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Barcelona-Tests, Tag 6: Bestzeit Bottas, Verstappen Schnellster
Foto: LAT

Bestzeit Bottas, Verstappen Schnellster

Wie bitte? Ja, Mercedes fährt auch in der zweiten Woche der Wintertests 2020 Bestzeit - aber eigentlich war am Freitag Max Verstappen am schnellsten ...

Nach seiner Bestzeit am vergangenen Freitag hat Valtteri Bottas auch die zweite Woche der Wintertests in Barcelona als Schnellster beendet. Obwohl er sich im Vergleich zur ersten Woche nicht steigern konnte (1:15.732 zu 1:16.196 Minuten), ist sein Mercedes-Team damit der erklärte Favorit für den Formel-1-Saisonauftakt 2020 in Melbourne (15. März).

Bottas hatte zu Mittag von Lewis Hamilton übernommen, der am Testen bekanntlich wenig Freude findet. Hamilton landete am sechsten und letzten Tag mit 0,214 Sekunden Rückstand auf seinen Teamkollegen auf P5. Doch Mercedes war, das ist dokumentiert, nach vier Motordefekten an fünf Tagen mit gedrosselter Power unterwegs. Und einem neuen Heckflügel.

Die Probleme mit der Antriebseinheit sind der große Unsicherheitsfaktor im Camp der Silberpfeile. "Beunruhigt mich das? Ja, sicher! Normalerweise haben wir nach den Wintertests mehr Vertrauen in unsere Zuverlässigkeit", seufzt Hamilton - obwohl er am Freitag beeindruckende 90 Runden schaffte. Aber er sagt auch: "Es ist gut, dass wir die Probleme beim Testen entdecken."

Was den Speed betrifft, scheint Red Bull nahe an Mercedes dran zu sein. Max Verstappen wäre wahrscheinlich Tagesbestzeit gefahren, hätte er nicht auf seiner bis dahin schnellsten Runde den letzten Sektor verpatzt. Am Ende wurde er Zweiter, mit 0,073 Sekunden Rückstand. Die Sektorenanalyse zeigt: Red Bull verliert im dritten Sektor am meisten.

Warum Red Bull optimistisch sein kann

Verstappen fügte seinen bisher sechs Drehern des Winters am Freitag keinen weiteren hinzu. Dennoch verbrachte er viel Zeit an der Box. Die 100-Runden-Marke knackte Red Bull als letztes der zehn Teams. Trotzdem sagt der 22-jährige Niederländer: "Das Auto fühlt sich gut an. Es ist definitiv eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr."

Bevor sich Verstappen mit dem C4 auf P2 verbesserte, fuhr er 1:16.384 Minuten auf dem C3. Der ist pro Runde um 0,7 bis 0,8 Sekunden langsamer als der C5, mit dem alle anderen aus den Top 5 ihre Bestzeit aufstellten. Oder, in anderen Worten: Red Bull hätte am Freitag locker 1:15.5 Minuten fahren können - und damit eine neue Bestzeit des gesamten Winters aufgestellt.

"Auch wenn uns ein paar Kilometer fehlen: Ich habe das Gefühl, dass wir viel besser auf den Saisonauftakt vorbereitet sind als vor einem Jahr", sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Dass sich Verstappen in den beiden Wochen öfter gedreht hat als jeder andere, bereitet ihm kein Kopfzerbrechen. Das sei in erster Linie am Wind gelegen.

Bei Ferrari war am Schlusstag nur noch Charles Leclerc im Einsatz, und dessen Quali-Simulation brachte P4 ein. Rückstand auf Bottas: 0,164 Sekunden. "Unsere Hauptgegner sind schneller", wiederholt Ferrari-Teamchef Mattia Binotto seine Befürchtung der vergangenen Tage. Aber: "Wir stehen am Anfang einer langen Saison. Wir waren sehr zuverlässig. Das war eines unserer Ziele."

Binotto gibt Ferrari nur Note 6/10

So gesehen sei der Winter "ein positiver" gewesen, bilanziert Binotto. Aber der Verdacht einiger Verschwörungstheoretiker im Paddock, dass Ferrari nur blufft, um dann in Melbourne alle zu schockieren, kostet den gebürtigen Schweizer ein Lachen. Auf einer Skala von null bis zehn bewertet er Ferraris Winter so: "Für den Test an sich eine Acht. Für die Performance eine Sechs."

Besonders spannend war am Freitag, die langen Rennsimulationen der Teams genau zu beobachten. Da ist Mercedes einsame Spitze. Ferrari bestenfalls dritte Kraft. Und McLaren, obwohl absolut gesehen beim Testfinale nur auf P8 (Carlos Sainz/+0,624), ist im Mittelfeld neben Racing Point anzusiedeln. Der Test sei "definitiv" sehr gut verlaufen, strahlt Teamchef Andreas Seidl: "Ich bin sehr glücklich."

Auf dem C3 1:16.8 Minuten zu fahren, fühle sich "besonders" und "schnell" an, lächelt auch Sainz selbst verschmitzt: "Ich bin besonders zufrieden mit dem heutigen, sehr guten Testtag. Ich habe vor Australien noch drei, vier Dinge ausprobiert, die ich im Hinterkopf hatte. So definiere ich einen guten Testtag: Leg fest, was du ausprobieren willst, und zieh daraus deine Schlüsse."

Daniel Ricciardo (+0,080) beendete den Freitag letztendlich als Dritter. Als er zu Mittag an Esteban Ocon (6./+0,237) übergab, lag er noch in Führung - und erlaubte sich mit den Journalisten einen Scherz: "Ich glaube, ich hätte 1:14 fahren können, weil wir 90 Kilo Sprit im Tank hatten!" Das würde ihn glatt zum WM-Topfavoriten machen.

Ricciardo: Renault kann nicht unter 1:16 fahren

Die Realität ist: "Eine Zehntel geht immer. Aber unser Maximum wäre im Moment 1:16.0, 1:16.1. Ich glaube nicht, dass drei Zehntel drin gewesen wären, um unter 1:16 zu fahren. Lewis ist auch mit einem C5 gefahren. Ich weiß aber, dass wir nicht so schnell sind wie Mercedes. Andererseits: Wäre ich mit dem C5 gefahren und heute Sechster, wäre ich enttäuscht."

Racing Point beteiligte sich am Rundenzeiten-Showdown nicht ganz so angestrengt wie so manch anderes Team. Sergio Perez landete mit 0,438 Sekunden Rückstand auf P7. Trotzdem blickt sein Technischer Direktor Andrew Green der neuen Saison optimistisch entgegen: "Es sieht sehr vielversprechend aus. Das steht fest."

Der "rosarote Mercedes" ist eine der großen Überraschungen des Winters. Und Gegenstand von Kritik. Green lässt das kalt: "Die Leute reden über uns, sie beschweren sich über uns. Das werte ich als starkes Zeichen, dass wir etwas richtig gut machen. Wenn wir ganz hinten wären, würde sich keiner für uns interessieren."

Abgesehen von Alexander Albon (14./Red Bull/+1,607), der am Vormittag ohne auf die Stoppuhr zu achten testete, waren erneut Alfa Romeo und Haas am langsamsten unterwegs. Der Ferrari-Motor, hört man, ist 2020 nicht mehr Branchenführer in der Formel 1. Was vielleicht an einer brisanten Mitteilung der FIA liegt, die am Freitagabend veröffentlicht wurde ...

Was sonst noch los war:

George Russell schaffte auch bei der Zeitenjagd am letzten Testtag den beachtlichen neunten Platz und kam bis auf 0,675 Sekunden an die Spitze heran. Trotz zwischenzeitlichen Problemen mit der Radaufhängung. Mit 145 Runden war er, anders als Teamkollege Nicholas Latifi am Donnerstag, aber nicht der fleißigste Pilot. Das war Daniil Kwjat (10./+0,718) mit 160 Runden.

Bereits am Vormittag drehten sich Kimi Räikkönen und Alexander Albon. Beide Zwischenfälle blieben ohne nennenswerte Folgen. Die Session wurde in den acht Stunden kein einziges Mal unterbrochen. Womit die Formel-1-Generation 2020 ihre beeindruckende Zuverlässigkeit unterstreicht.

© Motorsport-Total.com

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