jahr darauf wurde Kalnay auf einem Opel Ascona 400 Staatsmeister. 1985 setzte sich Wilfried Wiedner auf einem Audi quattro durch, die beiden Jahre darauf konnte Georg Fischer zwei weitere Titel einheimsen.

Wittmann zündet den Integrale

In den Jahren 1987 bis 1989 brachte Franz Wittmann erneut ein legendäres Fahrzeug nach Österreich: einen Lancia Delta HF. Mit dem Integrale wurde er 1988 und 1989 Staatsmeister. Als sich der Ramsauer 1990 seine erste Auszeit genehmigte, übernahm Ernst Harrach, ein weiterer Schirmherr der Austrian Rallye Legends, den Lancia, der von Fiat Österreich eingesetzt wurde und also ein Semi-Werksauto war. Nach Harrach wurde Christoph Dirtl im Lancia Staatsmeister. Der heimische Importeur konnte also vier Jahre hintereinander den Titel bejubeln – die Fans konnten bei den ÖM-Rallyes jenen Boliden aus nächster Nähe sehen, mit dem zuvor Miki Biasion, Markku Alen und Co um die Weltmeisterschaft kämpften.

Ein Werksauto erhielt damals auch der heutige Serienstaatsmeister Raimund Baumschlager: 1988 organisierte Dr. Helmuth Czekal einen 2er-Golf aus Deutschland, damit konnte Baumschlager auf Korsika Platz fünf belegen, eine echte Sensation. Dabei startete der Rosenauer erst spät seine Rallyekarriere – seinen ersten Erfolg erzielte er im Alter von 25 Jahren, in einer Toyota Corolla gelang ihm bei der Admont-Rallye Platz drei.

Einer, der stets seinen letzten Groschen in den Rallyesport investierte, war Kurt Göttlicher. Schon in den Achtzigerjahren versuchte er sein Glück auf verschiedenen Ford Escort-Modellen – doch erst 1994 konnte sich der zweifache Vize-Europameister auf einem Ford Escort Cosworth in einer dramatischen Saison gegen Willi Stengg junior durchsetzen, der im Jahr darauf im gleichen Auto den Titel einfahren konnte.

Sperrer: „Immer von Importeuren unterstützt“

Ein weiterer ARL-Schirmherr ist Raphael Sperrer. In den Neunzigerjahren konnte er dreimal den Staatsmeistertitel erringen, doch schon 1988 wurde er auf einem Audi 200 quattro Staatsmeister der Gruppe N. Später, in der goldenen Ära anfangs der 2000er-Jahre, in der auch in Österreich World Rally Cars zum Einsatz kamen, krönte sich Sperrer noch zweimal zum österreichischen Champion, an seiner Seite saß mit Per Carlsson ein weiterer Schirmherr der Austrian Rallye Legends.

Raphael Sperrer sagt: „Bei meinen Projekten wurde ich immer von den Importeuren unterstützt – das wird auch heute noch in vielen Ländern so praktiziert. Es hängt halt davon ab, welche Marketinglinie die jeweiligen Importeure fahren.“

Bei der Austrian Rallye Legends wird Sperrer seinen originalen VW Golf GTI 16V pilotieren, mit dem er 1990 in der EM bei der Saturnus-Rallye den tollen zweiten Gesamtrang einfahren konnte. Sperrer kündigt an: „Wir fahren das Auto so, wie es abgestellt wurde – in der Original-Lackierung aus 1990. Bernhard Mann, der damals mit mir gefahren ist, wird auch diesmal an meiner Seite sitzen.“

Zur Mitte der Neunzigerjahre konnten sich zwei weitere bekannte Namen in der heimischen Rallyewelt etablieren: Kris Rosenberger, 1997 gemeinsam mit dem legendären Sigi Schwarz auf einer Toyota Celica GT-Four Staatsmeister – und Achim Mörtl, der 1993 einstieg und ab 1994 mit der heutigen WM-Pilotin Ilka Minor seine ersten Rallye-Sporen verdiente. 1996 wurden Mörtl und Minor im Subaru Impreza Staatsmeister der Gruppe N. 1999 wurde Mörtl gemeinsam mit Jörg Pattermann auf einem Subaru Impreza WRC Staatsmeister.

Mörtl: „Charakterköpfe statt Buben“

Achim Mörtl brachte 1999 überhaupt das erste World Rally Car bei heimischen Rallyes an den Start. Er sagt: „Dafür musste ich ein sehr hohes finanzielles Risiko eingehen – aber mit der Hilfe von Rolf Schmidt konnte ich den Wagen in Ungarn vermieten, sodass die Kosten überschaubar blieben.“

In seiner typischen, provokanten Art und Weise fügt Mörtl hinzu: „Damals saßen halt noch ganz andere Typen in den Autos. Das waren charismatische, zum Teil sehr schwierige Menschen. Heute hast du doch fast nur noch liebe Buben in den Autos sitzen. Und ganz ehrlich, auch wenn man mir es übel nehmen wird: Wir sind damals einen ganz anderen Speed gefahren. Schau dir an, wie nahe ein Raphael Sperrer, ein Manfred Stohl oder ich selbst bei internationalen Rallyes an der Spitze dran waren. Da haben oft nur wenige Zehntelsekunden gefehlt. Natürlich hat es den Fans in Österreich dann getaugt, wenn wir gefahren sind.“

Gutternigg: „Genau dieses Feeling…“

Austrian Rallye Legends-Organisator Kurt Gutternigg freut sich: „Wir wollen genau dieses Feeling wieder aufkommen lassen, das die Fans damals hatten - als diese wilden und auch schwierigen, sicher aber interessanten Charakterköpfe mit ihren bärenstarken Boliden gefahren sind.“

Gutternigg fügt hinzu: „Das ist sicher auch einer der Gründe, warum solche historischen Events derzeit einen so großen Andrang haben. Die Freunde des Rallyesports sollen die wilden Siebziger-, Achtziger- und Neunzigerjahre noch einmal erleben dürfen.“

Die Ausschreibung des Events, der als Präsentationsfahrt mit OSK Race Card abgehalten und gemeinsam mit dem MSC Rosenau organsiert wird, findet man auf der Homepage der Austrian Rallye Legends powered by ARBÖ. Dort, und auch auf der Facebook-Seite der Veranstaltung werden laufend Updates mit den neuesten Informationen vorgenommen.
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