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Honda CB1000R - erster Test Honda CB1000R 2018

Neo Sport Café

Ein agiles Naked Bike im klassisch-modernen Stilmix - genannt Neo Sport Café - hat Honda mit der CB1000R auf die Straße gebracht. Erster Test.

Ralf Schütze/mid

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Typisch Honda: Der Motor der neuen CB1000R ist ein echtes Sahnestück. Eigentlich könnte der Weltmarktführer in Sachen Motorrad auch "JMW" heißen, Japanische Motorenwerke.

Die 2006er Version des ohnehin sehr reizvollen Einliter-Vierzylinders aus dem Supersportler CBR1000RR Fireblade wurde für den Einsatz im Naked Bike nochmals optimiert. Gefordert ist hier vor allem Druck in allen Lebenslagen statt Spitzenhöchstleistung nur nahe dem Drehzahlbegrenzer.

Ergebnis in der neuen Honda CB1000R: Zwischen 6.000 und 8.000 U/min katapultiert eine sogenannte "Torque Ramp" (Drehmoment-Rampe) den Piloten vehement nach vorne und zieht ihm förmlich die Arme lang. Solche Impulsivität würde man dem seidenweichen Vierzylinder zunächst gar nicht zutrauen.

Und was erstmal arg heftig wirkt, macht auf Dauer regelrecht süchtig: Immer wieder das Reissen am elektrischen Gashahn, bis einen endlich die Torque Ramp dem angepeilten Horizont ganz schnell näher bringt - herrlich. Schaltfaules Dahincruisen als Kontrast zum beherzten Angasen ist darüber hinaus möglich mit dem drehmomentstarken Triebwerk. Dessen Leistungscharakter lässt sich mit den drei Fahrprogrammen Sport, Standard und Rain den aktuellen Verhältnissen anpassen.

Optisch ist Hondas neues Naked Bike eine ungewöhnliche Mischung aus Retro und Neo. Daher klingt auch Hondas eigene Bezeichnung "Neo Sport Café" absolut anschaulich. Den vollen Begriff "Café Racer" haben die Japaner wohlweislich vermieden, denn die CB 1000 R soll keine Reminiszenz an die guten, alten Sportbikes der 60er Jahre sein. Das übernehmen andere wie BMW R nineT, Triumph Thruxton oder eben die Markenschwester CB 1100 RS. Vielmehr ist die CB 1000 R eine neuzeitliche Interpretation eines klassischen Bikes. Stilelemente wie Hondas traditionelles Flügel-Logo am Tank oder die Umrisse eines klassischen Rundscheinwerfers verbindet sie mit moderner LED-Technologie zu einem eigenständigen Look. Eben "Neo Sport Café".

Aus diesem insgesamt schlüssigen Gesamtbild bricht regelrecht ein etwas klobig wirkendes Auspuffendrohr hervor. Dessen üppige Maße hätten gut und gerne einem dezenteren Endrohr im Stile der CB1100RS weichen können. Nicht ganz nachvollziehbar erscheint uns, dass neben dem LCD-Display ein bunt flackerndes Lämpchen darüber aufklärt, ob die momentane Fahrweise sparsam oder eher exzessiv ist - die Antwort auf eine Frage, die ein sportlich orientierter Naked Bike-Fahrer eher nicht stellt, solange der Gesamtverbrauch im Rahmen bleibt.

Und das ist beim Einliter-Vierzylinder der Fall. Wenn man die 145,5 PS einigermaßen ausgewogen abruft, sind 6,8 l/100 km Testverbrauch eine vertretbare Überschreitung des WMTC-Normverbrauchs, den Honda mit 5,8 l/100 km angibt.

Dem "Café" in der neu kreierten Gattung "Neo Sport Café" wird die CB1000R voll gerecht, wenn man den Langstreckenkomfort betrachtet: Relativ kurzer Abstand zum Lenker und ein recht enger Kniewinkel bringen zumindest großgewachsene Fahrer schnell zu der Überzeugung, dass man lieber das um die Ecke liegende Lieblings-Café ansteuern sollte, als die weite Urlaubsreise anzutreten.

Doch das wird Hondas neuem Naked Bike nicht ganz gerecht, denn auf kurvigen Landstraßen spielt die Japanerin so richtig ihre Stärken aus und verwöhnt den Piloten auch stundenlang mit derart hohem Fahrspaß, dass der begrenzte Langstreckenkomfort völlig in den Hintergrund rückt. Dabei kommt zum Tragen, dass Honda bei der Entwicklung der neuen CB1000R im Vergleich zur bisherigen immerhin zwölf Kilo Ballast einsparen konnte.

Das Fahrwerk fühlt sich unter anderem deshalb sehr agil an, die CB lässt sich willig in Kurven neigen. Passend zum Charakter der Maschine ist die Sitzposition fahraktiv nach vorn orientiert. Über den fast schnurgeraden Lenker hat man stets alles gut im Griff. Auch die Bremsen fügen sich kräftig und gut dosierbar zubeissend ins sportliche Gesamtbild ein.

Nicht mehr als sechs Kunststoffteile will Honda im sichtbaren Bereich verbaut haben. Wir haben nachgezählt und können die Japaner nur bestätigen. Der Preis von 14.790 Euro (Deutschland: 12.985 Euro) erscheint absolut angemessen. Wer für 16.390 Euro (D: 14.485 Euro) zur CB1000R+ greift, erhält zusätzlich Heizgriffe, ein paar optische Extras wie ein zierliches aber hochwertiges Aluminium-Windschild sowie einen sogenannten Blipper. Mit dessen Hilfe lassen sich die Gänge ohne Kupplung sowohl nach oben als auch nach unten durchschalten - ein weiteres Plus an unbeschwertem Fahrspaß. Wenn man kein Naked Bike im Retro-Stil sucht, sondern eine weitgehend harmonische Mischung aus klassischem und modernem Look, dann ist die agile und kräftige Honda CB1000R genau das Richtige.

Naked Bike im klassisch-modernistischen Stilmix mit flüssigkeitsgekühltem Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, Hubraum 998 ccm, max. Leistung 107 kW/145,5 PS bei 10.500 U/min, max. Drehmoment 104 Nm bei 8.250 U/min, Sechsgang-Getriebe, Kette, Leichtmetall-Guss-/Stahlrohr-Rahmen, vorn voll einstellbare Upside-Down-Teleskopgabel, hinten Einarmschwinge mit Zentralfederbein, Vorspannung und kombinierte Druck-Zugstufen-Einstellung, vorn 310 mm Doppelscheibenbremse mit radial befestigten Vierkolbenbremszangen, hinten 256 mm Einscheibenbremse mit Doppelkolbenbremszange, ABS, Reifen vorn 120/70-17, hinten 190/55-17, Bridgestone S21, Sitzhöhe 830 mm, Radstand 1.455 mm, Tankinhalt 16,2 Liter, Gewicht vollgetankt 212 kg, zul. Gesamtgewicht 401 kg, Höchstgeschwindigkeit 230 km/h, Kraftstoffverbrauch (WMTC) 5,8 l/100 km.
Österreich-Preis: ab 14.790 Euro (Deutschland: 12.985 Euro).

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