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Kraftvolles Duo

Alfa Romeo präsentiert das Facelift von Giulia und Stelvio. Doch es gibt kaum eines, die Neuerungen finden sich alle unter dem Blech. Erster Test.

mid/brie

Der erwartete "Aha"-Effekt bezüglich des Facelifts von Alfa Romeo Giulia und Alfa Romeo Stelvio stellt sich erst beim Platznehmen in den Gefährten ein: Lenkrad, Schalthebel, Instrumente, Armaturenbrett und Mittelkonsole bündeln die Aufmerksamkeit mit frischer Konfektion - ein Hinweis darauf, dass die inneren Werte neu definiert wurden.

Den Fokus legt Alfa auf Interieur, Infotainment-System und Assistenzsysteme für das autonome Fahren nach Level 2. Nach dem Motto: "Was andere können, können wir auch", baut Alfa in Giulia und Stelvio künftig Verkehrszeichenerkennung, aktiven Spurhalte- und Totwinkel-Assistent, Active Cruise-Control und Stau-, Müdigkeits- sowie Autobahn-Assistent ein.

Um diesen Sprung zu begreifen, muss man wissen, dass die treuen Alfisti, von denen die Marke bis heute lebt, überwiegend Puristen sind, die vom autonomen Fahren wenig wissen wollen. Dass Alfa den Schritt trotzdem wagt, hat zwei Gründe: Erstens will man nicht den Anschluss an die Konkurrenz verlieren, zweitens sollen neue Kundenkreise von den Modellen begeistert werden, zum Beispiel mehr Frauen.

Um die hundertprozentigen Alfisti unter den Kunden nicht zu verärgern, beeilt sich das Marketing mit dem dezenten Hinweis, dass alle Systeme auch abschaltbar seien. Aber schließlich freut sich auch ein Vollblutautofahrer darüber, wenn ihm elektronische Assistenten beim tristen Dahingleiten im dichten Verkehr und im Stau monotone Arbeit abnehmen oder die Nerven schonen. Zudem sind auch echte Alfisti davon angetan, dass sie den Motor über einen im formvollendeten Lenkrad integrierten Knopf per Daumendruck starten und einige Funktionen wesentlich einfacher über den Dreh-Drück-Knopf à la BMW-iDrive-Controller auf der Mittelkonsole anwählen können.

Das Infotainment-System meldet sich nun über ein neues und konfigurierbares TFT-Display (7 Zoll) direkt vor den Augen des Fahrers und über ein großzügiges 8,8-Zoll Multitouch-Display in Armaturenbrettmitte zu Wort. Es lässt sich intuitiver als bisher bedienen, wenngleich einige Symbolfenster die absolute Klarheit für den dahinter stehenden Modus vermissen lassen.

Lang ist die Liste der "Connected Services": My Assistant (Notruf, Pannendienst), My Remote (Fernzugriff, Ortung, Geschwindigkeitsvorgabe), My Theft (Alarm bei Diebstahl), My WiFi (Mobiler Hotspot), My Car (Betriebsdaten), My Navigation (Parkplatzfinder, POI, Live Traffic) und My Fleet Manager (eine Funktion, mit der Carsharing in der Familie oder im Freundeskreis organisiert wird).

Zu den bisherigen Ausstattungsvarianten kommen die Versionen Sprint, TI und Veloce (Stelvio) hinzu. Wer die klangvolle italienische Sprache liebt, wird beim Lesen der Namen für die neuen Farben mit der Zunge schnalzen: nicht einfach rot, weiß oder blau sondern Verde Visconti, Perla Lunare und Blue Anodizzato.

Vom zarten Tuning profitiert auch die elektrisch unterstützte Lenkung, die bisher über den gesamten Geschwindigkeitsbereich nicht fein genug abgestimmt war. Die neue Abstimmung macht die beiden Alfas noch mehr zu Fahrerautos.

Und was ist mit den Motoren? Jetzt kommen wir zu einem Punkt, der viele Alfisti sicher enttäuscht: keine Neuigkeiten. Alle vier Triebwerke sind bereits in den auslaufenden Modellen zu haben. Je zwei Benziner und zwei Diesel umfassen das komplette Programm. Die 2-Liter-Turbobenziner leisten 200 und 280 PS, die 2,2-Liter-Diesel rollen mit 190 oder 210 PS über die Straße. Je nach Version schicken sie die Leistung per Achtgang-Automatik nur an die hintere oder an beide Achsen.

Im Endergebnis viel Wirbel für wenig Neues. Andererseits muss man auch nicht traurig sein, wenn sehr viel beim Alten bleibt. Denn Giulia und Stelvio sind fantastische Autos, die auf Anhieb Botschafter für bestes italienisches Design sind. Warum also sollte man da etwas ändern? Da reicht es allemal, die inneren Werte zu stärken. Ab Anfang 2020 taucht das frische Duo bei den Händlern auf.

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