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Aus und im Reich der Mitte

Designed in Paris, gebaut in China, gedacht als globale Speerspitze Richtung Premium. Der DS9 hat große Ziele zu erfüllen. Reicht es zum ernsthaften Anstinken gegen die S-Klassen, 7er BMWs und A8 dieser Welt? Wir sind testgefahren.

Johannes Posch

Eine junge Marke mit langer Geschichte und taffen Zielvorgaben: Das ist DS. Mit ihr wollte der damals noch solo fliegende PSA-Konzern 2015 den Angriff auf die Ober-Liga einläuten. Wie sehr man nun wirklich „premium“ ist, soll wiederum der DS9 zeigen. Das Rezept: Konzern-Technik möglichst hübsch verpacken. Also quasi mit vertretbarem Entwicklungsaufwand (Wir wissen: Carlos Tavares ist ein strenger Rechner) das Beste aus dem machen, was da ist. Ein Balance-Akt, der beim DS9 zumindest interessante Blüten treibt.

Da wird etwa beim Fahrwerk geklotzt (Sensoren scannen die Straße und justieren elektronisch binnen Millisekunden die Dämpfer, was für ein wahrlich formidables Fahrerlebnis sorgt), und dann beim HUD nicht einmal gekleckert. Es gibt nämlich keines. Die verfügbare Konzernlösung – also die mit ausfahrender Plastik-Scheibe – war den Ingenieuren nicht „premium“ genug. Also ließ man es eben weg. Hm.

Oder das Cockpit: Einerseits ein Look wie direkt aus einem Konzept-Fahrzeug – mit schicken Metallschaltern, Alcantara und Leder überall, alles feinst verarbeitet mit Techniken, die sonst nur in der höchsten Fashion-Liga verwendet werden – andererseits aber finden sich hinterm edlen Volant die selben Plastik-Blinkerhebel und im extravaganten Mitteltunnel der gleiche Automatikwahlhebel wie beispielsweise auch im Opel Corsa - nur eben mit anderem Logo drauf. Hm.

Und auf der Rückbank? Reichlich Beinfreiheit und eine Massagefunktion gibt es wohl. Und auch der Platz nach oben dürfte nicht nur für Geschäftsleute im Produktionsland China, sondern auch für groß gewachsene Europäer reichen. Tische zum Arbeiten gibt es allerdings ebenso wenig wie ein Infotainment-System oder die bloße Möglichkeit die Sitze zu verstellen. Hm.

Es lebe der Kompromiss
Zum Angriff auf S-Klasse und Co. reicht‘s also nicht. Ja, selbst eine Klasse drunter, bei der E-Klasse und Konsorten wird's eher knapp. Das wissen die Franzosen aber auch. Blick in die Preisliste: Los geht es bei 53.450 Euro, was im Vergleich mit den erwähnten Offerten aus Deutschland fast schon geschenkt und für das Gebotene ob der überaus üppigen Serienmitgift mehr als angemessen ist. Den DS9 einzuordnen ist aber somit knifflig. Er sitzt irgendwo in der wohlfeilen Mitte zwischen der „echten“ Oberklasse und den erschwinglichen Mainstream-Limos - auch aus eigenem Haus (Stichwort Opel Insignia). Klar ist aber, dass er deutlich über allem rangiert, was bisher so an neuen Autos aus Frankreich zu haben war. Am ehesten dürfen also beispielsweise Fans des einstigen Citroen C6 frohlocken. Auch der war extravagant, preislich verhältnismäßig selbstbewusst und doch einfach etwas ganz Besonderes. Dementsprechend verdreht der DS9 heute auch mindestens so viele Köpfe, wie es der C6 seinerzeit schon tat und wohl immer noch tut - Exot und so.

Zum Händler stürmen dürfen frankophile-Limousinen-Fans jedenfalls ab Juli. Da startet der DS9 in Österreich. Und das, wohlgemerkt, ausnahmslos als PHEV in zwei Leistungsstufen. Rein Verbrenner-getrieben gibt es ihn bei uns nicht. Wird beinharte Diesel-Verfechter sicher ärgern, ist in Wahrheit aber kein Verlust. Schon der "kleine" E-TENSE 225, den wir die meiste Zeit pilotieren dürften, gibt sich ausreichend kräftig, ist gut gedämmt und schafft nebenbei laut WLTP 56 Kilometer rein elektrisch - ist also förderungsfähig. Die Lenkung ist überraschend direkt und ausreichend feinfühlig, geschaltet wird ausnahmslos mittels Achtgang-Automatik, die in drei der vier Modi großteils eine gute Figur macht: Electric, Komfort und Hybrid nämlich. Im Sport-Modus, bei dem uns irgendwie schleierhaft ist, warum es ihn überhaupt gibt, fällt sie allerdings durch ruppige, aber trotzdem nicht atemberaubend schnelle Gangwechsel negativ auf. Also einfach ignorieren und das gemütliche Cruisen genießen, für das der DS9 ursprünglich konzipiert wurde. So lassen sich auch die Blicke der Passanten besser genießen ...

Leistung | Drehmoment 225 PS (165 kW) | 360 Nm
0–100 km/h | Vmax 8,3 s. | 240 km/h
Getriebe | Antrieb 8-Gang aut. | Vorderrad
E-Reichweite 56 km (WLTP)
Ø-Verbrauch 1,5 l/100 km | 15,3 kWh /100 km
Ladedauer ca. 3:45 h1 | ca. 6:35 h2
Kofferraum | Zuladung 510 l | 371 kg
Garantie Fahrzeug | Batterie 2 Jahre | 5 Jahre/50.000 km
Basispreis | NoVA 53.450 (44.541,67 exkl.) | 0%

Das gefällt uns: das Fahrwerk, die Extravaganz
Das vermissen wir:das letzte Bisschen Eigenständigkeit
Die Alternativen: Opel Insignia, Skoda Superb, Jaguar XF, etc.

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