Autowelt

Inhalt

VW Up GTI - im Test VW Up GTI 2019

Zwergenaufstand

115 PS klingen nicht nach brachialer Power, aber der VW Up GTI ist ja auch ein 1.070-Kilo-Leichtgewicht. Und leistbar ist er außerdem. Im Test.

Georg Koman

Hier geht's zu den Bildern

Vor langer Zeit war der VW Golf GTI das heiße Eisen für Benzinbrüder mit schmaler Geldbörse, heute kostet er aber 40.000 Euro. Später schlüpfte der Polo GTI in diese Rolle - 200 PS für 25.000 Euro kann man definitiv gelten lassen. Noch näher dran am Ur-GTI ist aber der neue VW Up GTI mit 115 PS um 17.140 Euro. Doch die Frage ist: Kann er auch den GTI-Gedanken mit Leben füllen, oder ist er doch nur ein aufgemascheltes Einkaufswägelchen?

Was das sportliche Design angeht, so braucht sich der Up GTI nicht vor seinen großen Brüdern zu verstecken. Das berühmte Karomuster auf den Sitzen, das fette Lederlenkrad, der Schaltknauf mit roten Nähten und der ebenfalls in Rot gehaltene Armaturenträger können sich sehen lassen.

Von außen ist der VW Up GTI abseits der Schriftzüge an seinen roten Zierleisten, leuchtend roten Bremssätteln hinter 17-Zoll-Rädern, abgedunkelten Scheiben hinten, einem verchromten Endrohr und einem wuchtigen Dachspoiler zu erkennen.

Wer den Einliter-Dreizylinder zum ersten Mal startet, schaut sicherheitshalber nochmal auf den Schathebel, auf dem in großen Lettern "GTI" steht, sportlichen Klang gibt es nämlich keinen. Wohl aber ein durchaus sportliches Fahrgefühl, wenn der Turbozwerg erst die 2.000-Touren-Marke überschritten hat.

Dann steht das volle Drehmoment von 200 Nm zur Verfügung, der Up schiebt ordentlich an und beschleunigt in 8,8 Sekunden auf 100 km/h. In Sachen Höchstgeschwindigkeit wird mit 196 km/h an der magischen 200-km/h-Schallmauer gekratzt.

Abgesehen von der minimalen Anfahrschwäche zeigt sich der kleine Motor drehmomentstark und lässt trotz der langen Übersetzung des knackig zu schaltenden Sechsgang-Getriebes ziemlich schaltfaule Fahrweise zu. Negative Beschleunigung beherrscht der VW Up GTI auch sehr gut, an den kraftvollen Bremsen gibt es nichts auzusetzen.

Mit dem 3,60 Meter kurzen, drei- oder fünftürigen Gefährt lässt es sich agil ums Eck wieseln. Im Grenzbereich wird recht deutlich über die Vorderräder geschoben, Heck-Schwenks sind kein Thema. Wer sie zu provozieren versucht, wird vom wachsamen ESP rüde eingebremst.

Das Raumangebot geht trotz der geringen Größe in Ordnung. Vorne sitzen auch 1,90-Meter-Männer gut, lediglich die fehlende Reichweiten-Verstellung des Lenkrads (nur Höhenverstellung) zwingt Langbeinige dazu, näher ans Volant zu rücken, als sie es eigentlich wollen.

Im Fond fehlt es naturgemäß an Beinfreiheit, kurze Strecken lassen sich aber auch dort aushalten. Und wenn man die Sitzlehnen umklappt, offenbart sich ein quaderförmiger Laderaum von fast 1.000 Litern.

Die Lenkung ist präzise, aber nicht direkter als in den schwächeren Motorisierungen. Auch die Federung ist trotz Sportfahrwerk und 1,5 Zentimeter Tieferlegung nicht kompromisslos auf Sportlichkeit ausgelegt.

Der Viersitzer bietet damit genug Fahrkomfort sowohl auf kurzen als auch auf langen Strecken. Auch die sehr guten Sitze tragen ihren Teil dazu bei. Einzig limitierender Langstrecken-Faktor ist der 35 Liter kleine Benzintank.

Der Verbrauch hält sich allerdings ebenso in Grenzen: 4,7 Liter im Normmix sind ein Topwert für einen Benziner, im zügig gefahrenen Test waren es 6,1 Liter. Das geht in Ordnung, zumal sich der Up GTI definitiv auch mit Fünfliter-Werten fahren lässt, ohne sämtliche anderen Verkehrsteilnehmer aufzuhalten.

Um die Eingangsfrage nach Sportler oder Einkaufswägelchen zu beantworten: Der VW Up GTI ist ein gelungener Kompromiss aus beidem. Wer einen echten "Hot Hatch" will, der muss schon zum VW Polo GTI greifen - und dafür 8.000 Euro mehr lockermachen.

Zweitüriger, viersitziger Kleinstwagen, Länge/Breite/Höhe/Radstand: 3.600/1.910/1.478/2.410 mm; Gewicht: 1.070 kg; Kofferraumvolumen: 350-960 l, Tankinhalt: 35 l
Motor: Dreizylinder-Benziner; Hubraum: 999 ccm; Leistung: 85 kW/115 PS; Drehmoment: 200 Nm bei 2.000-3.500 U/min; Vorderradantrieb; Getriebe: 6-Gang-manuell; Höchstgeschwindigkeit: 196 km/h; 0-100 km/h: 8,8 s; Normverbrauch (Stadt/überland/Mix): 6,0/4,1/4,8 l/100 km; Testverbrauch: 6,1 l/100 km
Preis: 17.140 Euro (Fünftürer: 17.641 Euro)

Drucken

Ähnliche Themen:

18.05.2019
Weltoffen

Seine Wiege steht in Graz, sein Herz ist bayerisch, sein Anzug wurde in Kalifornien geschneidert, sein Name ist legendär: Toyota Supra. Erster Test.

17.05.2019
Elektro-Schrittmacher

Mercedes startet mit dem EDC ins Elektro-Zeitalter. Kann der die hohen Ansprüche an ein zukunftsweisendes E-Auto mit Stern erfüllen? Erster Test.

22.04.2016
Rekordverlust

Die Abgas-Affäre hat dem VW-Konzern rote Zahlen eingebracht. Für das Geschäftsjahr 2015 steht ein Minus von 1,4 Milliarden Euro zu Buche.

Erster Porsche RM Sotheby's versteigert Porsche Typ 64

Das Auktionshaus RM Sotheby's versteigert in Monterey vom 15. bis 17. August den letzten existierenden Porsche Typ 64 Berlin-Rom von 1940.

S/Formula: Autopolis Nichts Zählbares in Lauf 2 für Auer

Nach einem ansprechenden Qualifying verhinderte ein verpatzter Boxenstopp weitere Super-Formula-Punkte für den Tiroler Lucas Auer.

Komfort auf Koreanisch Hyundai Santa Fe 2.2 CRDi 7-Sitzer - im Test

Hyundai kann auch Luxus: Das große SUV Santa Fe 2.2 CRDi 7-Sitzer ist der teuerste Pkw der Marke. Unser Test klärt, ob sich das Investment lohnt.

Rallye: News ERC & WRC: "Busy Weeks" für Ilka Minor

Ilka Minor im Dauereinsatz. Zunächst mit Hiroki Arai im STARD-Citroen bei der Lettland-Rallye, von dort direkt nach Portugal: WRC2 mit Henning Solberg...