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McLaren an der Spitze

Rookie Kevin Magnussen stieg erst mittags in den McLaren, markierte die Bestzeit. Dafür wieder ein Desaster für RBR. Und: Debüt des Marussia.

Dritter Testtag in Jerez de la Frontera , und während die Konkurrenz langsam in Fahrt kommt, leidet ausgerechnet das Weltmeisterteam Red Bull Racing anscheinend am heftigsten unter Kinderkrankheiten: "Es ist offensichtlich, dass wir nicht dort sind, wo wir sein wollten. Das gesamte Team ist aufgrund dieser Probleme frustriert", räumt Renningenieurs-Koordinator Andy Damerum ein.

Nachdem Sebastian Vettel an seinen beiden Tagen im RB10 gerade mal elf Runden geschafft hatte, verlief das Stammfahrer-Debüt von Daniel Ricciardo sogar noch ernüchternder: Der Australier musste erst drei Stunden warten, ehe er auf die Strecke gehen konnte - und schaffte es von der ersten Runde nicht an die Box zurück! Die genaue Ursache für den Defekt ist nicht bekannt, es soll sich heute aber um ein Red-Bull- und nicht um ein Renault-Problem handeln.

"Wir haben gestern hart an den Änderungen gearbeitet, von denen wir dachten, dass sie notwendig sind, um die erkannten Probleme zu beseitigen, und hatten auf einen erfolgreicheren Tag gehofft. Die getroffenen Maßnahmen haben das Problem aber leider nur zur Hälfte gelöst", gibt Damerum zu. Passiert ist das alles vor den Augen von "Oberbulle" Dietrich Mateschitz, der heute eingeflogen wurde. Frühzeitig abgereist sind dafür Teamchef Christian Horner und Stardesigner Adrian Newey: Sie sollen nun in der Fabrik in Milton Keynes den Problemen auf den Grund gehen.

Dass dann in der letzten Stunde des Tages auch noch Jean-Eric Vergne im "Schwestern-Red-Bull" STR9 ausrollte und qualmend die fünfte rote Flagge verursachte, konnte sicher nicht dazu beitragen, die Krisenstimmung bei Newey Co. zu reduzieren. Eine Viertelstunde vor Schluss ging der Franzose aber noch einmal auf die Strecke - und schaffte wieder nur ein paar Meter! Die Sorgenfalten bei den Red-Bull- und Renault-Technikern werden dadurch gewiss nicht kleiner...

Viel besser lief es indes für das Mercedes-Team, das den Unfall von Lewis Hamilton am ersten Tag längst verkraftet hat. "Wir alle hatten mit Zuverlässigkeitsproblemen gerechnet. Ich bin wirklich überrascht, dass wir so viele Runden fahren können", sagt Nico Rosberg, heute nur Zuschauer. Teamkollege Hamilton spulte einen Longrun nach dem anderen ab - und war dabei auch noch schnell unterwegs, was diese Woche bestenfalls Nebeneffekt ist. Mit 1:23.952 Minuten stand Hamilton nach weiteren 62 Runden sogar auf Platz drei.

Die Tagesbestzeit ging aber - etwas überraschend - an McLaren-Rookie Kevin Magnussen, der den MP4-29 erst gegen 13:00 Uhr von Jenson Button übernommen hatte. Der Däne brauchte nicht lange, um seinem Teamkollegen fast zwei Sekunden abzunehmen, und das reichte dann auch für die absolut schnellste Zeit: 1:23.276 Minuten. Die Bestzeit wird man bei McLaren aber weniger auf die Goldwaage legen als die Tatsache, dass das neue Auto stattliche 92 Runden geschafft hat.

Alonso erstmals auf der Strecke

Beinahe untergegangen wäre angesichts des ereignisreichen Tages, dass Fernando Alonso heute seine ersten Kilometer im neuen Ferrari F14 T drehte. Bis zu seinem technischen Defekt nach zweieinhalb Stunden (erste rote Flagge der Session) führte Alonso das Feld an, am Ende reichte es aber nicht für die Tagesbestzeit (5./+2,219/58 Runden) - sehr zum Leidwesen der tausenden spanischen Fans, die an die Strecke gekommen waren, um ihren Nationalhelden zu sehen.

Ein weiteres Highlight des Tages war die Enthüllung des neuen Marussia, die erst nach 15:00 Uhr stattfand. Max Chilton hatte die Ehre, die erste Runde mit dem MR03 zu drehen. Der kommt, wie die meisten anderen 2014er-Autos, mit einer sehr spitzen Nase daher. "Frisch aus der Garage und eine gute und saubere Installationsrunde. Mehr hätten wir nicht erwarten dürfen", weiß das russisch-britische Team. Am Ende standen für Chilton fünf Runden zu Buche.

Ihren Einstand beim jeweils neuen Team gaben heute Nico Hülkenberg (Force India) und Adrian Sutil (Sauber). Bei Hülkenberg qualmte es schon vor der ersten Runde an der Box, wegen Getriebeproblemen, wie sich später herausstellte. Und als er dann vor 14:00 Uhr ausrollte, war wohl die Benzinzufuhr daran schuld - oder vielleicht hatte das Team einfach zu wenig getankt. Das ist bei den Wintertests eine übliche Praxis, um den genauen Benzinverbrauch zu ermitteln.

Auch Sutil sorgte für eine rote Flagge: Nachdem er sich recht behutsam ans Limit herangetastet hatte, war für den Deutschen eine Stunde vor Ende der Session Schluss. Am Sauber fehlte das eine oder andere Teil, offensichtlich war es zu einem Dreher gekommen. "Ich schätze, dass die Hinterradaufhängung gebrochen ist", lautet der erste Verdacht des ehemaligen Formel-1-Konstrukteurs Gary Anderson bei 'Autosport'.

Eine solide Williams-Premiere lieferte Felipe Massa ab, der nach 47 Runden Zweiter wurde. Auch Robin Frijns fuhr heute erstmals sein neues Arbeitsgerät, doch der Caterham-Testpilot kam am Morgen wegen zweimaliger Software-Probleme nur langsam in die Gänge. Insgesamt waren heute elf Fahrer in zehn Autos im Einsatz - so viele Namen tauchten bisher noch nie auf dem Zeitenmonitor auf. Die guten und sonnigen Bedingungen stellten aber auch ideale Testbedingungen dar.

Testzeiten Tag 3

Pos Fahrer             Team                  Zeit  Runden
 1. Kevin Magnussen    McLaren-Mercedes      1:23.276  52
 2. Felipe Massa       Williams-Mercedes     1:23.700  47
 3. Lewis Hamilton     Mercedes              1:23.952  62
 4. Jenson Button      McLaren-Mercedes      1:25.030  40
 5. Fernando Alonso    Ferrari               1:25.495  58
 6. Nico Hülkenberg    Force India-Mercedes  1:26.096  17
 7. Jean-Eric Vergne   Toro Rosso-Renault    1:29.915  30
 8. Adrian Sutil       Sauber-Ferrari        1:30.161  34
 9. Robin Frijns       Caterham-Renault      k.Zeit    10
10. Daniel Ricciardo   RBR-Renault           k.Zeit     3
11. Max Chilton        Marussia-Ferrari      k.Zeit     5
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