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Volkswagen baut den Crafter wieder selbst - mit mehr Volumen, mehr Nutzlast, mehr Leistung. Stärkste Seite sind aber die Fahreigenschaften.

mid/wot

Mit seinem Premieren-Auftritt zur IAA Nutzfahrzeuge im September 2016 hat der neue Crafter die Experten-Neugier geweckt. Und wenn man Eckhart Scholz, den CEO von VW Nutzfahrzeuge hört, spricht er gern und immer wieder von den "fabelhaften" Fahreigenschaften seines neuesten Produkts.

Da ist es logisch, dass schon bald nach der IAA ein Fahrerlebnis folgen muss. Zwar stehen noch keine Hecktriebler zur Verfügung, aber immerhin frontgetriebene Kastenwagen und Doppelkabiner mit Pritsche, die in drei Leistungsklassen motorisiert an den Start gehen.

Der Crafter ist jetzt klar als VW-Produkt auszumachen, er tritt selbstbewusst als der große Bruder an die Seite des erfolgreichen VW-Transporters T6. Breitspurig, aber nicht großspurig steht er auf der Straße. Und wenn man einsteigt, schließt die Fahrertür mit einem satten Plopp, ein Geräusch, das vorauseilend Qualität verspricht.

Man kennt sich auch sofort aus, ganz ohne Einweisung und ohne Betriebsanleitung. Prima Sitze, gut einsehbare Armaturen, auch die Spiegel sind einwandfrei und groß genug. Höchste Zeit, den Zündschlüssel zu drehen: Der Dieselmotor springt sofort an und fällt in einen flüsterleisen Gleichlauf.

Ein Universalmotor, ein Dieselvierzylinder mit zwei Liter Hubraum befeuert die Crafter-Baureihe. Für den Nahverkehr empfiehlt VW die Leistungseinstellung mit 75 Kilowatt oder 102 PS. Kein überschäumendes Temperament, aber durchaus genug für Handwerker, die mit Material, Werkzeug und Mannschaft zur Baustelle fahren.

Der kompakte TDI entwickelt schon bei moderaten 1.400 Touren 300 Newtonmeter Drehmoment, er kennt keine Anfahrschwäche. Damit schafft der Crafter 140 Sachen auf der Autobahn, auch wenn er etwas Anlauf braucht. Nur schade, dass der Einstiegsmotor nicht mit Automatikgetriebe kombinierbar ist, damit wäre er ein perfekter Nahverkehrsgleiter.

Fühlbar stärker tritt der Zweiliter-TDI mit 103 kW/140 PS an. Für ihn werden sich wohl die meisten Kunden entscheiden. Mit 340 Newtonmeter Drehmoment ab 1.600 Umdrehungen reicht die Zugkraft für schwere Transportaufgaben, der Crafter darf damit bis zu 3 Tonnen schwere Anhänger ziehen.

Und wer es eilig hat, beschleunigt seinen 3,5-Tonner auf 162 km/h. Der EA 288 "Nutz", so heißt der Motor im VW-Jargon, bleibt unter allen Betriebsumständen dezent leise - und zwar innen und außen.

Wer schwer und auf Langstrecken transportiert, wird mit der stärksten Crafter-Maschine bestens bedient. Als Hardware dient noch immer der EA 288 Nutz, aber in diesem Fall wird er von einem Bi-Turbo beatmet.

Mit 130 kW177 PS zählt er zu den stärksten Vertretern der Transporterliga, und wenn er könnte wie er wollte, würde der Crafter damit locker 180 km/h erreichen. Aber hier schieben die VW-Techniker einen Riegel vor, der stärkste Crafter darf nicht schneller als mit 165 km/h über die (deutsche) Autobahn eilen.

Und wer das Geld für so viel Leistung ausgibt, spart auch bei der Getriebefrage nicht. Optional kann man für seinen Crafter-Fronttriebler ein Automatikgetriebe mit acht Gängen ordern, das vom japanischen Getriebeausrüster Aisin geliefert wird.

Es übersetzt die Motorleistung mit zwei Gängen mehr auch feiner, mit ein paar Zehntelliter weniger Dieselkraftstoff darf man kalkulieren - hört man jedenfalls von VW Nutzfahrzeuge. Einziger Makel: Es schaltet noch etwas hektisch und lässt das stattliche Drehmoment zu wenig walten.

Die 3,5-Tonner sind alle ordentlich motorisiert, an der Auslegung der Driveline gibt es nichts auszusetzen. Und noch weniger an der Straßenlage - die Crafter-Fronttriebler zeigen auch hier keine Schwächen.

Mit der neuen elektro-mechanischen Lenkung lässt sich der Großtransporter zielsicher dirigieren, ob im engen Kurvenslalom oder bei schneller Fahrt auf der Autobahn. Der Kraftaufwand fürs Fahrpersonal ist minimiert, und dennoch fühlt der Crafter-Pilot die Fahrbahn.

Und wenn der Seitenwind kräftig in die Transporterflanke bläst, hält der aktive Spurhalteassistent im Verein mit Einzelradbremsungen dagegen. Die VW-Techniker bringen im neuen Crafter eine ganze Palette an Assistenzsystemen in Stellung, die ihn momentan wohl zum sichersten Transporter seiner Klasse machen.

Sogar eine Multikollisionsbremse ist an Bord, ihre Sensorik erfasst den Unfall und bringt auch dann, wenn der Fahrer nicht mehr kann, das Fahrzeug zum Stehen.

Natürlich darf der neue Crafter auch bei den klassischen Transporter-Tugenden nicht patzen. Geht es um Laderaumlängen oder Ladevolumen, schlägt der neue Crafter seinen Vorgänger deutlich.

Bis zu 18,4 Kubikmeter sind möglich und eine maximale Laderaumhöhe von 2.196 Millimeter. Bis zu 1.400 Kilogramm Nutzlast kann ein gewichtsoptimierter Crafter legal stemmen, hier kommt es auf die passende Konfiguration an.

Der Crafter ist in mindestens sechs Grundvarianten verfügbar, die meisten aber noch nicht vom Verkaufsstart im Frühjahr 2017 weg. Etwas Aufmerksamkeit sollte man auch den vielfältigen Staumöglichkeiten in der Kabine schenken.

Der breiten Ablage auf dem Armaturenträger oder dem Zollstockfach neben dem Schalthebel - es gibt Staufächer für Warnwesten und Köcher für große Wasserflaschen. Und man könnte vermutlich noch viele Seiten des VW Crafter entdecken, dafür bleibt auf der ersten Proberunde aber zu wenig Zeit. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben ...

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