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Piaggio XEvo 400 - im Test

Business Class in 14 Zoll

Für knapp 6.000,- Euro markiert der neue XEvo mit dem 400er Motor die Spitze des hausinternen Touring-Angebots.

mid/rkm

Bei Piaggios Roller-Modellen steht das X in der Typenbezeichnung für die Gattung der GT-Scooter. Das sind jene agilen Touren-Sofas, die sich gerade bei Fahrern großer Beliebtheit erfreuen, die gerne jemanden mitnehmen.

Bislang gab es X9, X8 und X7, die jeweils in unterschiedlichen Hubraumklassen erhältlich waren. Jetzt markiert der neue XEvo mit 400 Kubikzentimetern das neue Spitzenmodell der Marke.

Man muss zweimal hinschauen, damit die Unterschiede zum erst ein Jahr alten X8 auffallen. Erkennbar ist der XEvo am deutlichsten am Sissybar für den Beifahrer sowie der Rückenstütze für den Fahrer.

Geschmackssache ist das hoch gelegte Schutzblech vorne, das nicht mit dem Vorderrad mitschwingt, sondern fest montiert ist. Bei Kurvenfahrten sieht das aus, als wolle das Rad seitlich wegkippen.

Aufgewertet wurde die Frontverkleidung mit Doppelscheinwerfer und verchromten Blinkern, die auch im Warnblinkmodus aktiviert werden können. Die Cockpit-Einheit ist als rundum gelungen zu bezeichnen, keine überflüssigen digitalen Spielereien nerven, dafür geben gut ablesbare, analoge Rundinstrumente Auskunft über Geschwindigkeit und Drehzahl.

Eine zusätzliche zentral angeordnete LCD-Einheit bietet weitere Infos wie Uhrzeit, Motortemperatur und Kraftstoffstand, zentral informiert das Display wahlweise über die gefahrenen Kilometer oder die Lufttemperatur.

Warum der Druckknopf für die Einstellung der verschiedenen Modi allerdings in einem kleinen, nicht abschließbaren Staufach in der Frontverkleidung verschwinden musste, bleibt ein Rätsel.

Am Heck runden neue Chromleisten den hochwertigen Eindruck ab. Mit Fernbedienung lassen sich die praktische Heckklappe sowie die Sitzbank öffnen, um im 56 Liter fassenden Stauraum allerlei Gepäck unterzubringen.

Trotz des langen Faches lassen sich lediglich ein kleiner Integral- sowie ein Jethelm unterbringen. Dennoch kann das Platzangebot als überdurchschnittlich bezeichnet werden.

Dass der XEvo kein Leichtgewicht ist, merkt man beim Rangieren. Die 212 Kilogramm Masse bei vollem Tank wollen erst einmal hin und her geschoben sein. Einmal ins Rollen gebracht, spürt der Fahrer das Gewicht kaum noch, was an der cleveren Gewichtsverteilung liegt.

Die konventionelle Telegabel setzt Lenkimpulse flott um, so dass sich der Roller fast spielerisch um Hindernisse manövrieren lässt. Der lange Radstand von 2,20 Metern sorgt zudem in Verbindung mit den beiden 14-Zoll-Rädern für eine gute Geradeauslaufstabilität.

Erfreulich, dass der Maxi auch im Zwei-Personen-Betrieb nichts von seiner Souveränität einbüßt. Zwei Dinge trüben indes den guten Fahreindruck: Längsrillen in der Fahrbahn läuft der Italiener ungefragt hinterher und derbe Buckel wie Bodenwellen landen unfein im Rücken des überraschten Fahrers.

Dass der 400er-Motor in Sachen Fahrleistungen dem neuen Piaggio-Einzylinder mit 500 Kubik allerdings kaum hinterherhinkt, ist höchst bemerkenswert. Zum XEvo passt der Einspritz-Single jedenfalls bestens. Aus dem Stand entfaltet er seine Leistung zunächst recht verhalten, doch ab circa 40 Sachen legt er los wie die Feuerwehr.

Diese Drehfreude hält auch bis in Geschwindigkeitsbereiche jenseits der 120 km/h an. Überholvorgänge werden zum Kinderspiel, und auf der Autobahn reibt sich mancher Autofahrer verwundert die Augen, wenn er von dem 400er mit Tempo 160 überholt wird.

Längere Fahrten in diesem Geschwindigkeitsbereich sind allerdings keine Freude, da es schon bei Tempo 100 um den Helm herum sehr laut wird. Die Windschutzscheibe ist für größere Fahrer zu steil ausgelegt und bietet deshalb wenig Wetter- und Lärmschutz. Davon abgesehen ist der Wind- und Regenschutz bestens.

Das Beinkleid verschwindet nahezu komplett hinter der Verkleidung, ohne dass die Sitzhaltung unkomfortabel würde; und die Lenkerenden liegen geschützt auf Höhe der Außenspiegel, ohne dass die Sicht eingeschränkt wird.

Nicht optimal fällt der Sitzkomfort aus: Der Polster liegt ungewöhnlich hoch, so dass man an der Ampel Probleme hat, die Füße aufzustützen. Im Gegenzug ist das Trittbrett so weit oben, dass die Knie vergleichsweise hoch liegen. Wohl dem, der auf dem Soziusplatz mitreist - hier passt die Ergonomie einfach besser.

Unverständlich ist, dass Piaggio in dieser Klasse auf ein Integralbremssystem verzichtet - von der Möglichkeit, wenigstens optional ein ABS anzubieten, ganz abgesehen. Für einen Roller, der eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h erreicht, kann man etwas mehr als zwei Scheibenbremsen vorne und eine hinten erwarten.

Sie verrichten ihren Dienst zwar brav, aber ein Gefühl für den richtigen Druckpunkt bekommt man nicht.

Der XEvo 400 kostet 5.999,- Euro, für ein Upgrade in die Business Class ist das nicht viel. Allerdings sollte man dafür nicht erwarten, statt Sekt nun Champagner serviert zu bekommen.

Teststeno Piaggio XEvo 400:
Tourenroller mit flüssigkeitsgekühltem Einzylinder-Viertakt-Motor, 4 Ventile je Zylinder, Hubraum 399 ccm, max. Leistung 25 kW/33 PS bei 7.250 U/min, max. Drehmoment 36 Nm bei 5.500 U/min, elektronische Kraftstoffeinspritzung, geregelter Katalysator, CVT-Automatikgetriebe, Stahlrohr-Rahmen, Telegabel, Triebsatzschwinge mit zwei Federbeinen, Sitzhöhe 79 cm, Tankinhalt 12 Liter, Leergewicht 212 kg, zul. Gesamtgewicht 400 kg; Preis 5.999,- Euro.

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