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ORM: Wechselland-Rallye

Verbales „Säbelrasseln“ vor dem Start

Wie schon im Lavanttal mussten die ORM-Asse eine „Last Minute“-Entscheidung treffen. In der 2WD entspannten sich Achim Mörtl und Co mit verbalen Sticheleien…

Michael Noir Trawniczek

„Nicht umsonst heißt es Wechselland“, lacht Andreas Schindlbacher, der Co-Pilot von Beppo Harrach. Die Bedingungen können im steirischen Bezirk Hartberg nicht nur von einem Moment auf den anderen wechseln, mitunter fährt man durch strömenden Regen, um kurzerhand im strahlenden Sonnenschein zu landen. Zwei Stunden vor dem Start der Wechselland-Rallye blicken die ORM-Protagonisten immer wieder gen Himmel, mit dem Wissen, dass es letztendlich wie schon im Lavanttal eine „Last Minute“-Entscheidung zu fällen gibt.

Bei einem ziemlich offenen Reifenreglement haben die Piloten die „Qual der Wahl“. Trockenreifen in verschiedenen Mischungen, von hart bis butterweich, Intermediate- und Regenreifen, sie alle können von Hand aus nachgeschnitten werden…

Schindlbacher sagt: „Regen wäre für Beppo und mich sehr gut – so oder so wollen wir auf alle Fälle um den Sieg fighten.“ Im Lavanttal griff Skoda Fabia S2000-Pilot Raimund Baumschlager gleich im ersten Durchgang zu den falschen Reifen, während Harrach in seinem Mitsubishi Lancer Evo IX bei den schwierigen Konditionen über sich hinaus wuchs und so seinen ersten Sieg seit Admont 2012 feiern konnte.

Für Harrach und das Ditech Rallye Team war es eine Erlösung: „Es gab keine Nächte, wo wir nicht überlegt und gegrübelt haben – Andi hat nach seinen Rückenproblemen sein Leben bedingungslos darauf ausgelegt, ins Rallyeauto zurückzukehren. Ich zeige normalerweise nicht so viel von meiner privaten Seite, aber in diesem Moment hat man halt gesehen, mit wie viel Herzblut wir an die Sache herangehen.“

Im Wechselland beginnen alle wieder bei null. Es muss die richtige Reifenentscheidung getroffen werden – Harrach sagt: „Mit den Jahren entwickelt man ein Gefühl dafür, wie sich das Wetter hier entwickelt.“ Zudem positionieren die großen Teams auch Leute an der Strecke und kooperieren mit Meteo-Stationen. Beppo sagt augenzwinkernd: „Ich hoffe, dass Raimund wieder auf die gleiche Station wie im Lavanttal setzt…“

Baumschlager erklärte vor dem Start der Rallye: „Es geht anscheinend nahtlos so weiter, wie es im Lavanttal aufgehört hat. Wir können nur abwarten, raten und hoffen, dass wir richtig liegen, es ist wirklich verrückt. Heute Vormittag hat am langen Rundkurs auf der einen Hälfte die Sonne gescheint, auf der anderen Hälfte gab’s Wolkenbruch und Weltuntergangsstimmung. Wir hoffen auf’s Glück…“

Hinter den beiden Siegduellanten kämpfen wieder Gerwald Grössing und Kris Rosenberger um Platz drei. Der Volkswagen-Pilot schätzt die Lage folgendermaßen ein: „Die Prüfungen hier scheinen gut für unser Auto zu sein – ausgenommen die Topspeedpassagen.“ Der Hintergrund: „Wir versuchen, das Drehmoment-Manko gegenüber dem Mitsubishi-Turbo mit einer kürzeren Übersetzung auszugleichen. Doch das kostet Topspeed – auf den Highspeedpassagen fahren wir 170 km/h, die anderen fahren dort 200.“ Trotzdem bliebt Rosenberger optimistisch und erklärt kämpferisch: „Das Podium bleibt auch hier unser Ziel!“

„Ich hasse es, zu verlieren!“

In der 2WD könnte ein spannender Vierkampf ins Hause stehen: Die beiden Jaga Motorsport Citroen DS3 R3 von Achim Mörtl und Peter Ebner treffen auf die beiden Suzuki Swift S1600 von Michael Böhm und dem einmalig zurückgekehrten regierenden Staatsmeister und rasenden Teamchef Max Zellhofer.

Schon im Vorfeld wird der Fight in der Zweiradklasse von den Protagonisten verbal gehörig gewürzt. Jaga-Teamchef Hannes Jagarinec sagt mit todernster Miene: „Wir wollen die Plätze eins und zwei – denn sonst bin ich grantig! Aber meine Piloten dürfen fei fahren!“ Ebner lacht: „Wir haben diesmal genügend Felgen dabei – wettermäßig haben wir hier wieder die gleiche Lotterie wie in Kärnten. Meine Strategie lautet: Angriff, von Beginn an. Wobei: Erzwingen kann man ohnehin nichts.“

Stallkollege Achim Mörtl gibt sich betont selbstbewusst: „Die Rallye liegt mir, ich war hier 1996 und 1997 schon erfolgreich unterwegs. Ich orientiere mich an der 2WD – ich fahre, was ich fahren muss. Im Lavanttal war ich einfach nicht cool, habe mich von der Emotion leiten lassen.“ Mörtl ist überzeugt davon, dass nur der Sieg in der 2WD das Ziel sein kann: „Wenn du dir die SP-Zeiten ansiehst, ist es eindeutig.“ Die Verlockung sei jedoch, mehr als das erreichen, die Allradler „kitzeln“ zu wollen. „Ja, das ist ein Zwiespalt“, gibt er offen zu. Außerdem habe er im Lavanttal am zweiten Tag den selbstverschuldeten Rückstand auf nur einer Sonderprüfung aufholen wollen: „Da habe ich mir zu wenig Zeit gegeben.“ Schließlich platzt es aus ihm heraus: „Ich will einfach der Beste sein! Ich hasse es, zu verlieren!“

Doch Achim Mörtl ist nicht der einzige, der solchermaßen denkt. Michael Böhm rechnet vor: „Von den Zeiten her hat man im Lavanttal gesehen, dass der Sieg möglich ist.“ Teamchef und Stallkollege Zellhofer sagt süffisant und mit nicht ganz ernster Miene: „Wir haben hier zwei Autos mit ausreichend Felgen im Einsatz, ein drittes Auto, den Ersatzwagen haben wir eben erst von den Azoren einfliegen lassen…“

Es ist angerichtet – nach dem verbalen „Säbelrasseln“ wird ab sofort auf der Piste gekämpft, die Wolken über Hartberg sind dunkel, doch das ändert sich mit jeder Minute…

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