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Autonomer Autobus

Linieneinsatz in Amsterdam: Der Future Bus von Mercedes fährt auf separaten Busspuren autonom. Der Fahrer überwacht lediglich die Sache.

mid/tschak

Die S-Klasse-Limousine kann es, ein Truck war schon im Autopilot unterwegs und jetzt folgt ein Stadtbus: Daimler öffnet die Pforten zur schönen neuen Autobus-Welt.

Der "Future Bus" ist ein spektakulärer Technologieträger im passenden Gewand. Die verwegene Optik mit vielen Lichteffekten soll auch auf der IAA Nutzfahrzeuge im Herbst 2016 die Blicke fangen.

Der von einem automatischen City-Piloten gesteuerte Stadtbus soll alles besser können, mehr Komfort bieten, effizienter fahren und viel sicherer durch den Verkehr rollen. Bemüht wird das gesamte Szenario, vom städtischen Verkehrs-Chaos bis zur Feinstaub-Diskussion, die Lösung wird auch gleich angeboten: Konnektivität und autonomes Fahren.

Der Stadtbus der Zukunft soll autonom fahren, vorerst darf er das aber nur auf separaten Busspuren. Die Fähigkeiten dazu steuert der "City-Pilot" bei, der auf dem System "Highway-Pilot" basiert. Der erkennt Ampeln und kommuniziert sogar mit ihnen, identifiziert Hindernisse und bremst selbstständig ab. Er fährt mit Fahrspurerkennung, durchquert mit Präzision enge Tunnels und rollt exakt in die Haltestellen, wo er automatisch die Türen öffnet.

Der Future Bus fährt GPS-gesteuert. Ein knappes Dutzend Kameras scannt Fahrbahn und Umgebung, Fern - und Nahbereichsradar tasten ständig die vorausliegende Strecke ab. Das Wichtigste dabei: Per Datenfusion - alle Daten werden in Bruchteilen von Sekunden miteinander abgeglichen - entsteht ein genaues Bild.

Und das mit einer Schnelligkeit und Präzision, die kein Fahrer gewährleisten kann. "Ein Beitrag zu mehr Sicherheit", argumentieren die Daimler-Techniker, "und zu mehr Effizienz". Denn Fehlbedienungen des Fahrpersonals sind ausgeschlossen, auch emotionale Einflüsse. Aber noch soll es ohne Fahrer nicht gehen.

Bei aller Euphorie bleiben die Stuttgarter auf dem Teppich. Sie sprechen ausdrücklich vom "teilautonomen" Fahren, in die Tesla-Falle tappen sie nicht. Allerdings: Der Fahrer hinter dem Steuer nimmt die Hände vom Lenkrad und die Füße von den Pedalen.

Aber er überwacht mit Argus-Augen die Fahrstrecke und zumindest vorläufig noch alle Systeme. Bei der automatischen Anfahrt an die Haltestelle ruckt es noch ein wenig, der Abstand zur Bordsteinkante beträgt 15 Zentimeter, hier gibt es noch Luft nach oben. Aber der Randstein wird nicht mehr touchiert, die teuren Reifen werden geschont.

Dann ist es Zeit für einen Rundblick im Innenraum, schließlich soll der Future Bus ja eine neue Dimension des Busfahrens einläuten. Die Fahrgastzelle präsentiert sich stylisch und lichttechnisch raffiniert, aber leider mit wenigen Sitzplätzen und noch weniger Haltestangen.

Raumökonomie sieht anders aus: Vorn beim Fahrer ist der Service-Bereich positioniert, die Stehplatzinsel in der Fahrzeugmitte mit den zwei Doppeltüren heißt Express-Zone, die "Lounge" im Heck wird für längere Aufenthalte an Bord aufgesucht.

Aus der Haltestelle beschleunigt der Future Bus betont sanft, um die stehenden Fahrgäste nicht beim "Surfen" zu stören. Für die regulären Linienbusse um uns geht es zu langsam. Sie überholen eilig, um ihren Fahrplan einzuhalten - in der Realität sieht manches anders aus.

Wann die Stadtbusse autonom fahren werden, steht noch in den Sternen. Hartmut Schick, der Omnibuschef bei Daimler, sieht seinen Future Bus ganz pragmatisch: "Unser Technologieträger zeigt, was heute möglich ist."

Dass fahrerlose Autobusse kreuz und quer durch die Innenstädte rollen, bleibt nach wie vor Zukunftsmusik. Die eine oder andere Innovation, so sieht es Schick, wird aber schon bald Eingang in den Serieneinsatz finden.

Da hätten wir schon einen Wunsch: Wie wäre es zuerst mit einem Abbiege-Assistenten für Stadtbusse? Der könnte wirklich Leben retten, bei den Lkw-Kollegen im Konzern gibt es ihn bereits.

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