Formel 1

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter

Inhalt

Formel-1-Test: Barcelona II

„Ferrari blufft und ist viel schneller!"

Mercedes arbeitet an Lösungen für anhaltende Probleme am W08 und beobachtet die Konkurrenz mit Staunen - Lewis Hamilton: "Vielleicht sind sie sogar schneller".

Nimmt man die Ergebnisse der bisherigen Barcelona-Testfahrten 2017 als Grundlage, dann zeichnet sich recht deutlich ein enges Duell zwischen Mercedes und Ferrari ab. Aus dem Lager der Silbernen heißt es, dass man auch Red Bull in der Spitzengruppe erwartet. Aber das Team aus Milton Keynes war auch am Donnerstag im Klassement nicht weit vorn zu finden. Sebastian Vettel markierte unterdessen in 1:19.024 Minuten eine neue Jahresbestleistung.

Lewis Hamilton hatte auf Rang zwei am vorletzten Testtag vor dem Saisonstart in Melbourne als Zweiter einen Rückstand von 0,328 Sekunden. Der Brite hatte am Vormittag auf Ultrasoft-Reifen einen Versuch "mit etwas weniger Benzin an Bord" fahren dürfen. "Wir versuchten, eine Qualifying-ähnliche Simulation durchzuführen und das Auto fühlte sich mit weniger Sprit gut an. Es ist ein super Gefühl, zu spüren, wie sich langsam alles zusammenfügt", frohlockt der dreimalige Formel-1-Weltmeister nach 52 Runden.

Hamilton fuhr am Vormittag mit einer Kombination aus Heckfinne und T-Flügel. Man arbeitete intensiv an Verbesserungen der Balance. Nicht nur Hamilton, sondern auch Teamkollege Valtteri Bottas bemerkte große Fortschritte. "Wir mussten viel über das neue Auto, die Besonderheiten bezüglich des Setups und der neuen Reifen lernen", berichtet der Finne nach 95 Runden am Nachmittag. Bottas landete in 1:21.819 Minuten nur auf Rang acht des Tagesklassements. Kein Wunder, denn er war auf Dauerläufe angesetzt.

Unsicherheit: Was bringen die neuen Teile wirklich?

"Zudem habe ich am Setup gearbeitet und die ganzen neuen Teile am Auto ausprobiert", berichtet der Rosberg-Nachfolger, der von "riesigen Fortschritten" spricht. Vor allem den anfangs fragilen neuen Unterboden konnte man derart verstärken, sodass sich nun keine Karbonteile mehr von der Kante in Höhe der seitlichen Bargeboards lösen. Am Mittwoch war das neue Bauteil noch heftig zerfleddert worden, die gewünschte aerodynamische Wirkung konnte damit nicht erreicht werden.

Trotz der erhöhten Stabilität des neuen Unterbodens galt es herauszufinden, ob der neue Ansatz tatsächlich das bringt, was man sich im Werk errechnet hat. "Wir sind noch dabei, herauszufinden, welche dieser Teile am besten zu unserem Auto passen und wie wir 100 Prozent aus unserem Paket herausholen können", sagt Bottas. "Die Lernkurve ist jeden Tag noch immer extrem steil, und wir haben weiterhin viel Arbeit vor uns, um es richtig hinzubekommen."

Die nicht deutlich erkennbaren Fortschritte, die Veränderungen an Unterboden, Frontflügel und unter anderem den Seitenkästen hätten bringen sollen, brachten den Verantwortlichen Sorgenfalten auf die Stirn. "Ich bin nicht ganz zufrieden", so Mercedes-Formel-1-Aufsichtsrat Niki Lauda bei RTL. Der Wiener erklärt: "Wir haben Updates gebracht, die nicht ganz so perfekt funktioniert haben, wie wir uns das eigentlich erwartet hatten."

Lewis Hamilton sieht Ferrari als Favorit

"Ich glaube, dass wir bis Melbourne unsere Probleme lösen müssen", sagt Lauda. "Beim Motor ist es gelöst, da gibt es Gott sei Dank keine Probleme mehr. Das wurde perfekt gemacht. Wir müssen sicherstellen, dass wir das Auto mit den Reifen richtig einstellen für die Strecken, die nun auf uns zukommen." Und genau dieses Themenfeld hat man zum Abschluss am Freitag noch einmal besonders im Fokus. Vor allem der linke vordere Reifen litt am Donnerstag sichtbar unter starken Belastungen.

"Das ist ganz normal hier", relativiert Bottas. "Auf dieser Strecke baut der vordere linke Reifen zuerst ab. Man blockiert das Rad schnell mal beim Anbremsen. Dadurch sieht es manchmal schlimmer aus als es eigentlich ist." Im Vergleich zu den Pneus am Ferrari, in deren Diensten Sebastian Vettel am Donnerstag ein ähnliches Programm inklusive Rennsimulation abspulte, sah der Pirelli am Mercedes W08 deutlich beanspruchter aus. Hier bedarf es einer Verbesserung über Setupoptimierungen.

"Wir würden gern noch mehrere Tage testen, um noch mehr herauszufinden. Leider ist nun aber nur noch ein Tag übrig. Das ist für alle Teams gleich. Wir haben sicherlich bisher das Beste aus den Probefahrten gemacht", erklärt der finnische Neuzugang im Team. "In Melbourne erwartet uns ein enger Wettkampf. Deshalb müssen wir morgen das Beste aus unserem letzten Testtag herausholen und so viele Kilometer wie möglich zurücklegen."

Tiefstapeln oder reale Witterung von "roter Gefahr"? Bei Mercedes will man sich bislang keine klare Favoritenrolle zuschreiben lassen. "Ich glaube, dass Ferrari blufft und sie sehr viel schneller sind, als sie es gerade zeigen", äußert Lewis Hamilton einige Bedenken über die Konkurrenzfähigkeit der Silbernen. "Sie sind sehr nah an uns dran. Derzeit ist es schwierig zu sagen, wer im Moment schneller ist. Aber sie sind sehr nah dran, wenn nicht sogar schneller."

Brown: „Krise wäre ein zu starkes Wort“ Brown: „Krise wäre ein zu starkes Wort“ Abschlussbericht Abschlussbericht

Ähnliche Themen:

Formel-1-Test: Barcelona II

Weitere Artikel

Nike, Ben & Jerry’s & Domino’s und ihre automobilen Anfänge

Drei große Marken fingen klein an: mit VW

Viele erfolgreiche Unternehmen führen ihr Erbe auf ein Kleinunternehmen zurück, das als ein Projekt aus Leidenschaft begann. Einige dieser inzwischen berühmten Unternehmen sehen in einem Volkswagen-Modell einen Schlüsselakteur ihrer Anfangszeit

Behind the scenes: So entsteht eine Alufelge

Die Geburt einer Felge

Am Anfang steht die Idee, am Ende ein vollkommen anderer Look eures Autos. Alles dank der neuen Felgen. Was dazwischen passiert, erklärt dieser Artikel.

Der Langstrecken-Experte

Kawasaki Versys 1000 SE im Test

Mit der Versys 1000 SE hat Kawasaki die Klientel der eingefleischten Weitfahrer im Fokus. Die straßenorientierte Reiseenduro setzt auf einen Reihenvierzylinder und jede Menge Technik.

Es kann nicht nur einen geben

Toyota Highlander startet in Europa

In anderen Regionen der Welt schon eine bekannte Größe kommt der Toyota Highlander nun auch nach Europa. Einen Design-Oscar wollen die Japaner damit nicht einheimsen. Der Neue ist eher ein Fall für herausfordernde Einsätze auch abseits des Asphalts.