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Toyota Prius Plug-in-Hybrid im Test

Klassiker & Kopfverdreher: Ungewohntes Unterwegssein in Toyotas Twen mit Sportdesign statt Sparoptik. Warum wir diesen Wagen wollen und was weniger wertig wirkt.

Mag. Severin Karl

Seit 27 Jahren gilt der Toyota Prius als eine Art automobiles Sparwunder, seine Hybridtechnik wurde immer weiter verfeinert und mit der Zeit auch an seine Brüder abgetreten. Heute kann man das früher ungewohnte Spar-Package auch in Yaris, Corolla und Co erleben. Was spricht da noch für den Prius, der bislang laut "Hier fährt ein umweltbewusster Mensch" schrie? Das hat sich etwas überholt.
Toyota zieht also bewusst die Reißleine und positioniert den Klassiker neu: Die frische Generation ist ausschließlich als Plug-in-Hybrid erhältlich, verspricht somit alltagstaugliche Elektroreichweite, und kommt in kopfverdrehender Sportoptik. Wo man in den letzten Jahrzehnten höchstens mit "Und, was braucht er wirklich?" angesprochen wurde, kommen nun auch "Wie-geht-er?"-Anfragen.

Manierlich vs. Rowdytum

Der Prius ist also mitten in seinem Twen-Jahrzehnt und in Bezug auf seinen Antrieb hat er sich ordentliche Manieren angeeignet. Wir wir von Lesermails wissen, verteidigen Fahrer der bisherigen Generationen das gewohnte Akustikverhalten: Man will stark beschleunigen, tritt auf das Pedal, der Motor jault auf, der Vortrieb folgt mit Zeitverzögerung. "Ist doch bei anderen Autos auch so!", sagen sie. Nein, ist es nicht, steigt mal testweise um und seid ehrlich zu euch selbst. Nun aber passt es! Beim neuen Prius gibt es durchaus Situationen, wo der Benziner etwas lauter wird, etwa auf Autobahnsteigungen, aber der Vortrieb passt dann zum Hörerlebnis dazu. Man muss nicht warten, bis die Power das Fahrzeug nach vorn schiebt.

Wir sprachen von Manieren. Beim Einstiegen zeigt sich dann, dass der Prius aber auch zum Rowdy geworden ist, denn er verteilt gern Kopfnüsse, an jene, die sich nicht kunstvoll ins Cockpit schwingen. Die Keilform wurde einfach konsequent durchgezogen, ein Blick auf Motorhaube und Frontscheibe lässt einen fragen: Bei welchem Auto (vor allem in dieser Preisklasse) gibt es sonst so wenig Abweichung im Winkel? Uns erinnert das ein wenig an den Ledl AS. Interessant, dass wir den österreichischen Sportwagen aus den 1980ern – lediglich 249 Stück wurden gebaut – kürzlich in Oldtimer-Kleinanzeigen gefunden haben.

4,5 Liter in der City

Im besten Fall gönnte sich der Prius bei uns etwa 14,5 kWh Strom, was bei einer Batteriekapazität von 13,6 kWh (der letzte Plug-in des Prius konnte nur mit 8,8 kWh aufwarten) und der Rekuperation während der Fahrt in knapp 100 Kilometer E-Reichweite resultierte. Wilde Fahrer, die nur auf die coole Optik schauen und mit dem Spargedanken nichts am Hut haben, verbrauchen auch mal 24 kWh im Schnitt, kommen so auf knapp 60 Kilometer E-Reichweite. Für uns immer wichtig: Was tut sich, wenn man (ob gewollt oder ungewollt) auf das Laden pfeift? Gehen wir gleich zum Worst Case punkto Klimabilanz, einer Fahrt von Wien nach Salzburg samt Terminstress. Hier genehmigte sich der gelbe Prius 5,9 Liter Benzin und das bei eigentlich unsachgemäßer Handhabung. Im Alltag mit hohem Autobahnpendleranteil waren es eher 5,0 bzw. 5,2 Liter. Stadtfahrten, die Königsdisziplin der Hybridtechnik, quittiert der Toyota mit 4,5 Liter im Schnitt. Man solte es eigentlich nicht mehr erwähnen müssen: Was verbraucht wird (Strom/Benzin) und wieviel davon, hängt immer von der Lade- und Fahrdisziplin des Fahrers ab.

Zur Bedienung: Gut gelöst sind die Tasten für die wichtigen Dinge, vom Klima über die Sitz- und Lenkradheizung bis zum Einparkassistenten. Die Fahrmodi wiederum werden mit einer Taste hinter dem kurzen Schalthebel verstellt. Interessant: Sehr viele Einstellungen werden über den Bordcomputer, also über die Lenkradtasten vorgenommen. Funtkionen, die man sonst im Touchscreen erwartet, sind so besser im Blick und tatsächlich während der Fahrt einzustellen. Auch wenn man teils viele Menüs durchklicken muss, bis man das Gewünschte findet. Etwa den Tempowarner, der nach neuer Manier bei jedem km/h drüber meckert. Bei der B-Stellung des Schalthebels lässt gibt es gute Abstufungen: Die Rekuperation ist in drei Schritten einstellbar. Sogar der adaptive Tempomat lässt sich individualisieren: Die Taste +/- verstellt das Tempo dann auf Wunsch um 1, 5 oder 10 km/h!
Kunststoffqualität im Innenraum? Hm, geht so, etwas kratzempfindlich dürften die verwendeten Materialien schon sein.

Uiuiui: Laden nur mit 3,6 kW

Wer kauft Plug-in-Hybride und im speziellen den Prius PHEV? Eine regelmäßig zugängliche Lademöglichkeit ist das Um und Auf. Noch dazu, wo Toyota leider nur einen 3,6-kW-Lader verbaut hat. Sprich: Zuhause, wo ausreichend Zeit ist, kein Thema. An der öffentlichen Wallbox aber ein Graus. Nach dem Supermarkteinkauf etwa waren gerade einmal 5 Kilometer Reichweite nachgeladen.

Der kleine Kofferraum wird übrigens weiter durch die extrem tief sitzende "Hutablage" (sie ist weich, also keine Ablage) verkleinert. Wer etwas Höheres transportiert, muss sie auf jeden Fall entfernen (faltbar = einfach und platzsparend). Ein Easteregg der Gestalter verraten wir auch noch: Ist die Heckklappe offen, findet sich im Kunststoff rechts unten der Schriftzug „Hybrid Reborn“. Das passt gut zum neuen Extremkeil, der bei Passanten richtig gut ankommt.

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