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“Simplify, then add lightness” ist wohl kein Thema mehr

Colin Chapman, der Gründer von Lotus, war förmlich besessen von geringem Fahrzeuggewicht, erreicht durch simple Konstruktionen. Nun hat die britische Sportwagenmarke seinen ersten SUV vorgestellt, der auch voll-autonom fahren können soll. Zum Gewicht hingegen hüllt man sich noch in Schweigen. Dennoch: Mit über 600 PS und einer 0-100-Zeit von "unter 3 Sekunden" dürfte auch der Lotus Eletre EV alles andere als langweilig sein.

Johannes Posch

Nach Jahren des Wartens ist der Lotus Eletre, ein Elektro-Crossover, endlich da. Dabei hat man sich bei der Namensgebung allerdings nicht im Französischen bedient, sondern vermeintlich von osteuropäischen Sprachen inspirieren lassen. Vermeintlich heißt "eletre" auf Ungarisch nämlich "zu neuem Leben erwachen". Außerdem fängt es mit einem E an und hört auch mit einem eben solchen auf, setzt also wunderbar die bisherigen Traditionen fort und symbolisiert gleichzeitig den Anbruch einer neuen Ära. Clever ...

Wie dem auch sei, basiert der Eletre auf Lotus' Electric Premium Architecture-Plattform mit 800 Volt-Architektur und soll, je nach Ausstattungsvarianten, eine Leistung von mindestens 600 PS (447 Kilowatt) bieten, wobei jede Achse von einem Motor angetrieben wird. Die Beschleunigung auf 100 km/h dauert dabei in der Top-Version weniger als 3,0 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 260 km/h. Über das Gewicht des Crossovers macht der Hersteller bisher noch keine Angaben. Da hört sich Traditions-Liebe dann offensichtlich auf. Zumindest aber gelobt man eifrigen Einsatz von Karbon und Aluminium sowie leichten Stoffen im Innenraum, um das Gewicht des immerhin über fünf Meter langen, 2,1 Meter breiten und 1,6 Meter hohen Autos (Radstand: 3.019 mm) niedrig zu halten. Zur Einordnung: Ein Tesla Model X ist mit 5.036 mm etwas über sechs Zentimeter kürzer als der Eletre (5.103 mm).

Auch sonst sind technische Details noch rar. Lotus gibt lediglich an, dass die Batteriekapazität über 100 Kilowattstunden beträgt, was eine geschätzte WLTP-Reichweite von rund 600 Kilometern ermöglicht. Zudem soll sich der Eletre mit bis zu 350 Kilowatt aufladen lassen, was es ermöglicht eine Reichweite von 400 Kilometern in 20 Minuten in die Akkus zu schaufeln.

Zum Fahrwerk: Der Crossover fährt auf einer Luftfederung mit aktiver Höhenverstellung. Außerdem verfügt er über eine Hinterachslenkung und aktive Stabilisatoren.

Designtechnisch dehnt der Eletre vorne die allgemeinen Designelemente des Lotus Emira in die Form eines Crossovers. Passend zum aktuellen Trend gibt es geteilte Scheinwerfer. Die Tagfahrlichter befinden sich an der vorderen Kante der Motorhaube, die Hauptscheinwerfer im unteren, geschwärzten Teil der Frontschürze. Der Kühlergrill verfügt über aktive Klappen in Form von Dreiecken, die sich öffnen, wenn die Motoren, die Batterie und die Bremsen gekühlt werden müssen.

Aus technologischer Sicht will Lotus mit dem Eletre offensichtlich (auch entgegen früherer Traditionen, wo es vor allem um "simple Mechanik" ging) ganz vorne mitspielen: So ist der Eletre mit vier ausfahrbaren Lidar-Sensoren ausgestattet. Zwei davon befinden sich auf dem Dach - einer über der Windschutzscheibe und einer über der Heckscheibe. Lotus behauptet, der Eletre sei dadurch in der Lage, "durchgehend autonom zu fahren". Die Technologie unterstützt Over-the-Air-Updates für zukünftige Verbesserungen des Systems. Außerdem befindet sich das Gerät auf jeder Seite der Karosserie in der Nähe des vorderen Kotflügels. In Regionen, in denen dies erlaubt ist, verwendet das Fahrzeug Kameras als Seitenspiegel.

Anstelle einer herkömmlichen Instrumententafel besteht der Bereich vor dem Fahrer aus einem dünnen Display-Streifen, der gerade mal 30 Millimeter hoch ist und nur die nötigsten Informationen bieten soll - volle Konzentration aufs Fahren also. Doch wieder typisch Lotus irgendwie. Ein ebensolches Element findet sich allerdings auch auf der Beifahrerseite, wo verschiedene Informationen wie die Musikauswahl oder nahe gelegene Sehenswürdigkeiten anzeigt werden. Nicht mehr gar so traditionell; aber freilich cool und modern. Ebenso wie der in der Mitte befindliche 15,1-Zoll-OLED-Touchscreen im Querformat, der alle notwendigen Informationen anzeigt und Funktionen bündelt. Sowohl am Lenkrad, aber auch in der Mittelkonsole, möchte Lotus aber dennoch noch an physikalischen Bedienelementen festhalten; begrüßenswert! Ebenso wie das serienmäßige Head-up-Display mit Augmented Reality Funktionen. Auch eine fortschrittliche Sprachsteuerung soll geboten werden, während sich der britische Nobel-Boxen-Hersteller KEF um die Konstruktion und Fertigung der Audiosysteme kümmert. Schon das Seriensetup bringt hier 15 Lautsprecher und eine Systemleistung von 1.380 Watt mit. Optional wird das noch durch das KEF Reference-System getoppt, das mit 23 Lautsprechern und 2.160 Watt daherkommt.

Lotus wird den Eletre in einer neuen Fabrik in Wuhan, China, bauen. Die Auslieferungen beginnen im Jahr 2023. Die ersten Exemplare gehen nach China, Großbritannien und Europa. Preise sind freilich noch keine bekannt.

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