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Das ist ja der Gipfel!

Ob Personentransport oder auch familiär genutztes Firmenauto, Nutzwert und Luxus im VW T6.1 Multivan und in der Mercedes V-Klasse sind ungeschlagen.

Stefan Schmudermaier

Lange Jahre war der VW Multi­van – der erstmals beim T3 im Jahr 1985 eingeführt wurde – alleiniger Herrscher, wenn es um Komfort und Variabilität bei den Kompakt-Bussen ging, der Mitbewerb war zumeist mindestens einen halben Schritt zurück. Mit der neuen, 2004 gelaunchten V-Klasse ist es Mercedes aber gelungen, mit dem ewigen Dauer­brenner gleichzuziehen.

Vor Kurzem wurden beide Modelle einem umfangreichen Facelift unterzogen, für uns Grund genug, das Duo einem ausführlichen Vergleichstest zu unterziehen. Was die Größenverhältnisse betrifft, so sei dazugesagt, dass der Mercedes in Langversion antritt – es gibt ihn in gleich drei Längen mit allen Motoren und Ausstattungen – der Multivan allerdings in Standardlänge. Der lange Radstand bleibt hier der Comfortline-Ausstattung vorbehalten.

Platz in Hülle und Fülle

Bleiben wir gleich bei den Abmessungen. Die V-Klasse in Testkonfiguration bringt es auf eine Länge von 5,14 (kompakt 4,90, extralang 5,37) Meter, der T6.1 Multivan ist 4,90 (langer Radstand 5,30) Meter lang. Insbesondere bei der Einfahrt in Tiefgaragen ist auch die Höhe von Bedeutung, 1,99 Meter sind es beim VW, lediglich 1,88 beim Mercedes. Rein subjektiv merkt man im Innenraum allerdings nichts davon, das Raumangebot ist hier wie da großzügigst.

Auch im Kofferraum? Nun, 650 Liter bietet der Bulli, 1.030 sind es bei der mittleren V-Klasse, die vergleichbare kurze Variante kommt auf 610 Liter. Wer die Fondsitze allesamt ausbaut, kommt auf über 4.000 Liter, das ist allerdings mit schweißtreibender Arbeit verbunden. Beim T6.1. ist die Dreiersitzbank eine Challenge, bei der V-Klasse müssten zuerst die Einzelsitze ausgesteckt werden. Ausgesteckt? Ja, hier genießen die Fondpassagiere nicht nur Sitzheizung, sondern auch -kühlung, einzigartig in dieser Klasse, da muss selbst der VW passen.

Ein weiteres Feature, das nur der große Benz bietet, ist die separat zu öffnende Heckscheibe, durch die man auch in engen Parklücken Zugang zum Kofferraum hat. Die V-Klasse bietet eine massive Laderaumabdeckung, auf der sich selbst schweres Gepäck ablegen lässt. Beide Busse punkten mit einer elektrischen Heckklappe, die zwar extra kostet, aber eine unbedingte Empfehlung darstellt, gestaltet sich das manuelle Schließen doch als mitunter mühsamer Vorgang.

Limousinen-Feeling im Mercedes

Langsam, aber sicher arbeiten wir uns also zum Arbeitsplatz des Fahrers nach vor. Um den zu erreichen, muss man bei der V-Klasse aber aussteigen und bei der Fahrertür wieder einsteigen, der Multivan ermöglicht den Durchgang zwischen den vorderen Sitzen. Einerseits praktischer, andererseits kommt durch die geschlossene Variante beim Mercedes mehr Pkw-Feeling auf, das wird generell vom Cockpit unterstrichen.

Man wähnt sich mehr in einer riesigen Luxuslimousine denn in einem Bus, erst recht in der Konfiguration mit sechs Einzelsitzen, die es aber auch im VW statt der Dreierbank gibt. Was das Infotainment betrifft, so ist man im V 300 d auch nach dem Facelift nicht ganz up to date. Im Gegensatz zu A- oder E-Klasse oder anderen Modellen ist der Instrumenten-Cluster noch analog ausgeführt, wenngleich zwischen Tacho und Drehzahlmesser noch etwas Raum für Individualisierung bleibt. Auch das Navi entspricht in Optik und Bedienung noch der Vorgängerversion, was aber nicht weiter stört.

Volldigitalisierter Bulli

Im VW T6.1 hat mit dem Facelift unverkennbar die Digitalisierung Einzug gehalten. Hinter dem Lenkrad wartet ein großes LED-Display auf die Konfigurationswünsche des Fahrers, die von klassischer Ansicht der Armaturen bis hin zur riesigen Navi-Karte zahlreiche Möglichkeiten bietet. Apropos Navi, das ist deutlich höher aufgelöst und lässt sich per Touchscreen bedienen, einzig die Sprachbedienung gab sich mitunter etwas störrisch, der ebenfalls nicht fehlerfreie Mercedes war hier um zumindest eine Spur besser.

Gleichstand herrscht bei der Vernetzung, beide Fahrzeuge können mittels Handy-App geortet, geöffnet und auch wieder verschlossen werden, auch die Standheizung lässt sich so programmieren und aktivieren, unabhängig von der Entfernung zum Fahrzeug. Beim grundsätzlichen Komfort hat die V-Klasse die Nasenspitze vorn, was aber auch an der noch opulenteren Ausstattung lag, die sich wiederum im Preis – mehr dazu später – widerspiegelt.

Generell gibt es mittlerweile auch in dieser Klasse Features, die vor nicht allzu langer Zeit erst Einzug in die Luxusklasse gehalten haben. Etwa die Getränkehalter im Mercedes, die kühlen und heizen können und das auch noch farblich (siehe Bild auf der nächsten Seite) darstellen können.

Kritik auf hohem Niveau
Ergonomisch leisten sich Mercedes und VW kaum Schwächen, ein paar Dinge – nennen Sie uns pingelig – sind dennoch in Erinnerung geblieben. Im Bulli sind die manuell verstellbaren Armauflagen klar im Vorteil, zumindest ist die Mittelkonsole im Mercedes zu tief, um sie als Armauflage zu nutzen und noch ordentlich ans Lenkrad zu gelangen. Beim T6.1 wiederum ist die Bedienung des Tempomaten am Lenkrad nicht ideal gelöst.

Dass die oft verwendete „Cancel“-Taste am weitesten von den Fingern entfernt ist, bleibt unverständlich. Ebenso unverständlich bei beiden Testprobanden: Ein adaptiver Tempomat, der den Abstand zum Vordermann automatisch hält, ist in vielen Situationen angenehm, in anderen aber störend. Die Radarfunktion lässt sich leider bei beiden Fahrzeugen nicht separat wegschalten, wie das bei anderen Herstellern der Fall ist.

Wie sich die beiden Luxusliner fahren, was sie verbrauchen und was sie kosten, lesen Sie auf der nächsten Seite!

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