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VW Polo TGI (Erdgas) - erster Test VW Polo TGI 2017

Nachhaltig sparen

Mit dem Polo TGI lässt Volkswagen einen Erdgas-Sparfuchs auf die Straße, der Elektromobilitäts-Jüngern den Wind aus den Segeln nehmen soll.

mid/som; Fotos: mid/som (3), VW (2)

Mit dem Polo TGI lässt Volkswagen einen Sparfuchs auf die Straße, der den Elektromobilitäts-Jüngern ein wenig den Wind aus den Segeln nehmen soll. So schön lautloses und lokal emissionsfreies Autofahren auch ist. Der gesamte benötigte Treibstoff der Zukunft muss sich vor allem nachhaltig produzieren lassen - und CNG (Compressed Natural Gas, oder auch komprimiertes Erdgas) ist solch ein Treibstoff.

VW erzeugt nämlich in Deutschland künstliches Erdgas (E-Gas). Man hat mit dem Energieversorger EWE einen Vertrag geschlossen, wonach der errechnete Verbrauch sämtlicher verkaufter Erdgasfahrzeuge von VW (bzw. auch Audi, Seat und Skoda) von der VW-eigenen E-Gas-Anlage ins EWE-Netz eingespeist wird. Der dafür nötige Strom kommt selbstverständlich aus Wasser- oder Windkraft.

CNG wird innerhalb des 1,0 Liter großen VW Polo TGI-Dreizylindermotors in 66 kW/90 PS Leistung umgewandelt. Das lässt sich Volkswagen mit 20.990 Euro (Deutschland: 19.800 Euro) allerdings relativ teuer bezahlen, der Aufpreis zum reinen Benziner (70 kW/95 PS) in gleicher Comfortline-Ausstattung beträgt 2.900 Euro. Ein Vorteil, den CNG seinem umweltbewussten Fahrer auf dem Papier bietet, ist neben Umweltfreundlichkeit und preisgünstigerem Tanken auch eine saubere und damit auch etwas leisere Verbrennung. Wer jedoch während der Fahrt einen Unterschied zwischen dem Dreizylinder-Dröhnen im Benzin und dem im CNG-Betrieb tatsächlich heraushören kann, sollte auf eine Neuauflage von "Wetten, dass..?" hoffen, er wäre ein potenzieller Kandidat.

 VW Polo beats 2017

Lange Rede, kurzer Sinn: Es gibt keinen wahrnehmbaren Unterschied. Was wiederum, und das ist natürlich das Erfreuliche an der ganzen Sache, auch für das restliche Fahrverhalten gilt. So lässt sich mit der leichtgängigen Fünfgang-Schaltung und der ebenso bedienerfreundlichen simplen Lenkung im Stadtverkehr locker mitschwimmen, auf der Autobahn mit bis zu 183 Kilometer pro Stunde auch mal die linke Spur nutzen und dank des 4,05 Meter kurzen Metallkleides auch in kleinere Parklücken navigieren.

Für die große Navigationskunde steht das 20,3 Zentimeter im Durchmesser große Touchscreen-Infotainmentsystem im edlen Design parat. Die Sitze bieten zudem auch großgewachsenen Piloten ausreichend Kopf- und Beinfreiheit, sowohl vorn als auch auf der Dreiersitzbank im Fond. Am komfortabelsten wird dort hinten in der zweiten Reihe natürlich zu zweit gereist. Werden selbst die beiden äußeren Sitzplätze im Fond nicht benötigt, lässt sich der Kofferraum von 251 auf 1.025 Liter erweitern (Benzin/Diesel-Polo: 351-1.125 Liter).

Einer der größten, wenngleich auch der augenscheinlichste Unterschied zwischen dem VW Polo TGI und seinen konservativen Brüdern liegt hinter der Tankklappe verborgen.

Hier bieten sich zwei Auffülloptionen: Benzin und CNG. Damit nicht irgendwann weder der eine noch der andere Tank unerwartet leergesaugt ist, dafür sorgt im Armaturenbrett der zweite große Unterschied zwischen Benzinern und CNGlern: Die Tankanzeige für beide Tanks.

Wer jetzt einen Schalter zum Hin- und Herschalten zwischen beiden Treibstoffsorten sucht, der kann jetzt damit aufhören, denn es gibt keinen. "Wenn CNG drin ist, dann fahren wir mit CNG", muss sich der Fahrer einfach merken.

Der findige Millimeter-Fuchs weiß aber natürlich, dass es auch bei einem VW Polo TGI zwei Szenarien gibt, in denen dieser Merksatz kurz mal außer Kraft gesetzt wird: Direkt nach einem Tankvorgang werden 140 Milliliter Benzin in die Brennkammern gespritzt, um, einfach formuliert, die Gänge für das Gas freizublasen.

Und: Bei Temperaturen unterhalb von minus zehn Grad Celsius startet der Wolfsburger im Benzinmodus. Sobald der Motor auf Temperatur ist, wird automatisch wieder auf CNG gefahren. Dabei verbraucht der 1.260 Kilogramm schwere VW Polo TGI im Erdgasbetrieb 3,1 Kilogramm und im Benzinbetrieb 4,8 Liter auf 100 Kilometern.

Vor allem die Gewichtsdifferenz in puncto CO2-Ausstoß liest sich überzeugend: 85 Gramm, wenn Erdgas und bis zu 112 Gramm, wenn Benzin verbrannt wird, emittiert der 160 Newtonmeter starke Polo. Für Flottenbesitzer, die ihren klimaerwärmenden CO2-Abdruck auf unserem Planeten verkleinern wollen, eine durchaus ernstzunehmende Alternative.

Und: Um denselben Energiegehalt zu erhalten, wie er in einem Liter Benzin steckt, muss ein CNG-Kunde nur knapp die Hälfte bezahlen. Zugleich setzt Erdgas bei seiner Verbrennung im Motor nicht nur 25 Prozent weniger CO2 frei als herkömmliches Benzin (bei künstlich erzeugtem E-Gas ist es de facto null CO2, weil bei der Verbrennung nur jene Menge freigesetzt wird, die vorher bei der Erzeugung der Atmosphäre entnommen wurde). Außerdem verbrennt CNG sauberer als Benzin und Diesel - praktisch feinstaubfrei und mit deutlich geringeren Stickoxid-Anteilen.

Fünftüriger, fünfsitziger Kleinwagen, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Millimetern: 4.053/1.964/1.461/2.551, Leergewicht 1.260 kg, Kofferraumvolumen: 251 bis 1.025 l, Wendekreis: 10,6 Meter, Tankinhalt: 40 Liter.
Motor: Dreizylinder-Benziner, Hubraum: 999 ccm, Leistung: 66 kW/90 PS, max. Drehmoment: 160 Nm bei 1.800 - 3.800 U/min, Höchstgeschwindigkeit: 183 km/h, 0 bis 100 km/h: 11,9 s, Normverbrauch: 4,8 l/100 km / 3,1 kg CNG/100 km, CO2-Ausstoß: 85 (Erdgas) - 112 (Benzin) g/km, Fünfgang-Schaltgetriebe, Frontantrieb.
Österreich-Preis: ab 20.990 Euro (Deutschland: ab 19.800 Euro).

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