CLASSIC

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter

Großvater trifft Urenkel

Wenn Boomer auf Millennials treffen, kommt meist ein Konflikt heraus. Im Hause Cooper ist es etwas entspannter, gleichwohl das Treffen der Generationen so manche Differenzen aufdeckt.

Roland Scharf

Man steht an der Kreuzung und sieht einfach nicht auf die Ampel. Die steil stehende Windschutzscheibe -ein liebgewonnenesÄrgernis aller Minis - hat sich über die Jahrzehnte erhalten und tatsächlich: Aufgrund dieses unüblichen Blicks auf die Welt da draußen hat man auch im 62. Jahr des Minis, zum 60. Geburtstag des Cooper, immer noch ein wenig vom Spirit der rasenden Hundehütte bewahrt, wenngleich man beim Blickauf dieses Duo sagen muss: Das ist auch schon so ziemlich das Einzige.

Lange Traditionen Sicher, beide haben einen quer eingebauten Vierzylinder und Frontantrieb, aber unser roter Cooper von 1993 und das aktuelle Topmodell, der John Cooper Works, zeigen anschaulich, wie sehr sich die Autowelt in einem Vierteljahrhundert verändert hat. Wobei: Eigentlich muss man von 50 Jahren sprechen.

Tatsächlich blieb der Ur-Mini bis auf zahlreiche Detailänderungen unverändert. Scheinwerfer, Sitzposition, Achsen, im Prinzip sogar der Motor. Überall wurde immer nur nachgebessert, modernisiert, das Konzept (und die aufwendige Fertigung) aber nie angerührt. Kein Vergleich natürlich zum aktuellenModell, der auf der bewährten Frontantriebsplattform von BMW basiert, sich zahlreiche Komponenten mit 1er und 2er teilt und beinahe vollautomatisch von den Bändern in Oxford fällt. Die aktuelle Generation erblickte 2014 das Licht der Welt und erhielt gerade erst ihr zweites Facelift. Doch in allseinen Details wirkt der Mini nach wie vor frisch und unverbraucht. Ganz zu schweigen von der Technik. 231 PS, gewonnen aus zwei Liter Hubraum, vier Zylindern und natürlich Turboaufladung machen in Kombination mit Alles fühlt sich noch ein wenig direkter an als bei einem vergleichbaren BMW. Dazu zählt auch, dass man verhältnismäßig wenig Platz hat, was automatisch einen dramatischeren Fahreindruck vermittelt, wobei:

Wenig Platz ist sehr relativ.
Gar nicht mehr so mini Im Vergleich zum Original ist der Jüngling 80 Zentimeter länger und 30 breiter. Man hat im 93er eher das Gefühl, den Wagen anzuziehen, als in ihn einzusteigen. Das gelingt aber auch den Größeren unter uns erstaunlich leicht und wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, wie man die Knie und Füße richtig sortiert, auch das Fahren. 740 Kilogramm Gewicht (der Neue kommt auf mehr als 1,3 Tonnen) wirken dank der Direktlenkung eher wie 500 Kilogramm, man sticht durch Kreisverkehre wie mit einem heißen Messer durch Butter. 63 PS reichen, um Spaß zu haben, und so schnell wie sich der Alte bei 100 km/h anfühlt, wirkt der Neue nicht einmal bei 200. Das klingt jetzt natürlich cool. Auf der Autobahn kann so ein permanentes Abenteuer aber bald einmal etwas zäh werden. Punkto Verarbeitung brauchen wir uns nichts vormachen. Britische Autos aus der Austin-Rover-Ära machen nun einmal Geräusche und rosten. Und irgendwas sitzt nie so, wie es soll.

Die Verarbeitung beim Neuen ist indes - sagen wir -deutscher. Nichts klappert, nichts scheppert, die Spaltmaße sind so exakt wie Margaret Thatchers Führungsstil, man ist zumindest mit einem halbwegs brauchbaren Kofferraum bestückt und kann im Notfall auch mit Winterschuhen einsteigen.

Alles anders also? Fast. Denn in zwei Punktenähneln sich die zwei doch sehr: beim Preis. Günstig war ein Mini nie. Schon 1993 gab es ums gleiche Geld viel mehr bei der Konkurrenz. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Genauso wie an der Faszination, die ein Auto ausübt, in dem man vom Fahrersitz nicht auf die Ampel sehen kann.

News aus anderen Motorline-Channels:

Weitere Artikel:

Als Kombis noch lange nicht Mainstream waren, wollte man in Montevideo unbedingt einen haben. Ohne wenn und aber, weswegen der NSU P10 keinen riesigen Erfolg hatte. Das Genick brachen ihm aber eher die Begleiterscheinungen.

Schiebung will geformt sein

Helden auf Rädern: Renault Estafette

Wenn sich ein Player nicht an die Spielregeln hält, muss man kreativ werden, um noch mitmischen zu können. Renaults Weg zum Estafette war etwas steinig und warf irgendwie alle Pläne über den Haufen, die man für die Marke hatte.

Selten lag die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn so nahe beinander wie beim Fiat Multipla. Da passt es nur gut, dass ihm sogar ein Leben nach dem Tod vergönnt war. In China. Als Elektroauto.

Klassiker treffen sich gemütlich im Weinviertel

Oldtimer-Treffen in Ebersdorf an der Zaya

Am 13. Juni 2026 versammeln sich Oldtimer aller Art am Sportplatz in Ebersdorf an der Zaya. Ab 14 Uhr geht es los, parallel dazu findet der Feuerwehrheurige in der Halle Pausch statt – für Verpflegung ist somit gesorgt.

Kleiner Bruder, das Luder

Helden auf Rädern: Renault 6

Plattformübergreifende Entwicklungen waren schon in Mode, bevor sie wirklich in Mode kamen. Im Falle des Renault 6, brachte das Gleichteileprinzip aber fast mehr Nach- als Vorteile mit sich.

Wenn man ein simples Arbeitstier schon überzeichnet, dann bitte ordentlich. Dass dem Mazda Rotary Pick-up dennoch keine große Karriere zuteil wurde, lag vor allem am schlechten Timing. Aber auch am Charakterdarsteller Wankelmotor.