ELECTRIC WOW

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter

In der Schräge liegt der Saft

Mit dem ID.7 möchte VW nun auch in der gehobenen Mittelklasse elektrisch angreifen. Ob die Operation gelungen ist. Und ob Fehler der Vergangenheit nun der Vergangenheit angehören.

Roland Scharf

Ferdl hatte doch Recht. Die erste Studie des Phaeton von vor 25 Jahren hieß D2 und galt als Idee eines Luxusmobils von Volkswagen. Gestaunt hat jeder nicht über die Idee an sich, sondern vor allem über das Schrägheck mit großer Klappe. Von Stufenheck keine Spur. Heute und ein paar Limousinen später steht der ID.7, das Flaggschiff der ID.-Baureihe, nun mit ziemlich genau so einem Hinterteil vor uns. Auch die große Heckklappe hat es in die Serie geschafft, was den Kofferraum natürlich gleich viel nutzbarer, und die Abgrenzung zum kommenden Kombi namens Tourer etwas schwierig gestalten könnte. Aber dieses Problem hatte ja auch schon der Arteon, falls sich noch jemand daran erinnern sollte.

Aber schauen wir uns den Wagen an sich einmal etwas näher an: Als gstandener Fünfsitzer bietet der ID.7 jede Menge Platz in beiden Reihen. Die Kniefreiheit im Fond überrascht sogar, das können weit größere Fahrzeuge auch nicht besser. Was weiters positiv auffällt, sind die famosen Sitze. Die kosten zwar Aufpreis, sind aber großzügig dimensioniert und wohlgeformt, um selbst auf Langstrecken selbst bei groß Gewachsenen gut anzukommen. Womit wir schon bei einem wichtigen Punkt wären: der Reichweite. VW gibt 612 Kilometer an, die mit dem verbauten 77-kWh-Akku drin sein sollen. Wir würden sagen, dass das vielleicht eine Spur zu optimistisch ist. Aber im normalen Fahrmodus und gewohnter Fahrweise bei den derzeit herrschenden MInus-Graden schafft man 19,3 kWh im Schnitt, was zwar weit von den angegebenen 14 kWh entfernt ist, dennoch aber für gut 400 Kilometer reicht, und absolut in Ordnung geht.

Angeboten wird der ID.7 übrigens nur als Pro mit 210 kW-Motor, besagtem Stromspeicher und Heckantrieb. Damit ist er mehr als standesgemäß motorisiert, mehr braucht wirklich niemand. Was viel mehr auffällt, ist die ausgewogene Abstimmung. Die Kombination aus moderatem Fahrwerk, gefühlsechter Lenkung und niedrigem Schwerpunkt der flachen Karosse lässt fahrdynamisch nichts vermissen. Wie ein heißes Messer durch Butter sticht der große Stromburger durch Kurven, nimmt Unebenheiten mit unerschütterlicher Lockerheit und lässt kein einziges Knistern oder Knarzen von sich hören – punkte Verarbeitung hat VW hier also im Vergleich zu preiswerteren Stromern deutlich nachgelegt.

Was natürlich zu einem langanhaltenden Kritikpunkt führt: Hat man auch bei der Bedienung entsprechend nachgebessert? Klare Antwort: jein. Es ist schon richtig, dass die nicht sonderlich beliebten Slider nun dezent beleuchtet sind. Die grundsätzliche Problematik der nichtexistenten Knöpfe und der fummeligen Touchfelder auf dem Lenkrad blieb aber bestehen, wobei alles dank des großzügig dimensionierten Touchscreens, der in der flachen Limousine auch besser zu erreichen ist als in ID.4 und Co, ein wenig seinen Schrecken verliert. Vor allem wenn Apple CarPlay oder Android Auto aktiviert wurde, sind die Basiseinstellungen schnell vollzogen, zumal das ganze System nach dem großen Update letzten Herbst, das so ziemlich alle Modelle aus dem VAG-Konzern erhielten, auch wirklich stabil zu laufen scheint. Und mit ein wenig Übung kommt man auch schnell in die entsprechenden Untermenüs, um die Massagefunktionen der Vordersitze zu aktivieren beispielsweise. Von der Seite also: gut gemacht, wobei das leider nicht auf alle Details zutrifft.

Exemplarisch sei hier die Fensterheberschalterei erwähnt, die nach wie vor nur aus zwei Knöpfen besteht, die über einen Umschalter zwischen vorne und hinten eine Doppelfunktion erfüllen. Oder die unübersichtliche Außenspiegelverstellung, -anklappung und -beheizung. All diese Kleinigkeiten, die einfach nerven können. Und für deren geniale, weil absolut logische Umsetzung VW Jahrzehnte lang ja so bekannt und beliebt war.
Für wen ist der ID.7 also die richtige Wahl? Immerhin bekommt man für den Einstiegspreis auch schon einen ID. Buzz, wobei man für einen so wie unseren bestückten Siebener schon rund 75.000 Euro hinblättern muss. Fakt ist jedenfalls: Fahraktiver ist sonst kein Strom-VW, besser verarbeitet auch nicht. Ideal also für alle, die viele Kilometer abzuspulen gedenken, oder zumindest viel Zeit auf der Autobahn verbringen. Ob damit vielleicht sogar eine Renaissance der guten alten Geschäftslimousine eingeläutet werden könnte? Mal sehen, ob auch in diesem Punkt der Ferdl Recht gehabt haben könnte.

Spezifikation



Leistung (kW/PS)

210/286

Drehmoment (Nm)

545

0-100 km/h (in Sek.)

6,5

Verbrauch (kWh/100 km)

­19,2

Antrieb

Hinterrad

Akkukapazität (kWh)

77

Reichweite (WLTP)

621

Ladestandard AC (Steckertyp, Leistung in kW, Phasen)

Typ 2, 11 kW, 3 p.

Ladestandard DC (Steckertyp, Leistung in kW) 

CCS, bis zu 150 kW

Kofferraumvolumen

532-1.586

Batteriegarantie

160.000/8 Jahre

Listenpreis (inkl. MwSt.)

ab 59.990,-

Ähnliche Themen:

News aus anderen Motorline-Channels:

Volkswagen ID.7 Pro im Test

Weitere Artikel:

Neue Zusammenstellungen bei Mini

Das ist der Classic Trim des Cooper E

Essential, Classic, Favoured, Works – so lauten die neuen Trims bei Mini. Wir picken die zweite Variante heraus und präsentieren ein Exempplar des Cooper E in Sunny Side Yellow mit Kontrastdach und Spiegelkappen in Weiß.

SQ8 Sportback e-tron beim Wiener Eistraum zu sehen

VIDEO: Eisiger Audi durch Hollywood-Technologie

Bis zum 3. März 2024 sorgen die vier Ringe für eine Attraktion für Autofans beim Eislaufen auf dem Rathausplatz in Wien: Mit speziellen Screens wird das vollelektrische SUV-Coupé cool inszeniert. MIT VIDEO

Die BYD-Welle rollt weiter

BYD Seal U - schon gefahren

Auch beim Seal U ließ sich BYD von den unendlichen Weiten der Meere inspirieren. Herausgekommen ist ein 4,79 Meter langes Elektro-SUV in zwei Varianten: BYD Seal U Comfort bzw. Design. Mit Video!

Kleinstwagen von XEV aus China erhältlich

Darios Autohaus: Yoyo statt Jo-Jo

17.990 Euro (noch ohne Förderungen) werden beim Autohaus in Tumeltsham im Innviertel als Preis für den XEV Yoyo genannt. Die Spitze von 80 km/h macht klar: Er gehört der Klasse L7e an.

Comeback als Elektro-SUV

Der Opel Frontera ist … zurück!

20 Jahre lang war es ruhig um den Namen Frontera, nun füllt ihn Opel mit neuem, vollelektrischen Leben. Erste Bilder versprechen sogar eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Vorgänger.

Der Hyper-GT Emeya performt auch bei -25 Grad

Lotus: Heißer Brite im kalten Finnland – Video

Unser Video zeigt die letzte Phase des intensiven Test- und Entwicklungsprogramms des Lotus Emeya, dessen Auslieferungen an Kunden noch 2024 beginnen sollen. Wer glaubt, Finnland war kalt, kennt den Autokühlschrank nicht: Der Hyper-GT soll auch bei -40 Grad funktionieren!