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BMW F 850 GS - erster Test BMW F 850 GS 2018

Rundum nachgelegt

Für lange Touren und Offroad-Einsatz ist die neue Enduro-Mittelklasse BMW F 850 GS mehr geeignet, als ihre ebenfalls neue Modellschwester 750 GS.

Ralf Schütze/mid

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1,2 Millionen Testkilometer stecken in den Knochen der Entwickler und als Erfahrungsschatz in den neuen Enduros. Das merkt man vor allem der 95 PS starken F 850 GS sofort an.

Im Vergleich zum Einsteiger-Bike F 750 GS ist sie das ausgeprägtere Touren-Bike mit größerem Offroad-Talent. Zu haben ist die neue F 850 GS ab Mitte Mai zu Preisen ab rund 13.500 Euro (Deutschland: 11.700 Euro) - ausstattungsbereinigt voraussichtlich nicht teurer als das Vorgängermodell.

Die Modellnamen trügen: Sowohl in der F 750 als auch in der stärkeren F 850 GS arbeitet ein Zweizylinder-Motor mit 853 Kubikzentimeter Hubraum. Allerdings: Die Abstimmung ist unterschiedlich. Sanftere 77 PS bei der 750er, impulsivere 95 PS bei der 850er. Die Motoren kommen nicht mehr wie bisher von Rotax aus Österreich, sondern aus China vom BMW-Partner Loncin.

Für frischen Motorsound sorgt die unregelmäßige Zündung des Zweizylinders. Er klingt so knackig wie ein V2, was vor allem zum Charakter der temperamentvolleren 850er passt. Darin und in einigen Fahrwerksänderungen liegt der Schlüssel zum größten Verdienst des Entwicklungs-Teams um Florian Schmid: "Wir sind vor allem stolz auf die große Spreizung, die wir zwischen F 750 und 850 GS verwirklicht haben."

Spreizung heißt konkret: Während die Kleinere ein gutmütiger Allrounder vor allem für die Straße ist, entpuppt sich die größere, schwerere und mehr auf Tour und Offroad ausgelegte F 850 GS bei ersten Testfahrten rund um Malaga bei Bedarf als heißes Eisen. In niedrigeren Drehzahlregionen liegen die beiden Triebwerke ungefähr gleichauf, doch oben raus glänzt die 850er mit 18 PS mehr Leistung (95 statt 77) und wuchtet mit zusätzlichen neun Newtonmeter Drehmoment auch deutlich mehr Schubkraft auf die Kette (92 statt 83).

Dabei dreht der V2-artig bollernde Reihen-Zweizylinder quirlig fast bis zur Leistungsspitze, die bei 8.250 U/min erreicht ist, und gibt sich dennoch auch weit darunter kraftvoll und impulsiv. Vibrationen haben BMW und Loncin dem Triebwerk ebenso fast gänzlich ausgetrieben wie übermäßigen Durst: Mit 4,1 l/100 km laut WMTC-Norm gönnt sich der 853 ccm-Twin nicht viel, und unser Testverbrauch lag mit 4,8 l bei forscher Gangart in vertretbarem Maße darüber. Damit erfüllt die F 850 GS in Sachen Reichweite allerdings nur befriedigend den Anspruch an ein Tourenbike: Mit einem Tank kommt man 313 km weit. Allerdings wird der klassische Weltenbummler GS Adventure mit größerem Spritvorrat sicher bald folgen.

Die Fahrmodi "Road" und "Rain" bringen serienmäßig zusätzliche Sicherheit. Mit der aufpreispflichtigen Option "Fahrmodi Pro" kommen "Dynamic" und "Enduro" hinzu, außerdem die dynamische Traktionskontrolle DTC und das kurvenoptimierte ABS Pro samt dynamischem Bremslicht.

Nur bei der F 850 GS lässt sich außerdem über Codierstecker der zusätzliche Fahrmodus "Enduro Pro" freischalten. Er bietet vor allem fürs Gelände weitere Einstellmöglichkeiten, wodurch sich das Bike dem Fahrkönnen und den Vorlieben des Piloten anpasst.

Beide BMW-Enduros treten jetzt wesentlich markanter auf als die Vorgänger F 700 und 800 GS. Spezialitäten der neuen 850er neben der speziellen Motorabstimmung: Ein größeres Windschild, eine Upside-Down-Gabel, längerer Radstand, deutlich mehr Sitzhöhe (variabel 815-890 mm) und ein Offroad-freundliches, 21 Zoll großes Vorderrad (750 GS: 19 Zoll).

Die von uns gefahrene Designvariante "Rallye" ist ebenfalls nur der F 850 GS vorbehalten. Dazu gehören die Lackierung in Weiß mit blau-rotem Dekor, die Sitzbankfarbe Rot/Schwarz, Handprotektoren und die Kreuzspeichenräder mit auffällig in Gold eloxierten Felgenringen. All das macht aus der Mittelklasse-Enduro auf den ersten Blick eine offroad-orientierte Fahrmaschine.

Bei unseren Fahreindrücken on- und offroad wurde schnell klar: Projektleiter Florian Schmid und seine Mitstreiter haben offenbar vier Jahre lang ganze Arbeit geleistet. Fahrwerk und Motor harmonieren sowohl auf Asphalt als auch im Gelände. Allerdings gewöhnungsbedürftig: Das zeitweilige Klacken am Hebel der Anti-Hopping-Kupplung.

Doch schnell weiß man die Qualität dieser Technik zu schätzen - störendes Einwirken von Motor-Schleppmoment etwa bei starken Bremsmanövern ist deutlich reduziert. Das Sechsgang-Getriebe lässt sich weitgehend gut schalten, verlangt nur manchmal etwas Nachdruck. Die unteren drei Gänge sind kürzer ausgelegt als bisher, was der Spritzigkeit des Bikes dient. Die oberen Gänge sind länger ausgelegt, um auf Langstrecke Sprit zu sparen. In der Fahrpraxis fühlt sich diese Auslegung absolut überzeugend an.

Die umfassenden Verbesserungen an BMWs Enduro-Mittelklasse (bis hin zur Smartphone-Connectivity oder dem intelligenten Notrufsystem eCall) sind für die 850er enorm wichtig: Als die Bayern 2008 das Segment der Zweizylinder-Enduros wiederbelebten, war Konkurrenz Mangelware. Inzwischen hat Honda erfolgreich seine Legende Africa Twin wiederbelebt. Dieser starken Herausforderung begegnet die neue F 850 GS mit schärferem Design, neuen Technologien und stärkerem Antrieb als bisher. Bei voraussichtlich gleichbleibenden Preisen, wenn man die größere Serienausstattung berücksichtigt, geht sie also ab 12. Mai deutlich gestärkt ins Rennen.

Wassergekühlter Zweizylinder-Viertaktreihenmotor mit vier Ventilen pro Zylinder, Hubraum 853 ccm, max. Leistung 70 kW/95 PS bei 8.250 U/min, max. Drehmoment 92 Nm bei 6.250 U/min (für Führerscheinklasse A2 alternativ ab Werk mit 35 kW/48 PS bei 6.500 U/min und 63 Nm bei 4.500 U/min), klauengeschaltetes Sechsganggetriebe, im Motorgehäuse integriert, Kette.
Stahlbrückenrahmen in Schalenbauweise, Motor mittragend, vorn Upside-down-Gabel mit 43 mm Tauchrohrdurchmesser, hinten Aluminium-Zweiarmschwinge, direkt angelenktes Zentralfederbein, Federbasis hydraulisch einstellbar, Zugstufendämpfung einstellbar, vorn hydraulisch betätigte Doppelscheibenbremse, Ø 305 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, hinten Hydraulisch betätigte Einscheibenbremse, Ø 265 mm, Einkolben-Schwimmsattel, BMW Motorrad ABS, abschaltbar, Reifen vorn 90/90 R21, hinten 150/70 R17, Sitzhöhe 860 mm (wahlweise 815-890 mm), Radstand 1.593 mm, Tankinhalt 15 Liter, Leergewicht 229 kg, zul. Gesamtgewicht 445 kg.
Höchstgeschwindigkeit "über 200" km/h, 0-100 km/h 3,8 s, Kraftstoffverbrauch (WMTC) kombiniert 4,1 l/100 km.
Preis: voraussichtlich 13.500 Euro (Deutschland: 11.700 Euro) ab Mai.

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