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Rallye-WM: Interview

Künftig ausschließlich Sprintprüfungen?

Noch kürzere SP, standardisierte Routen, die Servicezone als Rummelplatz? FIA-Rallyedirektor Mahonen sorgt sich um die VIP-Gäste ...

Jarmo Mahonen (Bild oben) sieht die Zeiten, in denen die Rallye-WM noch Ausdaueraspekte beinhaltete, als ein für allemal beendet an; in Zukunft seien kürzere Sonderprüfungen und häufigere Abstecher in die Servicezone gefragt. Dem finnischen Rallyedirektor der FIA schwebt ein standardisiertes Veranstaltungsformat vor, bei dem das Mittagsservice stets zwei Schleifen mit Prüfungen trennt, von denen keine länger als zehn Kilometer sein soll.

"Es tut mir leid das zu sagen, aber wie lange sollen wir noch zulassen, dass uns Veranstaltungen wie die britische das Format diktieren?", so Mahonen. "In Wales hatten wir einen Tag mit 140 Kilometern, an dem es lange kein Service gab – und am ersten Tag gab es gar kein Service. Wir haben den Organisatoren den Freiraum gegeben, die Stärken ihrer jeweiligen Rallyes auszuspielen, aber ich muss feststellen, dass dieser Versuch gescheitert ist. Mal funktioniert es, oft aber auch nicht. Deshalb müssen wir die Rallyes vereinheitlichen", behauptet der Finne.

Diese Standardisierung hätte zur Folge, dass lange Sonderprüfungen wie die Panzerplatte in Deutschland oder gar der über 80 Kilometer lange Abschnitt bei der Mexiko-Rallye 2016 endgültig der Vergangenheit angehörten. "Meiner persönlichen Meinung nach sollte man mehr Prüfungen mit einer Länge von zehn Kilometern haben", sagt Mahonen, "dann hat man viele Prüfungen, die dementsprechend viele Neuigkeiten für die Sozialen Netzwerke generieren. Wir haben über die 80-Kilometer-Prüfung in Mexiko im vergangenen Jahr gesprochen, aber was ist denn auf dieser Prüfung passiert? Nichts – die Leute haben abgeschaltet, weil sie gelangweilt waren."

"Es gibt Argumente für und gegen lange Prüfungen. Es gibt Leute, die immer noch der Meinung sind, dass wir 1000 Kilometer auf Zeit brauchen", so der Finne weiter. "Ich aber bin der Meinung, dass sich der Rallyesport weiterentwickelt hat und wir nicht zu den alten Zeiten zurückkehren können. Der Rallyesport von damals existiert nicht mehr. Heute ist es Rennsport auf Schotter. Wenn Du auf der ersten Prüfung zehn Sekunden verlierst, ist es vorbei. Die Tage, an denen man denken konnte: 'Am zweiten Tag greife ich an!', sind gelaufen. Auch die Autos sind nicht mehr für die Langstrecke gebaut."

Auch Reifenwechselzonen wie am ersten Tag der Wales Rally GB oder ein sogenanntes "Remote Service" draußen an den Strecken gefällt Mahonen nicht; vielmehr sollte öfter die Servicezone aufgesucht werden. "Ich bin kein Freund des Remote Service. Wir organisieren die Meisterschaft vor allem für die Hersteller. Die investieren Millionen in ihre Gästelounges – und dann fahren die Autos am Morgen weg und kommen erst am Abend wieder zurück. Was soll man da mit den Gästen machen?", sorgt sich der FIA-Mann vor allem um die Bel Étage unter den Rallyefans.

"Moderne Rallyes sollten kompakt sein und ein Herzstück haben. Dieses Herz schlägt in der Servicezine, wo Unterhaltung geboten ist", so Mahonen. Auch die Länge der Verbindungsetappen stößt ihm sauer auf, abermals führt er Großbritannien als abschreckendes Beispiel an. Dort waren in diesem Jahr keine 21 Prozent der insgesamt 1.483 Kilometer langen Route Sonderprüfungen – für Mahonen zu wenig: "Die Sonderprüfungen sollten 25 Prozent der Gesamtroute ausmachen. Bei einigen Veranstaltungen nähern wir uns aber 20 Prozent an. In Großbritannien und Schweden ist das kein Rallysport mehr, sondern eine Spazierfahrt."

Diese Kritik kann Andrew Kellit, Streckenchef der Wales Rally GB, bei Motorsport News nur zum Teil nachvollziehen. "Ich verstehe Jarmos Sichtweise, aber das Problem ist, dass uns entsprechender Platz in der richtigen Gegend fehlt. Wir wollten die Rallye nach Builth Wells verlegen, wo wir näher an den Prüfungen wären, und der Anteil der SP-Kilometer damit angestiegen wäre. Dort leben aber nur wenige Menschen, und die Teams wollten nicht dorthin."

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