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Fahrverhalten, Verbrauch & Preis

Text und Fotos: Johannes Toth

Genug geredet, Starttaste drücken. Das System meldet sich mit Dreiklang-Gebimmel und Armaturenbegrüßung: „Fahren Sie vorsichtig. Wenn Sie während der Fahrt auf den Bildschirm schauen, kann das zu ernsthaften Unfällen führen.“ Hmmm, sollen wir etwa jedesmal stehen bleiben, wenn wir auf die Navigationsanzeige schauen wollen?

Sapperlot, jetzt hat uns diese Info doch glatt abgelenkt. Also, Konzentration: Auf die Bremse steigen, „D“ drücken, Bremse lösen und Strom geben. Alles wie gewohnt. Die Beschleunigung läuft elektro-typisch kraftvoll und gleichmäßig bis ca Tempo 130. Erst danach verlangsamt sich der Sog und endet bei für ein Elektroauto beachtlichen 173 Tacho-km/h.

Der Reifengrip hält den satten 295 Nm Drehmoment nicht immer stand. Vor allem beim vollen Beschleunigen aus engen Kurven verlieren die Vorderreifen gerne die Haftung. Ein weiterer Beweis dafür, dass das immer noch existierende Vorurteil, Elektroautos seien lahm, ins Reich der Legenden gehört. Also: maßvoll Strom geben.

Eine Besonderheit sind die Lenkradwippen. Hier nicht zum Schalten, sondern um die Wirkung der Rekuperation – also der Energierückgewinnung durch Motorbremswirkung – in vier Stufen einstellen zu können. Von eins (praktisch nicht vorhanden) bis vier (kräftige Bremswirkung). Es macht Spaß, sich nur mit den Wippen an der Kreuzung runterzubremsen.

Zwar funktioniert die Bremswirkung/Rekuperation nicht ganz bis zum Stillstand, da muss man gelegentlich mit dem Bremspedal nachhelfen. Mit der Zeit ist das aber bloß eine Frage der Übung. Eine Fertigkeit, die man nicht erlernen muss, wenn man nicht will. Selbstverständlich kann man auch dauerhaft eine der vier Rekuperations-Einstellungen aktiviert lassen. Die Bremsleuchten funktionieren übrigens bei erhöhter Verzögerung durch Rekuperation auch ohne Bremspedalberührung.

An Sicherheits- und Assistenzsystemen ist bereits fast alles in der Basisausstattung „Premium“ um 33.990 Euro enthalten. So zum Beispiel Notbremsassistent, Abstandstempomat, Berganfahrhilfe, hintere Einparkhilfe oder Spurhalteassistent.

Daher ist die Aufpreisliste erfreulich überschaubar. Toter-Winkel-Assistent und Querverkehrswarnung beim Rückwärts-Ausparken um 500, oder die vordere Einparkhilfe um 250 Euro.

Die getestete "Style"-Ausstattung kostet 35.490 und inkludiert noch ein paar Goodies wie Regensensor, Sitzheizung vorne, LED-Scheinwerfer. Erst in dieser Variante enthalten: Innenspiegel mit Abblendautomatik und Anti-Beschlagsystem.

Unser Testwagen steht mit elektrischem Fahrersitz, Wärmepumpe zur Vergrößerung der Winter-Reichweite um 13 Prozent, Sicherheitspaket und vorderer Einparkhilfe mit 38.190 Euro in der Liste. Die Inanspruchnahme der staatlichen Förderung senkt den Preis um maximal 4.300 Euro.

Apropos Reichweite. Die beträgt laut Hersteller 280 km bei einem Stromverbrauch von 11,5 kWh/100km. In unserem Test lag die Reichweite bei ca 220 km und der gemischte Verbrauch bei 13,6 kWh/100km. Die Ladezeiten der 28-kWh-Lithium-Ionen-Batterie hängen von der Stärke des verfügbaren Ladestroms ab.

An der Haushaltssteckdose (im Bestfall 3,7 kW) 8-10 Stunden, an der Ladestation mit 50 kW Gleichstrom sind 80 Prozent Batterieleistung in 23 Minuten erreicht. Da wir uns nie getraut haben, den Akku komplett leerzufahren, können wir dazu nur folgendes festhalten: während des Verspeisens einer Wurstsemmel geht sich eine Viertel-Ladung (ca. 60 Kilometer) an der 50-kW-Leitung aus.

Plus
+ kraftvoller Elektromotor
+ brauchbare Reichweite
+ agiles Fahrverhalten
+ viele Ablagen und große Fächer
+ Tempomat mit Abstandshalter funktioniert auch in der Kurve
+ geteilte Heckscheibe bringt gute Sicht nach hinten

Minus
- dauernd bimmelt irgendwas: beim An- und Abschalten, bei offener Türe in jedem Systemzustand
- Klimaanlage könnte stärker kühlen

Resümee
Der Hyundai Ioniq Elektro ist eine echte Alternative für Umstiegswillige: nicht zu spleenig im Auftritt und nicht zu gewöhnungsbedürftig in der Bedienung. Dazu mit spaßigem Handling und brauchbarer Reichweite. Der Anschaffungspreis ist im Vergleich zu Autos mit Verbrennungmotor kein Schnäppchen, gemessen an anderen Stromern aber äußerst konkurrenzfähig. Zudem ist Hyundai bei der mitgelieferten Ausstattung großzügig.

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