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Die bayerische Vision

Als Mitte der 70er-Jahre bekannt wurde, dass BMW an einem Dieselmotor arbeitet, fürchteten Freunde der Marke um ihre motorische Identität.

Wolfgang Peters/mid

Am Anfang war der Zweifel. Als Mitte der 1970er Jahre bekannt wurde, dass BMW an einem Dieselmotor arbeitete, fürchteten die Freunde der Marke um ihre motorische Identität. Die Furcht legte sich bald und hat sich heute in das Gegenteil verkehrt, denn die BMW-Diesel gehören aktuell zum Feinsten, was moderne Motorentechnik zu bieten hat. Sie belegen in den Bereichen Wirtschaftlichkeit, Leistungsentwicklung und Laufruhe erste Plätze.

So hat BMW dieser Tage Grund zum Feiern: Im Frühjahr 1983 luden die Bayern zur Premiere ihres ersten Dieselmotors im BMW 524td und können jetzt auf 30 Jahre Selbstzünder-Technik zurückblicken.

Dabei darf nicht unter den Tisch fallen, dass die Entwicklung des Dieselmotors in diesen drei Jahrzehnten auch stark von den Anstrengungen der Zulieferer profitierte. Sie lieferten wichtige Impulse und Produkte für jene Techniken, die aktuell für den noch immer anhaltenden Diesel-Boom verantwortlich sind.

Die reale Vision von einer Welt des neuen Dieselmotors begann 1983 mit im 524 td mit einem Aggregat, das in den Grundzügen die Architektur der BMW-Reihensechszylinder übernommen hatte und mit Turbolader auf 85 kW/116 PS kam.

Alle waren überrascht von der Laufkultur und der Beschleunigung des laut BMW "schnellsten Seriendiesels der Welt". Der 524 td erreichte 180 km/h und verbrauchte 7,1 Liter Kraftstoff auf 100 km.

Bis zum Ende der 1990er Jahre kamen weitere Diesel von BMW, mit und ohne Turbolader. Die Saugmotoren mit vier Zylindern überzeugten vor allem durch ihre Sparsamkeit, und die digitale Diesel-Elektronik verwandelte die bis dahin vergleichsweise einfache, mechanisch gesteuerte Dieselwelt unter der Haube in ein digitales Rechenzentrum.

Sensoren und Kontakte lieferten für Mikroprozessoren die entscheidenden Daten und diese führten dann zu den (meist) richtigen Befehlen für Einspritzanlage und Ladedruck. Aber noch waren das alles Motoren mit indirekter Einspritzung: Die Verbrennung des Diesel-Luft-Gemisches musste quasi in zwei Stufen, nämlich in einer Vor- oder Wirbelkammer beginnen und konnte erst dann in die eigentliche Brennkammer des Zylinderkopfes übergreifen. Das setzte der Entwicklung von Drehzahl und Leistung jene Grenzen, die BMW nicht hinnehmen wollte.

Als 1998 die ersten Motoren mit direkter Einspritzung und im nächsten Schritt mit Common-Rail-Einspritzung kamen, war die Entwicklung zum noblen und starken Diesel nicht mehr aufzuhalten. BMW brachte dann 1999 seinen ersten V8-Diesel im 740d mit 175 kW/328 PS Leistung.

Die Verfeinerung dieser Antriebsart erreichte immer neue Höhen. BMW installierte einen Diesel erstmalig 2003 zunächst im 3er-Coupé und im Jahr darauf im 3er-Cabrio, setzte ab 2004 den Dieselpartikelfilter ein und wurde mit seiner seit 2007 arbeitenden EfficientDynamics-Technik zum Vorbild für seine Wettbewerber.

30 Jahre nach dem Start des Dieselmotors bei BMW gipfelt diese Ingenieurs-Kunst im stärksten Sechszylinder-Diesel der Welt der im M550d-Modell mit 280 kW/381 PS und einem maximalen Drehmoment von 740 Nm seine Heimat fand.

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