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Formel 1: Analyse

Ferrari: droht bisantes Fahrer-Szenario?

Leclerc konnte bei den Wintertests die Zeiten von Vettel mitgehen. Wird es für Ferrari zum Problem, wenn beide auf einem Niveau fahren?

Die Formel-1-Welt blickt 2019 nicht nur gespannt auf den bevorstehenden Kampf zwischen Ferrari und Mercedes. Viele beobachten auch ganz genau, wie sich Neuling Charles Leclerc bei der Scuderia intern gegen Platzhirsch Sebastian Vettel schlagen wird. Manche fühlen sich sogar an die Situation im Jahr 2007 bei McLaren erinnert, als Rookie Lewis Hamilton an der Seite von Weltmeister Fernando Alonso fuhr.

Ironischerweise ging der WM-Titel damals ausgerechnet an Ferrari und Kimi Räikkönen - weil sich McLaren mit internen Querelen selbst im Weg stand. "Da war das Team nicht stark genug, eine Nummer 1 zu bestimmen", erinnert sich Experte Marc Surer im Podcast 'Starting Grid' zurück und erklärt: "Damals hat McLaren mit dem schnellsten Auto im Feld die Weltmeisterschaft verloren."

"Hätten sie von Anfang an auf Alonso gesetzt, wäre das nie passiert. Ich kann Ferrari nur raten: Setzt auf Vettel - und lasst den Jungen einfach dahinter fahren. Dann werdet ihr Weltmeister. Wenn sie sie gegeneinander fahren lassen, dann wahrscheinlich nicht", prophezeit der Schweizer. Tatsächlich erklärte der neue Ferrari-Teamchef Mattia Binotto bereits, dass Vettel in diesem Jahr die Nummer 1 bei den Roten sei.

Grundsätzlich glaubt Surer, dass Leclerc nicht viel langsamer ist als Vettel. Gerade deshalb ist es für ihn wichtig, keine Unruhe entstehen zu lassen. "Ich glaube schon, dass da einer ist, der auf dem gleichen Niveau fährt wie Sebastian Vettel. Es fehlt die Erfahrung. Deswegen gibt's mehr Fehler, es gibt mehr Zwischenfälle. Aber grundsätzlich kann man sagen: Der hat [bei den Tests] sofort die Rundenzeiten geschafft, und zwar konstant", erinnert Surer.

Leclerc ist einer, "mit dem Vettel rechnen muss"

Bei den Tests in Barcelona konnte Leclerc ähnliche Zeiten fahren wie Vettel, am Ende der zwei Wochen war er nur 0,007 Sekunden langsamer als der viermalige Weltmeister. "Er ist einer, mit dem Vettel rechnen muss. Ich würde sagen, die Chancen sind 50:50. Die sind beide auf dem gleichen Niveau", so Surer. Das könne für Probleme sorgen, wenn man sich nicht auf eine Nummer 1 festlegt - wie 2007 bei McLaren.

Aktuell verstehen sich die beiden neuen Teamkollegen (noch) gut. "Wir sprechen viel über das Verhalten des Autos, über sein und mein Feedback. Wir hören uns gegenseitig zu", berichtet Vettel selbst und ergänzt, zwischen den beiden gebe es "so viel Austausch, wie man haben kann." Vettel verrät weiter: "Es gab viele Fragen - nicht nur von seiner Seite. Ich habe auch viel gefragt."

Auch bei Ferrari ist man sich bewusst: Will man Mercedes in diesem Jahr endlich schlagen, müssen alle an einem Strang ziehen. Das gilt auch für die Fahrer. "Ich bin mit Kimi [Räikkönen] bekanntlich immer sehr gut klargekommen", erinnert Vettel und witzelt im Hinblick auf seinen schweigsamen Ex-Teamkollegen: "Ich glaube, ich habe mit Charles in der [ersten] Woche mehr gesprochen, als mit Kimi bis zum Rennen im Barcelona."

Leclerc will von Vettel "lernen"

Mit Leclerc, für den das ganze Team neu ist, gebe es bei der Scuderia nun eine "andere Dynamik". Und so, wie sich das bei Vettel anhört, scheint das nicht negativ zu sein. Auch das Leclerc einen etwas anderen Fahrstil hat als sein finnischer Vorgänger, ist laut Vettel kein Problem. "Er ist schnell und weiß, wie man ein Auto fährt - ansonsten wäre er nicht hier", so der viermalige Champion.

"Ich weiß nicht, wie sich Kimi schlagen würde, weil er nicht im Auto sitzt. Von außen ist das schwer zu sehen. Aber an den Daten sehe ich, dass [der Fahrstil] etwas anders ist", erklärt er. Grundsätzlich wolle man aber "die gleichen Dinge" vom Auto. "Wir haben unterschiedliche Fahrstile, aber das Feedback ist gleich. Das ist gut für das Team", bestätigt auch Leclerc selbst, der lediglich von "Kleinigkeiten" spricht, die sich unterscheiden.

Der 21-Jährige ergänzt im Hinblick auf seinen erfahrenen Teamkollegen: "Ich kann eine Menge von ihm lernen." Was sich so harmonisch anhört, muss allerdings nicht zwangsläufig so bleiben. Auch bei McLaren herrschte vor der Saison 2007 eine gute Stimmung, die erst im Laufe des Jahres kippte. Sollte Leclerc 2019 tatsächlich auf Vettel-Niveau fahren, wird es am Team liegen, das in diesem Fall zu verhindern.

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