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Giftspritze

Kleiner Skorpion mit ganz viel Gift: Der Abarth 695 biposto ist die Straßenvariante des 695 Assetto Corse mit aufwändiger Rennsport-Technik.

Michel Specht/mid

Fiats Tuning-Tochter Abarth schickt ihren Rennwagen 695 Assetto Corse jetzt in ziviler Version auf die Straße: als 695 biposto. Mit 140 kW/190 PS ist der kleine Zweisitzer das stärkste Modell in der 50-jährigen Firmengeschichte.

Auch der Preis hat es in sich: 44.000 Euro lautet der Österreich-Tarif (39.900 Euro in Deutschland). Wer diesen für überzogen hält, dem sei gesagt: Die erste Jahresproduktion ist ausverkauft.

Macht die Rennsemmel fit für die Straße! So oder so ähnlich muss der Auftrag an die Entwickler bei Abarth gelautet haben, als es darum ging, das Projekt 695 biposto (zu deutsch: Zweisitzer) auf die Räder zu stellen.

Was dabei heraus kam, ist italienische Tuningkunst alter Schule und zeigt einmal mehr, wie viel Benzin im Blut Fiats berühmte Tochter mit dem Skorpion als Markenemblem hat. Erst recht zum 50-jährigen Firmenjubiläum. Da gibt man sich besonders viel Mühe.

So stecken unter der Haube des Cinquecento nicht nur stramme 190 PS, sondern das Wägelchen ist mit 997 Kilogramm auch ein Leichtgewicht und nicht zuletzt dadurch unverschämte 230 km/h schnell. Nie zuvor in der Geschichte von Abarth gab es ein heißeres Serien-Modell. "Wir liefern im Segment die beste Performance", sagt Entwicklungsdirektor Stefano Zanone.

Hierfür bekam der Abarth 695 biposto alles mit, was gut und teuer ist. Dazu gehören ein sportlicher Karosserie-Kit mit Kotflügelverbreiterungen, ein aktiv steuerbarer Sound für die Auspuffanlage und ein in der Höhe einstellbares Sportfahrwerk. Die Bremsen kommen natürlich von Brembo, die Leichtmetallräder liefert - auch hier typisch italienischer Sportwagen - OZ.

Klar, dass der Innenraum halten muss, was außen versprochen wird. Bei den Rennsportsitzen und Vierpunkt-Hosenträgergurten vertraut Abarth auf Sabelt. Cooles Pistenfeeling sollen spartanische Dinge wie Türschlaufen, Ablagenetze und nacktes Aluminium am Boden liefern.

Und schließlich kann der biposto-Käufer seinen Namen sogar auf eine Plakette an der Mittelkonsole gravieren lassen. Ein Hauch von Individualisierung, denn der 695 biposto kommt nur in einer einzigen Farbe: Performance Grau.

Zwar betont Abarth, dass seine Rennsemmel auch für den Alltag geschaffen ist, doch bedarf es schon einer gewissen Leidensfähigkeit, sich stets erneut in die tiefen Sitze zu drücken und mit einem vergleichsweise harten Fahrwerk Kanaldeckeln den Kampf anzusagen. Deutlich wohler fühlt man sich mit dem kleinen Italiener auf abgesperrter Piste.

Noch dazu, wenn der Besitzer sich das klauengeschaltete Fünfgang-Rennsportgetriebe, genannt "Dog-Box," gegönnt hat. Hier fehlen die sonst üblichen Synchronringe und erlauben ultraschnelles Hochschalten. Das Gestänge liegt offen, der lange Knüppel ragt senkrecht empor. Eine technische Augenweide. Cooler geht's nimmer.

Alles zusammen verdichtet sich zu einem Fahrerlebnis, wie es kein anderes Serienauto in diesem Segment bieten kann. Der biposto fegt in bester Rennmanier durch die Kurvenkombinationen. Sein 1,4-Liter-Vierzylinder - der gleiche wie in der Formel 4 - reagiert spontan aufs Gas, schickt maximal 250 Newtonmeter Drehmoment ins Getriebe und spurtet in 5,9 Sekunden von null auf Tempo 100. Dazu weht dem Fahrer ein Sound um die Ohren, dass er glaubt, er mische in der Tourenwagen-Meisterschaft mit.

Abarth wäre nicht Abarth, gäbe es nicht noch ein Sahnehäubchen obendrauf. Rennfreaks sind Puristen und lieben spezielle Umbausätze, mit denen sich zumindest gefühlt noch ein paar Zehntelsekunden herausholen lassen.

Im Kit "Racing Windows" sind die vorderen Seitenscheiben aus leichtem Polycarbonat und haben statt der Fensterheber Schiebeöffnungen. Kein anderes Serienauto bietet dies. Andere Kits heißen "Innesti Frontal" (Sperrdifferenzial, Rennkupplung, leichteres Schwungrad) oder "Pista" (Carbon-Sitze, Datenaufzeichnungsgerät und biposto-Helm).

Billig ist der Spaß nicht. Schon der Grundpreis von 44.000 Euro lässt normale Autofahrer ungläubig staunen. Für die genannten Tuningkits verlangt Abarth 17.500 Euro. Wem noch der Sinn nach Carbon- und Titan-Optik steht, darf weitere 9.000 Euro addieren und kommt schließlich auf knapp über 70.000 Euro.

Die meisten der jährlich etwa nur 350 gebauten Abarth 695 biposto dürften damit wohl die Garagen gut situierter Rennsportfreaks bereichern und als weiteres Männerspielzeug neben Porsche GT3 oder Ferrari 458 Speciale parken. Wenn sie nicht sogar zum Spekulationsobjekt werden.

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